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Der Orient · 1847-11-19 · Heft 47 (19.11.1847) · p. Seite 372

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 47 (19.11.1847)
Date
1847-11-19
Page
Seite 372 (sequence 7)
Language
German
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O e ft e r r e t ch. Aus Mähren/ d. 1. Nov. (Offene Briefe aus Mähren.) I. Warum schreibt man in den Blättern so selten, aus nnserm Mähren? Gäbe es denn da so wenig zu berichten, -wo es doch so viel Berüchtigtes giebt? Wäre über unsere orthodoxen Rabbinen nichts zu sagen, weit sie meist selber Nichts zu „sagen" Haben, oder ließe sich über Unsere aufgeklärten Rabbinen nichts reden, weil sic größtenteils selber keme^Redner sind? Ist unser Gemeinwesen fo gemein, daß selbst die Allgemeine kein Wort darüber verlieren will; ist unser Schulwesen solch ein Unwesen, daß selbst ein mitleidiger Kor-' respondent kein Wesen jdarans machen will, und sind unsere Anstalten solche Ungestalten, daß kein Blatt ihnen seine Spalten öffnen mag? Nein, Mähren hat Alles -— nur keine Korrespondenten, die darüber Berichten wollen. Wir haben Kanzeln, wenn auch ohne Prediger; wir haben Chöre, wenn auch ohne Sänger; wir haben Schulen, wenn auch ohne Lehrer. Wir haben wenig öffentliche Schuten, dafür aber desto mehr Winkelschulen, und das sind lauter rechte W i n kel schulen. Wir haben Doktoren, Autoren, Reformatoren, kurz so viele ,, Thoren" als jede andere kultivirte Provinz. Wir haben Skribenten, Subskribenten, Neeensenten, kurz allerhand ,, Enten", wenn auch keine Docenten; die lassen wir unfern Nachbarnden Preußen. Wir haben nicht so wie jene die theilweise Emaneip a t i on, doch haben wir völlige Maneipaüvn (Sklaverei) oder wir haben paiience. Ja, in der Geduld kann jeder mährische Hausvater mit dem berühmten Hillel wetteifern. Bei' uns geduldet sich ein Bräutigam '10 Jahre und oft darüber, bis es endlich einem gutmüthigen Greisen behagt ihm Platz zu machen und sein Eherecht ihm abzutreten. Wenn jener Rabbi an den Rand seiner Bibel schrieb: IND 3120 niDn nT , dann hat er gewiß an unser Mähren dabei gedacht. Die Regierung der Provinz M. verfährt wie einstens das Gouvernement in einem andern Lande M. Sie will, daß wir Mähren uns durchaus nicht v erm e hren sollen. Wir sollen nicht produktiv sein! Wir sollen nicht viel zahlen, desto -mehr aber sollen wir .— zahlen. Haben Sie einmal eine hierländische Urkundegelesen? Sie beginnt jedesmal: „Zur Steuer der Wahrheit." Die Phrase von der Steuer ist jedem Mähren geläufig, sie chört er von früh bis Abend. Verzehrungssteuer, Vermögenssteuer., Haussteuer, Familiensteuer. — Bei uns giebt es keine Ghetti, bei uns weiß man nur von einer „Judenstadt". Wir bilden immer eine Stadt in der Stadt. Lassen Sie mich für heute schließen; schließen Sie aber nicht daraus, ich hätte Ihnen weiter nichts zu berichten. Die Fortsetzung meiner Briefe soll das Gegentheil beweisen. Ein Mährischer * U. Mähren hat viele tüchtige Köpfe, aber es hat sie in die Fremde geschiLt. Armer. L ö w, dir ging es auch weit besser dort wo du jetzt bist, wärest du lieber ein W olf im Sch aaspetz gewesen. Schwab, sagt man , sehne sich nach der mährischen Heimat zurück. Wie natürlich! Die Magyaren fühlen für „Schwaben" wenig Sympathie. Deutsche Leser, habt ihr unfern Ernst gehört und hat sein Bogen euch zu Thränen gerührt, er spielt in der Fremde die Leiden seiner vaterländischen Brüder, das macht ihn so ernsthaft schön. Wir haben noch einen Landsmann, der im Anstande N o t en schreibt; S te in s ch n e ider, ihm verzeihe ich es nimmer „ daß er sein ,, Manna" nicht auf mährischen Boden niederfallen ließ. Ach bei jetziger Theuerung wie gut kam uns das Manna! Wessely hat sich m Böhmen heimisch gemacht, wo dieJoachimsthaler entstanden. Jellinek, auch ein mährisches Kind, wird ein großer Redner m Sachsen; er liest Messen in Leipzig. (Ink consumes in wriling miicli ink!) £)afür jedoch hat uns wieder das gute Deutschland ein edles Thier hereingeschickt, einen Hirsch mit hohem Geweih. Ein Hirsch war uns bestimmt; ward es nicht Hirsch B. F., so ist es S. R. Hirsch. Es wäre nur zu wünschen, daß die Hirsche friedlich neben einander im Gehege lebten. Schade, daß C. unfern F. noch nicht gewählt, das hätte sich so gut gereimt: Fasset in Cassel. Wenn ich sage, unsere guten Köpfe leben im Ausland, so sehen Sie nicht so mitleidig ans uns herab. Nicht alle Schwalben sind ausgezogen. Das heirnathliche Nest hat sich noch manches Federwesen zurückbehalten. Nicht alle Sterile sind erloschen an unserm Himmel. Das beweisen Ihnen die vielen mährischen Sterne in Stern's „Sterne Jizchak". O, wie viele Sterne zählt das heutige Israel. Schau gen Himmel und siehe die Sterne, so sollen deine Nachkommen sein! Hr. Stern beabsichtigt mit seinem Kochbe Jizchak zugleich ein geographisches Institut. . Sie können da alle unsere vaterländischen Städte, Flecken und Dörfer verzeichnet finden.: Hr. A. in Prerau, Hr. B. in Lomnitz, Hr. C. in Auffe, Hr. D. in Gaya, Hr. E. in Bisenz, Hr. F. in Boskowirz. Ihr Rapapert's der Zukunft, ihr werdet über den Geburtsort unserer Kaliri nicht in Verlegenheit sein! Herr Redakteur, wenn Sie noch viele Sterne zu Mitarbeitern bekommen, könnte Sie, nach Vorgang unscrs Mendel ben Jizchak, Ihr Blatt spy1 '3DDnennen. Hiermit zeichnet in Achtung Ihr III, Der alte Merkur erfreut sich wohl nirgend eines eifrigem Kultus als bei uns hier zu Lande. Alleö handelt. Wenn Sie m einer Gemeinde -2 finden, die nicht dem edlen Handel obliegen, so find es gewiß nur der Sch am es und der Rav. Ist cs nun nicht ein Wunder, daß in einem Lande, wo so viel gebandelt wird, dennoch nichts geschieht und Alles beim slatus

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