Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 49 (3.12.1847)
- Date
- 1847-12-03
- Page
- Spalte 781-782 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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781 Studien. Parabeln und Sentenzen in der Hagada» 782 sittlichung ist auf dem Gedie'.e des Studiums der Literatur. Die orientalische Anschauung läßt uns nicht über den pedantischen, Neinmeifterischen, mikrologischen Kram hinausblicken, wir sind leibeigen den Notizen, der zufälligen Sonderlichkeit, und diese Kleinlichkeit schafft jene reizbare Persönlichkeit, die in einem geraubten Citate den Raub ihres ganzen Schaffens -erblickt. Der Cituten-Kram, den bekanntlich erst der kleingläubige, des Selbstvertrauens ermangelnde mittelalterliche Scholasticismus aufgebracht (— die Griechen, Römer und die alten Hebräer wußten nichts von Citaten), ist selbst schon eine Entsittlichung in der Literatur; dev sich selbst nicht mehr trauende Schriftsteller will durch Zeugen, durch seine Citate sich ein Vertrauen erheucheln, ohne zu bedenken, daß wenn einmal Mstrauen, der Leser ihm zurufen würde soiy '■p'iy -pxj. Und die Heuchelei, in die man sich hinerngelebt, bleibt auch bei dee Beschäftigung mit der Literatur noch haften; man will nicht geltend machen, was man aus den Schachten der Wissenschaft gegraben, sondern man findet, was man geltend macht. Kritische Untersuchung über die Originalität der im Talmud und Midraschim verkommenden Parabeln und Sentenzen. Mlt Bezug aus die Parabeln und Sentenzen in den Evangelien. (Fortsetzung.) Wem fällt aber.hier der Spruch des großen Hillel nicht ins Gedachtniß, der lautet: Was dir zuwider, thue deinem Nächsten nicht, dieses ist die ganze Lehre, Sabbat 31; und zwar scheinen diese beiden Sprüche ursprünglich ein Ganzes gebildet zu haben und aus einer Schule hervorgegangen zu jein. Ebenso Zeruschalmi Nedarim Abschnitt 9 Folio 41: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst; R« Akiba sagt das ist ein Hauptgrund der Lehre. Vers 24: „Darum wer diese meine Lehre hört und thur sie, den vergleiche ich einem klugen Manne, der sein Haus auf einem Fclsen baut, da nun ein Platzregen siel und ein Gewässer kam und weheten die Winde und stießen an das Haus, siel es doch nicht, denn es war auf einern Felfen gegründet. Und wer'diese meine Rede höret und thut sie nicht, der ist einem thörichten Manne gleich,, der sein Haus auf dem Sande haut; da nun ein Platzregen fiel und ein Gewässer kam, und weheten die Winde und stießen an das Haus, da siel und lhar einen großen Fall." Schon m der pharisäischen Schule zu Lida (Kidduschir, 40) wurde die Frage ausgestellt: Jtmym? hat das Studium oder die praktische Ausübung der heiligen. Schrift den Vorzug? Diese Frage wurde verschieden beantwortet. Andere Stellen im Talmud jedoch legen einem ohne das Andere keinen besonder» Werth jbei und findet sich daselbst Aboth d'R. Nat. 24. Abschnitt, eine ähnliche Vergleichung mit dem Aufbau eines Gebäudes, wie die des Evangeliums, sie lautet wie folgt: Elisa, Sohn des Abujah sagt, ein Mensch, der sich viel mit der heiligen Lehre befaßt und auch die darin vorgeschriebenen guten Thaten ausübet, ist jenem gleich, der einen Grund mir Steinen legt und darauf mit Ziegeln baut; mögen noch so viel Gewässer kommen, so verrücken sie denselben nicht von seiner Stelle. Wer sich mit dem Studium des Gesetzes viel befasset, aber entblößt von allen guten Thaten ist, der ist lenem gleich, der einen Grund mit Ziegeln aus Lehm legt und mit Steinen darauf baut; kömmt dann auch rmr ein wenig Gewässer, so stürzet alles auseinander." Es wird hier zugleich gezeigt, was aus dem Evangelium nicht ersichtlich ist, daß das Wissen und die Gesetzkennlniß bei dem, der nicht nach ihren Vorschriften handelt, noch viel schädlicher ist, so wie das Gewicht einer 'steinernen Mauer auf einem lehmigten Grunde noch leichter den Sturz desselben befördert, als wenn sie ganz aus Lehm erbaut worden wäre. Eine noch schönere Vergleichung führt R. Eliefer Sohn Asarjah in den Sprüchen der Väter Ende des dritten Abschnitts an: derselbe sagt: bei dem das Wissen die guten Thaten übertrifft, der gleichet einem Baume mit vielen Zweigen und wenig Wurzeln; kömmt ein Wind, so reistet er ihn nieder und stürzet ihn Häuptlings. Bei dem aber die guten Thaten sein Wissen übertreffen, der gleicher einem Baume mit wenigen Zweigen, aber vielen Wurzeln, mögen auch alle Winde der Welt kommen und an ihn wehen, so bewegen sie ihn dennoch nicht von seiner Stelle.. Noch andere ähnliche Vergleichungen führt der Talmud Sa-bat 31. 6. an, sie lauten wie folgt: Raba, Sohn des Huna sagt, wer Gesctzesstudium besitzet, aber entblößt von gottgefälligen Handlungen ist, gleichet einem Schatzmeister, dem man die Schlüssel des innern Gemaches, aber nicht die des äußern Thores übergeben, wie .kann er nun hinein kommen? R. Janai rief über einen solchen aus: Weh, der keine Wohnung hat und sich eine Pforte dazu verfertigt. Was bis jetzt von den Sittenlehren gesagt worden ist, dasselbe gilt auch von den Parabeln und sonstigen Sprüchwortern. Matthäus 19, 24. Mark. 10, 25. Luk. 18, 25 heißt es in Beziehung auf die begüterten Weltmenschen *) *ca 'rta.Uv Xeyoo vftiv av%QnaiT£QOV sei KccjirjXov ZQV7tijficc70s iza cptdog dtzlftsiv, rj tcXqvslqv bis rev ßccßUBcccv rov ftsov useX&siv. Die Leseart ist im Originale zweifelhaft ob TtafuXog Kameel oder nctfuXos Ankertau gestanden; der Umstand, daß zwischen einem dicken Seile und einem kleinen Nadelöhr mehr Association der Idee herrscht, als zwischen einem Kameele und einem Nadelöhr, spricht mehr für letzte Leseart. (Fortsetzung folgt.) *) Wahrlich ich sage euch: es ist leichter daß ein Kameel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.