Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1847)
- Date
- 1847-12-03
- Page
- Seite 386 (sequence 3)
- Language
- German
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— 386 Deutschland. Kempen, im Oktbr. Es ist noch kein Jahr- Her, als-Ihnen von hier aus mit großem Eklat vorschnell über die Fortschritte der hiesigen Gemeinde berichtet und mitgetheilt wurde, das; der ehrwürdige Schnlklopfer pensionirt worden. Sie werden sich aber auch noch des vor dem Herrn Obcrpräsidenten/-eingelegten Protcsies hiergegen entsinnen. — Nun so kann ich Ihnen denn heute berichten, daß CerleruS wirklich drei Köpft habe, und daß der Hyder abgeschlagene Haupt sich immer wieder doppelt ergänze. — Denn denken Sic was Sie nur können und wellen, der Schnlktopfer ist wiedcrerstanden! Ja er ist auserstanden! — ES hat eine neue Repräsentanten- und Vorstandswahl stattgefundm. Wie dies' aber zugegangm? dagegen sträubt meine Feder sich! — Genug an dem, daß die Macht der Finsterniß, zumal in den großem Gemeinden unserer Provinz noch die vorherrschende ist. Es hatte vor zwei Jahren wirklich den Anschein, als solle nach Jahre laiu gern Kampf, welcher der Gemeinde Tausende gekostet und ihr mannigfaches Ungemach bereitet, der Friede wiedcrkehrcri, allein Sie kennen ja die Weise sophistischer Pschcttler, die um ihren Hang zu befriedigen auf dem geradesten Wege Anstoß suchen und finden. — Man verzweifelt deshalb auch in der That hier am Frieden und die traurige. Folge davon ist, dnß bereits mehre sehr achtbare Familien von dem Gesetze der Freizügigkeit Gebrauch gemacht, um endlich den im Nucken jit haben. Aber nichts desto weniger bricht still und geräuschlos, wenn auch langsam doch der Fortschritt sich Bahn. Ein seit mehren Jahren zusammengetretener, bis fttzt ans 60 der achtbarsten Gcmeinde-Mitglieder bestehender Verein hatte sich zeither nicht konstitniren mögen, weil seine Statuten, voll der Regierung nur theilweift. bestätigt, der Passus zur Einrichtung eines.besonder» ' geordneten Gottesdienstes aber nicht genehmigt worden war. Vor etwa einem Jahre ilideß, fragte die RegUrung aus eigener Spontanität um die Wirksamkeit dieses Vereines an , und erhielt den Bescheid, daß er wegen des ausgeschlossenen Passus sich nicht koilstituirt habe/nach erfolgter Genehmigung jedoch sehr gern bereit sei, seilte Wirksamkeit zu beginnen. Hierauf erfolgte nun die mlbedillgte Bestätigung der Statlltcn, die das Motto führen „mjznn dn xw) rpatan jin nn^" und dcssim Tendenz die Förderung der Künste und Handwerke unter den hiesigeri Israeliten ist. Es werden mm jährlich zwei arme Knaben, nachdem sie von dem Dirigenten der Schule Hrll. Dr. Ink ob soll konfirmirt worden mld das Zengniß der Steife voll demselben erhallen haben, ihren Fähigkeiten angemessen bei Meistern unangebracht. Wer übrigens das unflätige Treiben in der hiesigen großen Synagoge kennt, nrid für gemeinschaftliche religiöse- Erbauung nicht abgestumpft ist, ans den muß der geordnete Vereinögctteödienst, der übrigens in keinem einzigen Punkte vol, dem alten Ritus sich entfernt, es sei denn in dein dass er eben mit Ordnung, Ruhe, Anstand und Würde gehandhabt wird / sehr erhebend wirken/ Unt» Ln der That ist dem mich also, und gleichwohl nennt man hier die Mitglieder des Vereins ,,die Ne form er". — Ja, wenn anders in der Zukunft für uns hier etwas Besseres zu hoffen ist, so kann cs nur von den Kindern ausgehen, die diesem Gottesdienste beiwohnen uild um keinen Preis mehr in dein alten Tempel hingehen mögen, weit Urirrdnnng dort herrscht — Aber auch von den aus unserer Schule ausscheidenden Zöglingen hegen wir mit Recht Erwartlingen. Es wurden am verflossenen Sabbat BereschLL abermals 15 Zöglinge (8 Aiädchen und 7 Knaben) feierlichst konfinnirt mit» beträgt die Zahl der hier jetzt von Hrn. Dr. Jakobson durch die 5 Jahre seiner hiesigen Wirksamkeit bereits fenfirtnirten Zöglinge beiderlei Geschlechts 82. Mit ungetheiltem Bcifalle predigte Hr. Dr. Jacobson über den Vers: Dy' m&y 'd .■!?Dim. D’tyjN'dm^n, •_ mcrcixtf das E.ralnen und die Gebete folgten, und mit herzgewinnender Beredsamkeit machte er die Konfirmanden mit den Schwierigkeiten ihres Jsraeliteu-Bernfes bekannt, stellte schauervoll ergreifend die zum Laster führenden Abwege dar, warnte, ermahnte und ermuthigte mit in die Seele dringenden Worten, denen man es ansah, daß sie aus den: Herzen kommen.. Es vergaß aber auch der Redner nicht der Jugend recht ernstlich ans Herz zu legen, daß sie nimmer Jsracliteir sein würden, wenn sie noch soviel beteten und fasteten und Ceremonieu übten, so lange nicht ihre Gesinnung und ihr Herz veredelt. Diese Passage war mit einem angemessenen lebhaften Eifer gesprochen, der der Wichtigkeit des Gegenstandes angemessen, und mochte manchem Auflanrer nicht munden. — Aber vor kleinlichen Verdächtigungen dürste dieser gefinnungstüchtige dem gemäßigten Fortschritt huldigende Prediger durch sein ancrkenncnswertheö fünfjähriges Wirken hierorts, sowie durch die in seinen beliebten Volks- und Jugendschriften - kundgegebcnen Gesinnungen genügend geschützt sein. Wir wünschen indeß inr Interesse der gnien Sache diesem Ehrenmanne von ganzem Herzen einen fruchtbareren Boden, und seinem rednerischen Talente eine empfänglichere Gemeinde. — Schneidemühl, 17. Novbr. Am 16. b. M. hat hier die erste jüd. Trauung im Gotteshause stattgesundcn. Herr A. Solmsen, der seine Tochter verhcirathete, verlangte diese Neuerung, und der Vorstand trug kein Bedenken, sie ihm zu gestatten. Gegen 2 Uhr versammelte sich das Publikum in: Tempel, und nachdem unser Kantor, Hr. Friedländer, mehrere El- Male-Rach'mütt's reeitativ vorgetragcn hatte, bestieg der Viee-Rabbiner, Hr^ M. I. Laschynski die Kanzel