Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1847)
- Date
- 1847-12-03
- Page
- Seite 390 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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390 gesetzt gewesen, wenn wir auf eine Umgestaltung und Verbesserung unserer Zustände weder geschanet noch gedacht hätten? Darum mußten wir vor Allem zur Wahl eines Rabb inen*) schreiten, der nicht mehr das Frömmeln als Wesen seines Berufes anerkennen' und das Sitzen auf seinem Gehalte**) Wirksamkeit nenne,' der nicht allein Talmudist, sondern auch ein gebildeter Mann sei, und durch diesen, den wir in der Person .des Hrn. Singer, Kandidaten und ehemaligen Lehrer der Papa er Talmud Tora, zu haben glauben — dann das Zeitgemäße, Schöne und Nützliche iu unseres Gemeinde eiusnhren zu lassen , damit an uns nicht-ferner mehr der Ruf ergehe: „Bleib nicht imrnec auf derselben Stelle Dreht sich auch die Erd' herum um Euchz Denn der Punkt, der wird nicht Helle, . Steht 2hr einer Bildsäul' gleich." ftitwh, 31. Dkl. Wir haben gegründete Hoffnung, nufere Schule werde wieder Aufblühen; denn es gelang unserer löbl. Schulkommission,, nicht nur ein für unsere Verhältnisse sehr entsprechendes Schullokal anzukaufen, sondern auch eine sehr glückliche Aequisitiou iu den zwei tüchtig gebildeten, .für ihren Beruf begeifterrcn jungen Männern, . die sie zu Lehrern berief, zu machen. Am 25. d. M. fand die einfache, aber desto entsprechendere, ja erbauliche Eröffnung und Einweihung der ueum Schule statt. Die Beschreibung dieser Feierlichkeit kann unmöglich den gewünschten Eindruck auf Sie hciwcrbriugen, wenn ich Ihnen nicht eine kleine Charakteristik der hiesigen Verhältnisse voraus sch icke. — Raab ist eine Gemeinde in Ungarn, was so viel sagen will, als; hier hat Jeder das Recht in jeder Angelegenheit mitzusprechen, ob, was er spricht, zur Sache gehört oder nicht, gleichviel. Natürlich ist ans die Ausübung dieses Rechts' gerade der Unberufenste auch der Eifersichtigste. Tritt.noch, wie hier, auch eine kleine Dosis von Egoismus und Widerspruchsgeist in dem Mantel der Bigotterie mit mit der Waffe des Fanatismus hinzu, ') Daß die Art und Weift doch, wie der Rabbiner gewählt wurde, rügenswerth sei, ist wahr; i>mn wie konnte man nur bei den gegenwärtig deansprechenden Fähigkeiten eines anzustellenden Rabbiner die Hatara vom Preßburger und Bonharder Rabbiner gelten lassen wollen? Zählen wir nicht bereits, Gpn sei's gedankt, größere Autoritäten in rmsem Vaterlande? Und die höchst alberne Aeußerung mancher unserer Wahlhelden noch, daß, wenn der.Rabbinatskcmdidat keine Hatara von obengedachten Rab'oinen erhalte, sie ihn nicht zum Rabbiner ihrer Gemeinde stempeln. Wußte marsts nicht gleich, daß ihm, dem philosophische Studier) absolvirten und sonst gebildeten Kandidaten von jenen die Hatara verweigert werde, zumal, als selber vielleicht in seinen Zugendjahren nicht vielleicht jede Observanz gehalten. *') Oes Juden Frage hier: Wieviel der Rabbiner Syld erhält, lautet: Auf rvfe vftl sitzt der Rabbiner. Hierin scheint dessen Leistung auch schon ausgesprochen zu sein. — dann ist bttc Aussicht für das Gedeihen jeder guten Sache unwiederbringlich verloren. Daher zahlt Ungarn z. B. noch keine 3 Städte, wo der Rabbiner, wenn er auch nur ein Mann des gemäßigten Fortschritts uncmgefochten, wo die durch die Bemühung der Bessergesinuten ins Dasein gerufenen Volksschulen länger beständen, ihrem Zwecke entsprächen und dem unaussprechlich dringenden Bedürfnisse abhelfen, denn ich weiß nicht, ob Sie es wissen — den Ungar. Gemeinden sind Schulen zu wünschen, tamit sie empfänglich werden, das Bedürfnis; der Schulen zu fühlen. •— Wird die Creirung einer öffentlichen Schule projektirt, so wird dies -meistens., obwohl überall die Bibel im Urtexte deuHauptbesiaudttheit des Katalogs bildet, als etwas ketzerisches angesehen, und die Familienväter fühlen sich in sehr löblicher und konsequenter Weese viel geneigter, ihre Söhne in den protestantischen Schulen zu frommen, gotigefälligen und gotteSfürchtigen — Magyaren erziehen zu lassen. Wie sie aber auch diesen Zweck da erreichen, davon will ich schweigen. Ist aber trotz allen Kämpfen doch eine Schule ' entstanden, so führt natürlich jeder Unwissende eine Kontrolle über den Lehrer und über das, was gelehrt wird, und wohl wissend, daß das Bestehen der Schule von seiner guten Saune aus dem doppelten Grunde abhängt, weil ohne-sein Kind die Schule an Revenuen und Schüler verliert, so bedarf es nur der kleinsten Veranlassung, daß er mit dem energisch befolgten Beispiele vorangeht, sein Kind aus der Schule zu nehmen, und die Reform seiner Erziehung den Resormirten zu übergeben. Derlei Veranlassungen können z. B. sein: der Lehrer hat nicht , frü her gegrüßt, ein Familienvater hat eine persönliche Beschwerde gegen einen von der Schulkommission u. dgl. Zu den billigem gehören-: der Sohn des A. hat eine bessere Schrift reeitirt, weil er fleißiger und begabter, bei der Prüfung besser als der Sohn des B., der Schüler der 3tcu Klasse hat im vorigen Jahre so wie Heuer Paris als die Hauptstadt Fraukreich's, London als die Englands u. s. w. angegeben, der 4te Klassist hat die Fundamentalsätze der Geometrie auf dieselbe Weise bewiesen, die es eben so gezeichnet und die es eben so benannt, also nichts Neues gelernt] oder was noch häufiger und bei den ohne Rücksicht auf Alter-Fähigkeit und! Vorbereitung znsammengerafften Schülern nicht anders möglich ist, daß der Schüler der wohl feine ttfDin »TTID gelernt - aber trotz seiner 10 —12 Jahren noch nicht deutsch lesen geschweige schreiben kann, in der Triviat- Klasse, wohin er gesetzt werden mußte, in diesem wohl vorwärts kam, in jenen aber zurückblieb.^ ,,Er hat ja das Wenige, was er gewußt hat, auch vergessen!" sagt dann der Vater, und die.Schule ist um einen, dann um 2, 3,4 u. s w. Schiller ärmer. — Sic können sich nun leicht denken, in welchem Zustande unsere Schule war und welche Aussichten sie hatte , da in der letzten Zeit zu den obgenaniiten Uebelständen auch.