Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1847)
- Date
- 1847-11-19
- Page
- Seite 373 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360520--6158-3533661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
373 - \ qno verharret? Wenn unsere Rabbiner nicht handeln, so ist gewiß ihre Abneigung gegen den Handel nicht Schuld daran. Im Gegentheil, wie gerne möchte z. B. der Ey den j ch ü i\ er. Raw mit dein Bosko Witz er handeln, der Boskowitzer mit dem Proßnitzcr und dieser endlich mit dem Landrabbiner! Haben Sie schon etwas über die mährisch-jüdischen I Emigranten gehört? Das Brockhaus'sche Couversal tions-Lexikou, das über Emaneipation der Inden 2 starke s Seiten voll schreibt, spricht kein Wort darüber. Unsere mährischen Emigranten sind weder die Hugenotten oder KeknZies unter Ludwig XIV., noch die flüchtigen Aristokraten von 1791; es sind nicht die polnischen Emigranten von 1831, und nicht die Tyroler von Anno 37. Unsere mährischen Emigranten heißen nur -“iiru MD"1^3 : also. Gerade weil sie nicht auswandern , auf und davongehcn, da sie doch so gern fortziehen sollten mit Sack und Pack', um unter einem freiem Himmel eine freiere Luft zu athmeu, und frei und öffentlich mit Weib und; Kind zu leben, — anstatt daß sie in der unheimlichen Heimath, geheim, ungesetzlich und außerhalb des Gesetzes leben, und Weib und Kinder haben, die sie nicht die Ihrigen nennen dürfen , darum nennen wir sie euphemistisch — Emigranten. Wir nennen sie zuweilen auch mit dem bezeichnendem Namen Ungarische. O ihr 7 „Ungarischen", ihr solltet nicht so ungern nach dem (’ glücklichen Un garu auswandem. Hier haben eure j' Kinder kein Vaterland, hier dürfen sie nur eine' Muty ter haben. —. Ich muß hier abbrechm, wenn ich.-auf solch ein heißes Thema komme, dann verläßt mich mein V kalter Humor, es werden mir die Augen feucht und } der finstere Heraklit taucht in mir auf. Bei froherer Laune also ein Mehrcres. ß. IV. Habe ich nun einmal zu reden angefangen., i so werde ich wahrlich nicht so bald zu reden aufhören, fk Nicht Taeitus ist mein Schutzpatron. Sehen Sie, da icvinncce ich mich gerade von meinen Gymnasialjahren her eines lateinischen Brockens: Nihil est tarn absurde quod non dieatur ab aliquo philosophorum, muß der I alte Cicero in seiner Abhandlung de Divinalione sagen. Vor Kurzem las ich einen Bericht, d-cn Hr. Lilienthal aus fetuct neuen Welt in unsere alte herübersendet. Durch die „jüdische Ehre", schreibt er, entstehe Zwietracht in den neuen Gemeinden seiner neuen Welt; aber eben diese Zwietracht bringe das Genuindeleben erst zur rechten und eigentlichen Blüthe. Nun vermag freilich 1 ein L i li e n t h a l über B l ü t h e zu sprechen; unsereins i jedoch, die wir zwar Botanik auf dem Kollcgio gehört, § praktisch aber mit der Pflanzenkunde uns wellig abgcbeu, begreifen nicht, wie so im Gemeindcleben ans der stacheligcn Knospe Zwietracht eine Blüthe sich heraus entfalte. I, Urticae proxima saepe rosa est, das hat freilich -ein [: Dichter gesungen, imb ein jüdischer Prediger der taufend Weiber hatte, spricht: Tk\‘n }D um .„es ist besser das Zwei als das Eins", besser die Zwietracht als die Eintracht — und die. guten Gemeinden m Breslau, Lissa, Krotoschin, Papa re. haben den schönen Spruch sich zur Norm genommen. Unsere mähr. Gemeinden jedoch wüsten, auf die Gefahr hin, niemals blühend zu werden , mit der-Zwietracht durchaus nichts zu thun haben, und Neue und Alte, und Orthodoxe nndReformfrermde, und Konservative und Radikale, ja, was Sie mir gar nicht glauben werden Gemeinden und'Rabbiner, leben hier bei Uns, zusammen in bester Eintracht.. Man räumt die wackelnden Ständer hinaus, man rückt den Mmemar hinauf, mau schafft die Synagogentriller ab, die vom Sinai kommen sollen — Alles in bester Eintracht, ohne daß die viel zu geduldigen Zeitblätter mit den Berichtm über das Pro itnb Contra, erst behelligt werden. Und wissen Sie, die Gemeinden der Moravia haben einen Midrasch für sich, denn es steht da geschrieben: 'DOT M an dem Tage wo das Zw ei, die Entzweiung und die Zwietracht in die Welt kam, an demselben Tage trat auch das G e h i n o m ins Leben! Nicht wahr, das ist gut gesagt. Sie sollen künftig noch oft Proben von meinem homiletisch-exegetischen Talent bekommen. Da führt mich aber mein Jdcen-Associationsvermögen, weit ich gerade von Eintracht und Zwietracht spreche, auf ein anderes Terrain hinüber. Ich will nun über die Amts t rächt unserer Rabbiner ein Wort reden. Unsere modernen Seelenhirten unterscheiden sich in ihrer Tracht blos darin von dm alten, daß diese das y™ 5W3D über dem H er zen , jene aber auf dem Kopfe tragen (Kop.f und Herz, ihr seid auch die Differenzpunkte der-alten und..der ueuen Ze.it>. DasnM^ JD"W auf dem Kopfe unserer Modernen, das ist die schwarzsammtnc Prcdigerkappe mit den 4 Ecken. Die sogenannten Mosistafeln sind bei uns nicht im Brauche. Einst sah ich in der preußischen Gemeinde 36 einen Rabbiner aus der neuesten Schule auf der Kanzel , bei dem war 'irrnD 'pr»Ni nratt': nimb. — Durch das ganze lebendige Mienenspiel wurden die „Tafeln" ihm zerknittert, und die pathetischen Worte, die er herabsprach, sie waren ni3 by nnb■ pw cims, -Wenn ich nicht irre, so hat der treue ZW. einmal eine weiße Amtstracht für die Rabbiner in Vorschlag gebracht Welch ein Widerspruch als Freund des D uu k etn an so lichter Farbe seine Lust;u finden! * 2lnS Ungarn., int 9t ovbr. Auf meiner Reise von Obernach Niederungarn berührte ich folgende Gemeinden und will nun , was ich gesehen und gehört, dem „Orient^ getraulich 'mittheiten. Zunächst von „ Miskolz. Eine altehnvürdige Gemeinde. Sie istgleichsam der Uebergaiigspirnkt von den unterzu -d.cu oberländischen Inden. Hier fängt es schon anin Sprache, Kleidung, in Sitten und in Kost nach polnischetn Ge sch macke zu riechen. Das polnische „Schwarze Jahr"