Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1847)
- Date
- 1847-12-03
- Page
- Seite 388 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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sich andere weniger berufene in unreifer ciceronianischer Breite, die jedoch mit dem zungenfertigen Römer nur die Selbstgefälligkeit gemein zu haben schienen. NachdemHr. Landau auch diese abgefertigt, hielt noch der Vorsitzende k. k. Beamte eine Anrede an die Versammlung, die 'aus dem Herzen kommend, auch zum Herzen ging, und einstimmig ertönte ein Hoch, das gar nicht endenwollte. Zuletzt stattete die Versammlung einen Dank an den Vorsitzenden k. k. Rath, und Hr. v.Portheim sprach ihn im Namen der Versammlung aus'. Gegenseitige Aeußerungen der Anerkennung und des Dankes folgten und die Versammlung trennte sich allseitig befriedigt. Die Anschließung der Landgemeinden an die der Hauptstadt wurde eingeleitet, die Aufgabe des Vereins wurde bestimmt und auch hinsichtlich der religiösen Pflege der Zöglinge wurden von Seiten der Vorsteher denjenigen Personen, die hierüber Besorgnisse äußerten, befriedigende Versicherungen gegeben. Und so möge Gott das große Weck segnen l . Prag, 18. Novbr. Verzeihen Sie, wenn mein heutiger Bericht blos einige Kleinigkeiten enthält; auch das Geringfügigste ist zuweilen nennenswerth und das Beste fängt zuweilen voiW kleinen Punkten an. Die Volksbibel deö Rabb. Sal. Sachs schreitet rüstig vorwärts.- Der Verfasser derselben zeigt in dieser Bearbeitung eine große Geschicklichkeit, für das Volk zu schreiben; der Nutzen dieses Bibelwerkes für die Masse offenbart sich von Tag zu Tag immer mehr, und wirklich weiß der Verfasser unter den Massen mirraschischer Allegorien stets die für die Belehrung und Erhebung des Volkes geeignetesten herauszufinden. Nächstens wird der Pentateuch beendigt sein. — Vor Kurzem hat hier Hr. Dr. Hamburg er, Rabbiner aus Böhmisch-Leipa an der Bahre seiner Mutter eine Leichenrede gehalten, die sehr großen Beifall gefunden. Hr. H. ist den Lesern dieses Blattes als gewandter Uebersetzer und Bearbeiter midraschischer Sagen bekannt und wir können hinznfügen, daß er außer seinem schönen poetischen Talente noch die Herrliche Gabe besitzt, in populärer Sprache auf das Gemnth des Volks zu wirken. Prag im Okt. Die medizinische Fakultät hier hat sich bewogen gefunden, in Anbetracht der vieljährigen ausgezeichneten Verdienste des Herrn Dr. Jakob Jeitteles*), mdentl. und Ehrenmitglied meh- *) Dr. I. Jeitteles ist der Sohn des alten berühmten Dr. Jonas Jeitteles, ernem jüdischen?lrztes u. Stadtphysikus in Böhmen, und Bruder des um die jüdische Literatur verdienten Rabbi Baruch (Vers, des Dyü) und des bekannten Juda Jeitteles. Die Biographie des Hauses Jeitteles ist in. Dnryyn \D des Letzteren .enthalten, und in deutscher Uebersetzuug aus der Feder des jüngst verstorbenen Dr. Ignatz Jeitteles, in einer besonder» Broschüre erschienen. rerer gelehrten Gesellschaften, um die leidende Menschheit und um die Literatur der Heilkunde — voriges Jahr bei den k. f. hohen Stellen um die große goldene Civil- Ehrcnmedaitle und den kaiserlichen Rathstitel für ihn anzusuchen. V o rje tz t wurde diesem, von der reinsten Menschenliebe geleiteten Gesuche, dahin willfahrt, daß Seine Majestät der Kaiser von Oestereich dem gefeierten Dr. I. Jeitteles die erwähnte Ehrenmedaille cm der Schleife ertheitt haben. Es ist die erste große goldene Ehrenmedaille, die einem hiesigen Arzte ertheilt wurde, seit dem Bestehen der Prager medizinischen Fakultät, nämlich seit 500 Jahren. — Am 9. Oktober wurde dieselbe dem hochgeehrten Menschenfreunde in wahrhaft imposanter Feierlichkeit im Universitätssaale vom Herrn Ritter von Nadherny, Gubernialrathe und Protomedikus, nach gehaltener glänzender Rede, überreicht. Die gediegene und schwunghafte Gegenrede des Gefeierten wirkte ebenfalls mächtig auf die zahlreich versammelten Zuhörer. Nach beendeter Feierlichkeit wurde ein Lied in Musik gesetzt im Chor vorgettagen u. am Abende desselben Tages ein glänzender Fackelzug von dm Mitgliedern der mediz. Fakultät vor der Wohnung des Geehrten abgehalten. Nach der üblichen Weise wurde ihm noch am 10. von den Gönnern und Freunden der medizinischen Fakultät ein großartiges Festmahl gegeben. — Indem wir die Rede des Hrn. Dr. Jeitteles hier vollständig mittheilen, beschließen wir unfern Bericht mit der Uebcrzeugung, daß diese Verherrlichung des wahren Verdienstes nicht ohne wohlthätige Folgen vorübergehen werde. Dr« L. Die Rede lautete: „Hochzuverehrender Herr Guberrnalrath! Hochverehrte löbl. Fakultät! Tiefbewegt und ergriffen von der Weihe des gegenwärtigen Moments, mich in einem so glänzenden Kreise zn sehen, umgeben von allen Jenen, die ich hochzuverchren als Pflicht erkenne, die ich zu achten und zu lie-' bcn gewohnt war — vermag ich wahrlich nicht bei meinem schwachen rednerischen &te(cnte, durch Worte meine Empfindungen zu schildern, mciiuiv tiefgefühlten Dank fite die von mir nie geahnte und jetzt mir gewordene Auszeichnung ausznsprechen, so auszusprechen, daß es in einer so würdevollen Versammlung auch mir im Entferntesten würdig erschiene. Wo jedoch die Beredsamkeit nicht auslangt, reicht das Gefühl hin, und so sprecheich denn vor allem Andern von dem, was uns hiev heilig, Pflicht und das Erste ist und stets bleiben wirb: von der unbegränztesten, untertänigsten Verehrung und ireugchorsamster Anhänglichkeit an die erhabene Person unseres innigstgeliebten Herrn und allerglorreichsteu Kaisers, dessen überschwänglicher Güte und Gnade ich den heutigen Tag verdanke; dem allerdurchtauchtigsten Kaiserhause unter dessen segensreichem Schutze dieses blühende König-