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Der Orient · 1847-11-19 · Heft 47 (19.11.1847) · p. Seite 374

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 47 (19.11.1847)
Date
1847-11-19
Page
Seite 374 (sequence 11)
Language
German
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374 - und die ,,Rnchos" treten an die Stelle der tn'ederländischen ,,Kerios", die ,,Schubeze" und das,,Streunet", jemehr man gegen Norden kommt, drängen sich, anstatt des Hutes und des Stockes in den Vordergnntd. An der Spitze der Gemeinde steht ein Rabbiner, der den seltenen Verzug, den sogar ruPD entbehren mußte, besitzt, daß, wenn er selbst einst das Zeitliche gesegnet, die Gemeinde sein Ewiges segnen! wird, dadurch, daß er ihr in der Person eines seiner wohlgeratenen Söhne einen wahrscheinlichen Nachfolger hintcrlasson, der mehr als v>dn hw iDipß is^DD sein wird. . . .. Sie hat eine wohldotirte Schute und gut besoldete Lehrer. Gyöngyös. Ebenfalls eine große Gemeinde. Hier ist der bekannte Lippe Rabbiner, dessen Derascha bereits durch den Preßbengel in die Welt eingeführt wurde. Wenn ich die melangeartige Predigt-Draschot betrachte, d. h. auf dem Papier,' so fallen mir inuner die drillt Schafe unfers Ahns Jakobs ein. . . Es ist ein widriger Anblick, so ein hebräisch-deutsches Flickwort'. — Auch hier ist eine Schule, bestehend ans einer Menge Kinder und wie cs sich von selbst verstehen muß,, einigen Lehrern. ' Diese Schule scheint sich die bescheidenste Verborgenheit vor der Welt zur Aufgabe gestellt zu haben. So geräuschvoll es in ihren 'innern Räumen hergeht — so spurlos ist ihr Wirken nach Außen. — Komisch überraschte mich die jüdisch geschriebene Stundenvertheilllng — in einer Schule, wo die .Konvcrsationssprache die ungarische sein soll.; . . Je näher ich nach Pesth, dem ungarischen Amerikakam, um so trauriger ward es mir zuMuthe, umso banger ward es mir um's Herz. Ich ein trockener Deutscher, zwar in Ungarn geboren , in dem während der Paar Jahre meiner Abwesenheit so durch und durch magyarisirteri Pesth! So wenigstens stellte ich mir cs vor. Wer wird mich da kennen wellen, da ich der magyarischen Sprache nicht mächtig bin? Wer wird mit mir konversiren wollen in der deutschen Sprache? Selbst die Straßen schienen es anzuzcigen, daß ich dem Mittelpunkte der magyarischen Welt näher rücke, denn.sie waren echt magyarisch d. h. gewaltig schlecht. . In Koth und Schlamm, in Dreck —- ,,Ein echtes deuscheSWort" sagt Börne — und Wasser, welches letztere, ans einer gewissen Wahlverwandtschaft, der Himmel, durch herabgießende Ströme, noch vermehren zu wollen schiere, kam ich endlich, endlich in die gefürchtete. Stadt. In meinen Mantel gehüllt achtete ich nicht auf das außer mir und ließ mich vom Kutscher an das erste beste Hans fahren. Es war 9 Uhr Abends. Das Thor ward geöffnet und o Himmel! was hörte ich? Deutsch, alles deutsch! und zwar ein gediegenes Hausmeister - Deutsch. Nun ermuthigt, suchte ich auch ein gutes deutsches Nachtquartier in einem durchgehendö rnit deutsch-jüdischen Einwohnern bevölkerten Hause; aber da war es gegenüber dem Deutschen magyarisch. Nachdem man mich eine hübsche Weile von Pontius zu Pilatus geschickt, entschloß sich doch Jemand'mir ein Nachtlager zu geben. — ,,Was bin ich schuldig?" -fragte ich desMorgens. ,,Sie beide zählen für das Bett nur zwei Gulden". Das war wieder eine magyarisch-gastwirthliche Pretlerew j Geprellt lvard ich also schon auf lnagpansche Art. Ich wollte aber auch die Sprache hören. Ich ging auf die l Gasse. —- Aber wie staunte ich, als ich Nichts den,» j Deutsch, mitunter auch Stavisch, aber äußerst selten magyarisch hörte! Doch eirdlich fand ich den Pesther 'Magyarismus. im Hause Israels. Da giebt es inagyarische j Gesell sch asten, m ag. Kind erberva hra n stalteu, rnag. Katen-- der, wo keiil deutsches Wort verkonnrlen darf! Ich sah ihn nun den Hexenkessel, der das Judenblut aus allen Enden der Wett in seinem Bauch aufnimmt und einen Brei daraus kochen will, der scheues Wetter auf-.dm jüdisch-politischen Himmel Ungarns heranfbefehwören soll.. Gott gebe, daß der Zauber gelinge! Gott gebe, daß jene Lockspeise, die dem ungarischen Edelmann durch deil Kalender — von dem indessen in vielen Gegenden kein-c Spur' zu sehen — oder durch die dem MagyarismuS ganz aklimatistrte Kiuderbewahranstalt in seiner ihm über Alles theuren Sprache gegeben, ihn von dem Gedanken abziehe, - nicht -auf. jene Kappclmacher-Kohnische Handlungsweise zu sehen, die keine Sprache ans der Welt zu rechtfertigen Kraft und Geist haben kann! Wenn ich mir die -alles andere ausscheidende Magyar isirrmg.- so mancher Gemeinden bildlich vorstelle', -fa> komlnt sie mir vor, wie ein: alter Laborantaus der guten alten Schule des Th'eophrastus Paracelsus und Glcmber, der noch an der wahnsinnigen Idee des Goldmarchcns hängt, tüchtig darauf los taborirt und jedes praparirte gelbe Stäubchen sofort als baareö Gold verwahrt. Endlich aber nach der Zeit , wenn er es doch mit aqua regis untersucht, schmerzlich genug enttäuscht wird,.indem er es als unedles Metall findet. Solabvriren jene an der streu Idee, als wäre die ungarische— nein, nein! die m a g p a r i sch e; denn alles, was in Ungarn ist muß ungarisch genannt werden, also auch die deutsche, slavische Sprache — also, die magyarische Sprache, trotz dem der Honi-Verem segenvoll-zu seinen ^Vätern entschlafen — der alles bringende Messias der ungarischen Juden. Man braucht, denken sie, nur magyarisch .zu wissen und alles was über dem Horizont desselben, als eine terra iucognila jtt betrachtet!, um ungarischer Bürger zu werden. Selbst die unschuldigen Namen müssen herhalten. So wird aus ,,Nnßbanm." „Vrosi^ cknlirt; ,,D c n tfch" metamorphosirt 'sich m daS simmlose und häßliche „Decslriyi“ — wenn. auch das „nyi" eine magyarische Edelnamen-Endsylbe, thiil nichts; „veeslnxi" ist. doch häßlich —; ,,Brarnr" verwandelt sich -.in „Zsekfo“; der „Sös“ stürzt Uw ,,A dler" aus den ungarischen Lüften ff. Mit der Gier eines reuigen Sterbenden, der! die Hostie verschluckt,

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