Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 49 (3.12.1847)
- Date
- 1847-12-03
- Page
- Spalte 779-780 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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779 780 Kriliken. Napapott und der Brief Schenra's. alle Polemik geschehen wird. Sie dürfen schlecht bestehen, wollte man in ihrer jnMroi nr6in, alles Ueberflüßige, allen unnützen Kram und alle Malicen ausscheiden und dem lieben mm 110 seinen Weil zurückgeben; in Ihrer l^p.1 1l^>r wissen Sie selbst, daß wenn man die von El. Flekeles in seinem ron^S mi£4l aus 60 §§♦ bestehende Abhandlung davon abziehet, .Ihnen nur eine sonderbare, haltlose Hypothese zurückbleibt. Und doch würde es eine Gemeinheit sein, in dieser Weise gegen Sie eine Polemik zu führen, und Ihre Mühen durchs ganze Leben zerstören. Aber wie ist Ihre Polemik, mit welchem Ramen soll man diese bezeichnen? Wie ich so eben sehe, haben Sie in der A. Z. d.I. unter den Aimoncen eine „Entgegnung" einrücken lassen, unterschrieben „die Freunde und Schüler Rapaports". Sie würden es mir ohne Versicherung glauben, daß ich Ihnen auf demselben Platze, d. h. im Anzeigeblatt, eine Entgegnung könnte^ annoiKtcen losten, die besser als Kalir'spip p plp p fangen dürfte; allem ich will es lassen, da ich dieser Entgegnung hier schon überdrüssig bin Aber das will ich Ihnen sagen, daß ich an Ihrer Stelle mich geschämt haben würde, eine solche Entgegnung zu veranlassen. Die Ueberschrift „Entgegnung" ist 1) eins Unwahrheit, da sie nichts in meinen Angaben widerlegt, sondern blos bellt, das umgekehrte Wunder ven Mizrajim, wo cs heißt itaprp N1?, 2) gehört sie als von einem y^rb ^.10) S« den d^UO Dnoi üynttf, da sie nicht meine Zurechtweisung abgewartet. Und wie die Überschrift so ist auch die Unterschrift eine Unwahrheit: „Mehrere Freunde und Schüler Rapaports in Prag", ist eine Unwahrheit. Rapaport hat keine Schüler und hat nie welche gehabt; Rapaports Freunde können entweder nicht deutsch schreiben, oder wenn Sie es können, so thun sie es nicht. Wie gesagt, Hr. Rap., da jeder weiß, daß sie von Ihnen ausgegangen, so hätten sie sich nicht so tief herablaffen sollen, daß man sagt: „Ist das eme Widerlegung"? Wer Ihnen dazu gerathen, ist nicht Ihr Freund. ' V. Widerstrebend, und mißgestimmten Gemüths habe ich meine züchtigende Rechtfertigung begonnen, misfällig und verdrießlich habe ich den stacheligen Verweis zu Ende geführt, und wenn der grelle Miston einer knotigen Polemik überhaupt entschuldbar, so hoffe ich, meine geehrten Leser zu überzeugen, daß diese vornehmlich zur rechtfertigen und zu entschulden. Die derbe und schonungslose Sprache der Zurechtweisung bietet niemals eine rosenlaumge Herzenswonne, das unverstellte und unverhohlene Tadelwort hat allzeitig nur Lästerung und Schmälirng zum Lohne zurückerwartet, und ich müßte verblendet und in eigenliebiger Täuschung befangen sein, in dieser peinlichen Selbstgeißelung eine herostratische Ruhmredigkeit zu suchen, wie kleinliche und verknöcherte Seelen mir so gern an'dichten. Nur die verderbten und entsittlichten jüdischen Zustandedie mit dem Lügenfpiele innig vermahlte Lichtend Wahrheitsscheu, konnten mich, wo sie gegen meinen durch keine äußere Lage zur Gleißnerei medergehaltenen Sinn andrängen,, zu jenem schmerzlichen Rügenamte anspornen, dem leider nur eine sehr kleine, parteilose und einsichtige Schaar gerecht wird. Es ist wahrlich keine modische AlltagS-Hyperbet, wenn ich den einschneidenden Ausspruch wage, unsere jüdischen Zustände und Verhältnisse als verderbte und entsittlichte zu bezeichnen, und wird wohl Niemand mich des Mangels glaudrnsgenossischen Mitgefühls anklagen, wenn ich der Klagende auch der Mitleidende bin. Unsere erste Entsittlichung liegt in der noch immer tiefwurzelnden rabbinischen Anschauung, welche ein Jahrhundert des Fortschritts, der Aufklärung, der Bildung und der Umkehrung aller Verhältnisse noch immer nicht zu bannen vermochte. Es ist jene orientalische talmudische Anschauung, die von den Hüllen der Ideen, von den kleinlichen, unwichtigen, engherzigen und mikrologischen Formen nicht lassen kann; es ist jene kleiumcisterische pedantische Anschauung, die geisteigen der Engherzigkeit und Geringfügigkeit, auf der weltbewegenden Stufenleiter, welche von der Form zum Geiste führt, noch nicht einmal die erste Sproße zu betreten versucht. Wie einst der talmudische Rabbi durchs ganze Leben äußerliche, schale, zufällig, gegebene Formen ohne Aufschwung und pedantisch besplittcrrichtete, wie jene talmudische« Haarspalter den Geist verhüllten, um in abgeschmackten Aeußerlichkeiten, in mikrologischem Krame zu kleineln, ebenso handeln unsere heurigen Nachkömmlinge jener Kleinkrämer, die zwar die äußere Form von Versammlungen und Koncllien abgelauscht, ohne jedoch den Geist, die Ideen anzurufen, ohne die Leichenhülle der Faden-Form abzuschütteln. Alles nützt sich in geistlähmendrn, gedankeumüdcn Zwergneckereien ab, vergeblich späht man nach einem geisterfüllten und gedankendurchdrungenen Kämpfer, es sind noch die Alten von vor zwier Tausend'Jahren, es sind noch dieselben urtümlichen Grillenfänger wenn sie gleich für das am Festtag gelegte Ei zum Thema die Hülsensrüchte nehmen. Und diese Geistes-, und Gedankenarmut!), die Seichtigkeit und Verachtung gegen Prinzipien, gegen Ideen, glebt unfern Rabbinen jenes Aussehen von Mutlosigkeit, Furchtsamkeit, Mangel an Selbstvertrauen, vorzüglich aber jene Entsittlichung der Heuchelei. Neben dem Formenkultus, erhalten dadurch, daß wir nicht in die europäische Anschauungsweise, die über die Formen hinaus den Ideen nachspürt, eingehen, neben den kleinlichen, an Nebendingen sich haltenden Tätigkeiten, ist die Heuchelei der zweite Moment der Entsittlichung tn unseren jüdischen Zuständen. Es giebt so viele und so mancherlei Dinge in unserer religiösen Observanz, die wir bei jedem vernünftigen Menschen als überwunden betrachten müssen, aber die Heuchelei sitzt zu Gericht. Wer kann es z. B.Rap. glauben, daß er wirklich nach menschlichem Gedanken behaupten könne, man müsse den Lulab nach der Mystik schütteln, oderman dürfe nicht ohne Mütze essen, u. soll man dies glauben, dann müßte man eher den Verstand solcher Rabbinen bezweifeln. Wenn man den Verstand dieser modernen Mückenfänger nicht bezweifeln will, dann muß man sie als der Fahne der Heuchelei dienstbar ansehen. — Und dieselbe Ent-