Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1847)
- Date
- 1847-11-26
- Page
- Seite 383 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 383 — „Wir wollen: G taube. W i r w o l l e n: p o f i t i v e R e t i g i o n. W i r w o lle n: I ud e n t h u m." , ' und erklärt dieses dahin: K. l. Wir wollen: Glande. Das heißt! wir wollen das Bekenntnis eines einzigen und unendlichen Gottes, nicht, erst von der philosophischen Entwickelung dieser Idee, oder sonst .einem auf dem Wege der Wissenschaft zu erlangenden Verfahren a b h ä n gi g machen; sondern wir nehmen das Dasein eines einzigen und-unendlichen Gottes als eine von den Vätern uns überkommene Voraussetzung, als einen Artikel unseres Glaubens an. Bemerkung. Es sind vier Fälle möglich. Ein Individuum a. ist auf dem Wege philosophischer Forschungen . . zu dem Resultat gelangt, daß ein einziger und unendlicher Gott vorhanden. Ein anderes Ir. hat Forschungen an gestellt, ohne auf dies Resultat zu kommen; aber auch ohne vom Gegentheil überzeugt zu sein, und begnügt sich mit dem Glauben an Gottes Existenz, ohne den philosophischen Beweis» Ein drittes c. hat überhaupt keine, philosophischen Forschungen angestellt, und nimmt das Dasein Gottes als Voraussetzung an. Ein viertes i!. hat philosophische Forschungen angesteUt, und ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß es keinen solchen oder mehrere Götter gebe. Es sind r» b und e hiernach mit dem ersten Grundprinzip der Genossen einverstanden; und nur d kann kein Genosse sein. . §.2. Wir wollen: positive .Religion. D. h.: wir wollen das Bekenntniß eines einzigen und unendlichen Gottes, und das-daraus hervorgehende Verhältniß des Menschen zu Gott, durch bestimmte Formen gemeinsamer religiöser - Handlungen, wie durch bestimmte religiöse Einrichtungen manifestiren. Bemerkung. Sowohl a wie b und '« könnten entweder eine Manifestation ihres Bekenntnisses überhaupt verwerfen, ihrem Glauben weder Form noch Ausdruck geben wollen, was bei vielen Individuen der Fall ist; oder sie könnten die Gemeinsamkeit derselben verwerfen, und, wie viele Individuen, sagen: ich manifestire meinen Glauben in mestier individuellen Weise, bete Gott in meiner ' Einsamkeit, beim Spaziergang, bei einem Sonnenuntergang, oder sonst wie an, und will, daß jeder auch so nach seiner Individualität verfahre. Hiernach hätten a b und c wohl die Disposition, um Genossen zu werden, allein, mit dieser Ansicht könnten sie keine Genossen einer positiven Religion, die bestimmte übereinstimmende Normen als sichtbaren Ausdruck ihres Bekenntnisses hat, bilden. , ~ §. 3. Wir wollen: Juden Lh um. D. h.: wir wollen die bestimmten Formen und gemeinsamen Einrichtungen, die unfern Glauben an einen einzigen und unendlichen Gott, wie die Grundlehren, über Gott, den Menschen, und dessen Verhältniß zu Gott und seinem Nebcnmenschen manifestiren sollen, aus den hierzu geeigneten Formen und Einrichtungen, Sprüchen und Lehren der von der Geschichte aus uns vererbten Religion der Juden: aus dem Judenthum, sowohl entnehmen wie fortentwickeln. Bemerkung. Wenn a b und e auch eine positive Religion wollen, können sie. jedoch, entweder ganz neue noch nirgend dagewescne Formen und - Einrichtungen hierzu ersinden, und würden sö eine neue Religionsgesellschaft, oder diese aus ande rn bestehenden Religlonsgesettschaften entnehmen, und so entweder in jene ReligionsgeseUschaften aufgchen, oder eine neue Art derselben bilden. Ansätze zu 8. S. Ueber die Grundquellen der Religion des Juden thum s. Als Grundquelle der Religion der Juden , erkennen wir das in den jüdischen Vorvätern offenbar gewordene Gottesbewußtsem, d. h. die Offenbarung Gottes durch den Geist unserer Vorfahren. Die Bethärigung dieses Gottesbewußtseins durch bestimmte Formen und Institutionen hat das Leben unserer Vorfahren durchdrungen, und diesem eine Gestaltung gegeben, welche wir Judenthum nennen; diese Formen und Institutionen, die ehemals nur im Leben zur Erscheinung gekommen sind, wurden später in Schriften medergelegt,, welche wir die .heiligen Schriften nennen. Bemerkung. Wir weisen hiermit die bisher, wenn auch in neuerer Zeit wenig mehr geglaubte, so -och noch gepflegte Offenbarungslehre in supernaturalistischern Sinne, mach welcher eine einmalige Offenbarung Gottes unter Naturwundern statt gefunden, zurück, und glauben nur an eine Offenbarung Gottes durch den Geist der Menschen, d. h. durch das in Menschen zu Ueberzeugung und Ausdruck .gekommene Gotlesbewußtsein, das namentlich in den jüdischen Vorvätern in sehr hohem Maaße der Fall gewesen. Nur in diesem Sinne sagen wir: Gott habe sich vorzüglich unfern Vorfahrern offenbart. Wir äußern hiermit ferner, daß wir die Offenbarung, d. h. ' den zu Bewußtsein gekommenen Glauben an Gott-für älter halten als das Judenthum, als. die Bethätigung dieses Glaubens durch das Leben, für älter halten, als die auf uns gekommene!: Schriften. Wir stehen hiermit im Gegensatz zu der bisher recipirten Annahme, daß die Schrift, namentlich die mosaischen Bücher das Judenthum geschaffen, wir halten vielmehr diese Schriften nur als Erzeugnisse des Judenthums. Erst später, zur Zeit des zweiten Tempels, sind sie als Wiedererzeuger des neu zu begründeten Judenthums ausgenommen worden. Ueber die heiligen Schriften. In den Büchern...der. heiligen Schrift verehrt die Genossenschaft sowohl die Zeugnisse jener Offenbarung wie die Erkenntnißquelle der in. den Vätern zum Ausdruck gekommenen Gottesverehrung. Sie verehrt also die Bücher der heiligen Schrift als Erzeugnisse des von hohem Gottesbewußtsein erleuchteten Geistes unserer Vorfahren, und entnimmt aus ihnen die Lehre über Gott, sein Verhältniß zu den Menschen, und die daraus hcrvorgchenden Pflichten des Menschen gegen Gott, gegen sich und gegen seinen Nebenmenschen, als ewige Wahrheiten. Die/in. der heiligen Schrift enthaltcue Geschichte Israels, erkennt sie der Idee nach als wahrhaft an, ohne eine Verpflichtung zuin Glauben an die wörtliche Wahrheit derselben anzuerkennen. Die Gesetze endlich, die besonders in den fünf Büchern Moses niedergelegr sind, verehrt.sie als die