Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1847)
- Date
- 1847-12-03
- Page
- Seite 387 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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387 und hielt eine kurze Traurede, welche, was den Inhalt anlangt, ihrem Zwecke vollkommen angemessen war. Darauf wurde der eigentliche Trauungsakt nach dem hergebrachten Ritus vollzogen. — Wenn wir dieses Faetum hier des Mittheilms werth halten, so geschieht cö mtr darum, weil es sich in einer Gemeinde im Norden des Großherz iigthumS Posen zugetragen. — L. W e y t. Berlin , 24. Novbr. Ertauben Sie mir einige kleine Vorkommnisse znsammenznfassen und sie in einer Korrespondenz zu vereinigen. Unser Polizeipräsident, Hr. v. Minute! i, schon von Posen her durch seine humane Gesinnung für die Juden bekannt, ist nun berufen, über unsere sich neugestaliende Gemeindeeinrichtung die Aufsicht und Leitung zu führen. Bekanntlich bildet sich hier wie anderwärts eine eigene Bezirksabtheilung der Juden, wozu wahrscheinlich einige kleine Ortschaften um Berlin geschlagen werden. Die Reformgemeinde wird sich, dem Anscheine nach, in Bezug auf die Verwaltung und die Geldverhältnisse der Gesammtgemcinde anschließen, da es ihr Interesse erheischt, und die Verschiedenheit in Bezug auf den Kultus durfte bei der äußerlichen Koristituirung kaum in Betracht kommen. Es ist mir jedoch unbekannt, welches Resultat die Besprechung der Aottesten mit dem Hrn.- Polizeipräsidenten in dieser Beziehung gehabt. — Ueber das jüdische Mädchen-Waisenhaus , gegründet und geleitet von Barucch Auerbach, ist so eben der vierte Jahresbericht veröffentlicht. Wir erfahren darauö, daß diese Anstalt bereits 9023 Thtr. eisernen Fcud hat; die bestimmten jährlichen Beitrage haben in dem verflossenen Rechnungsjahre 446^ Thlr. und die außerordentlichen Geschenke 677^ Thlr. betragen. Verausgabt wurden 2112 THaler , obgleich nur vier Waisen erzogen wurden. Der Theitnahme gemäß konnte sich übrigens die Wirksamkeit dieser von Hur. Auerbach geleiteten Anstalt viel vergrößern. — lieber die neuzun bauende Synagoge h'ört man nichts; es ist wieder ganz still geworden und auch nach dem Refermkoneil mit den wunderlichen Anträgen ist es still geworden; die Regsamkeit auf dem Gebiete der Religion scheint ermattet und wie es den Anschein hat, wird der alte Jndifferentisuius sein altes Recht wieder beanspruchen. Dresden, 24. Novbr. Die Wintersaison hat unö sehr interessante Vorlesungen über die biblische Poesie von Böttcher gebracht. Die alten Hebräer sind ein Gegenstand der Wissenschaft, die neuen beschäftigen den Krämergeist und den Neid. — Prinz Johann, der edle Vorkämpfer für die Gleichstellung der Juden, bat seine silberne Hochzeit gefeiert, bei welcher Gelegenheit demselben von der hiesigen Gemeinde eine Votivtafel mit einer vom Oberrabbiner Dr. Frankel verfaßten passenden Inschrift überreicht 'wurde. — Unser geehrter Dberrabbiner ist jetzt mit der Ausarbeitung seiner ,,Studien zur Septuaginta" beschäftigt, die zur Ostermesse wohl erscheinen dürften. — Von unserem würdigen B e e r befindet sich eine sehr intcrcffatiU Schrift unter der Presse , aus die wir die Leser des „Orient" im Voraus aufmerksam machen. O e st e r r e i ch. Prng, 15. Novbr. Ich erlaube mir, ferner über unfern Verein für Handwerke und. Ackerbau zu berichten, da die Wirksamkeit dieses Vereins in der That viel für Böhmen verspricht. Der erwähnte Verein hielt soeben eine General-Versammlung ab, der Präsident derselben, Hr. v. Portheim, trat für.diese Sitzung den Vorsitz einem k. k. Beamten ab, der mit großer Umsicht und anerkeunungswerthem Takte die Debatten leitete. Zuvörderst las Hr. v. Porthcim einen statistischen Bericht vor, der klar, anschaulich und faßlich disponftt war; hierauf theilte der Sekretär, Dr. Gitschin, die Punkte mit, die zur Erörterung kommen sollten, und die Debatten bewegten sich dann vorzüglich um die Frage, wie weit die Aufgabe des Vereins sich erstrecken sollte. Einige Depnlirte vom Lande weinten, er müsse sich lediglich ans die Ausbildung voll Handwerkern und Ackerbauern beschränken, und bei dieser Gelegenheit überraschte Hr. Landau die Versammlung mit der osfieielten Mittheilung, daß es ihm gelungen sei, bei dein k. k. Sans des-Guberninm die Genehmigung des prejektirten Seminars zu erwirken. So sieht man nun dieser für Böhmen und vielleicht für das gesammte deutsche Oesterreich so wichtigen Anstalt mit großer Spannung entgegen. Großen Anklang fand auch Landau'S Erklärung , d a ß e s si ch n i ch t d a r.u m h a n dl e, rr nter den Juden Böhmens Sinn für Ackerbau u. s. w. erst zu wecken, da ein solcher bereits längst vorhanden ist, sondern mir darum, diesem vorhandenen Sinne die Möglichkeit zu verschaffen, sich durch die That geltend zu machen. Nach dieser Mittheilnug sprach dieser unermüdliche Kämpfer für das Wohl seiner Glaubensgenessen sehr eindringlich gegen das mittelalterliche Zunftwesen linto forderte die Anwesenden auf, all ihren Einfluß dagegen geltend zu machen. Das anfängliche Erstaunen der Menge über diese freie und offene Sprache ging aber bald in Freude über, als der versitzende k. k. Beamte auch seinerseits die besten Hoffnungen über den fraglichen Gegenstand machte. Als hieraus die Debatte sich zu verwirren drohete, fand sich der anwesende Dr. Kämpf veranlaßt, ein Reglement für die Diskussion zu beantragen, was in der That nicht unwichtig schien; allein d.r dieser Antrag zu allgemein gehalten war, so kennte in dieser Sitzung nicht mehr daraus 'eiugegangen werden. Während so ein berufener Redner sich einer etwas unzeitigen tacitäischen Kürze befleißigte, ergingen 49 *