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Der Orient · 1847-12-10 · Heft 50 (10.12.1847) · p. Seite 394

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 50 (10.12.1847)
Date
1847-12-10
Page
Seite 394 (sequence 3)
Language
German
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— 394 —- bet* Geist der modernen Pädagogik herrschen und die Zopfherrschast der ttüttclalte-rlicheu Melaittdim ihr Ende erreichen. In der Synagoge soll. unsere Bildung sich nicht verletzt fühlen, .durch. die Codices des. Mittelalters. Im Gemeindeleben soll "die gleiche Berechtigung Aller vorherrschend sein, und der Eumneipationskarnpf muß so lange durchgesührt werden, bis keinJude mehr geächtet uub geknechtet fein wird. Es giebt aber noch einen anderen Eluancipationskampf: eö ist der Kampf der in ne rn Emanzipation. Es nagen noch so vieleMisbräuche und Vomrtheile au Unseren: inner:: Leben, der' religiöse Zwiespalt, die Heuchelei, die Verstetlmig erzeugen so viel entsittlichende und demoralisirende Momente unter den Juden, daß dieser Kamps mit Wanne und Begeisterung geführt werden , muß, was der Redakteur dieses Blattes, da er kein von Volkslaunen uub Rücksichten abhängiger Theologe, zu leisten im Stande ist. Aber auch die Geschichte erhält ihren Tribut durch Aktenstücke und statistische Nachrichten. Ueberhaupt sucht die Redaktion diesen Th eil frisch und lebendig zu erhalten, damit er ein wahres Bild der innen: Gährung, desKampseS, des Zwiespaltes uub der Zerrissenheit abgebe, wenn sie auch unmöglich alle ihre Korrespondenten kontroliren und die volle Verantwortlichkeit für dieselben übernehmen kann. Sie ist sich aber bewußt, stets im rmeigcnnützigen Dienste der Wahrheit zu steheru II. Studien. Hier liegt das ganze große Gebiet der jüdischen Wissenschaft offen. Geschichte, Sprachforschung, Exegese, Literaturkunde, Bibliographie, NellgionsphilosophLe, Theologie, Alterthmnskunde — alle bieten ihre Fundgruben zur Benutzung dar. Natürlich kann die Aufgabe eines Journals nur sein, anzuregcn, aufznmuntern, Winke zu geben,' Materialien zu sammeln, Grundlinien zu entwerfen oder, in der höchsten journalistischen Form, Abhandlung:':: zu liefern. WaS der „Orient" bis jetzt in-diesem seinen Theite geleistet, kann nur der bc'nrtheilen, welcher da Litera tuten tw icke ln ng seit einem. Jahrzehend ungefähr gefolgt ist. Er hat die jüdische Wissenschaft ans da verschlossenen Bücherwelt in das Volk eiugesührt, und den Geistern der verschiedensten Länder einen Vereinigungs- Punkt geboten. Wir führen hier die Worte des Geschichtsschreibers Jost an: ,,Wir müssen dem Orient das Verdienst besonders bcimesstn, den vielen vereinzelten wissenschaftlichen Erörterungen und namentlich der historischen und linguistischen Seite der jüdischen Studien eine weit verbreitete Theilnahme und höhere Anerkennung verschafft zu haben, ein Verdienst, welches durch einen Rückblick aus bi<- Verwahrlosung aller jüdischen Wissenschast noch bis in die Zeit der Juli-Revolution, an Werth gewinnt.^ III. Kritiken. Alle Erscheinungen der jüdischen Literatur kommen zur Anzeige vom Standpunkte der Wahrheit aus. Die Jugend der jüdisch-literarischen Thätigkoit anerkennend, gehören wir nicht zu denen, die Alles bekritteln, sondern wir wellen fördern und aufmuntern, da die Zahl der jüdische:: Schriftsteller ohnedies nur sehr gering ist. Auch die kleinste Gabe nehmen wir mit Liebe und Anerkennung ans, wenn wir auch nicht unser Blatt zu literarischen -Lobhudeleien hergeben wollen. -— Und so treten wir unserem Publikum entgegen mit der Fahne der Wahrheit und Offenheit, das Geschwh unserer Gegner bemitleidend, Kultur und Wiffenschast fördernd, unsere zahlreichen Mitarbeiter achtend und zw» Schlüsse die Worte eines jüdischen Schriftstellers gebrauchend: ,,Sonnt sei der ,,Orient" der Gunst der Kerum und Würdigen empfohlen. Gegen Schimpf und Unglimpf ist er, wie sein Vater, gehärtet und gleichgittig". Die Redaktion des „Orient". Deutschland. Mus Dberschlesieu, 15. Novbr. So weit auch das erschienene neue Judeugesetz hinter den Erwartungen gar Vieler zurückgeblieben sein mag, so muß'cs doch von Jedermann als. ein Fortschritt begrüßt werden. Selbst die Idee des christlichen Staates, die sich trotz der vielfachen gründlichen Angriffe Geltung zn verschaffen wußte, kann in manchem Betracht als ein Sieg des Fortschrittes betrachtet werden. Man wagt es nämlich nicht mehr , den Juden Mangel an Reise oder sonstige moralische Gebrechen vorzuwerfen, und weiß als Motiv seiner Ausschließung weiter nichts vorzutragen, als— daß er kein Christ sei, wir können also der siegenden Wahrheit und Aufklärung getrost vertrauen, daß d«S Unhaltbare jener Idee in nicht ferner Zukunft allgemein erkannt werden wird. ELnS jedoch hat uns das neue Judeugesetz ge-' bracht — das ursprünglich im Gesetzentwürfe gar nicht! Vorgelegen und lediglich ein Geschenk der hohen Kurie» ist — was einen: Rückschritte ähnlich sichet und de» Juden vielfache Belästigung verursacht. Es ist dies nämlich der Zwang zur Civilehe und die Anmeldung der Geburten und Sterbefälle bei den Gerichten.

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