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Der Orient · 1847-11-19 · Heft 47 (19.11.1847) · p. Seite 371

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 47 (19.11.1847)
Date
1847-11-19
Page
Seite 371 (sequence 5)
Language
German
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371 mit? bei Muhr, Nubo, Znnz haben sich die Herren Rabbiner zu bedanken , wenn sie. durch das Gesetz, anonym geworden sind. Rubo, der durch seine Schrift, „die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden" seine große Vorliebe für rabbinischc Hierarchie gezeigt hat, kostete die Abfassung: der Eingabe gewiß blutige Thräiren, und hinc illae lacrimac! Daß der junge Rothschild hier war, haben Sie. gewiß aus allen Zeitungen erfahren, aber von den Ehrenbezeugungen, die er in der großen Synagoge ausstehen mußte, haben Sie keinen Begriff; ich auch nicht, beim ich war nicht dabei. Ich gehe nicht in die große Synagoge , nDß6 .n^ev hier wäre es aber der Fall gewesen, denn unwillkürlich hätte mich die Neugierde den wundersamen Jüngling zu sehen hingeführt. Das ist auch der Grund warum ich so selten in diesen Tempel gehe, wenn O e tt i n ge r. eine Derascha und S ach K eine Predigt hält; ich bin überzeugt, daß viele Sündhafte nur hingehen, die glänzende Predigt zu Horen. Aach in den Reformtempel gehe ich deshalb nicht, wenn H o l d h e L m predigt,, mir geht nichts über ,12^. Ich sagte der junge Rothschild sei wundersam , ja er,ist es, wenn mau. so Ungeheuern Reichthum und.. so ungeheure Fronunigkeit neben einander sicht, wobei wie fichs von selbst versteht die Frömmigkeit noch bewundernSwerth.er und seltener ist als der Reichthum. Letzterer wäre auch in Berlin zu finden, wenn alle .Inden ihr Geld zusammenschießen, crstere dagegen nicht, wenn auch alle Inden ihre Frömmigkeit zusammenschießen und verdoppeln. Da Reichthum überhaupt., so geringfügig der Frömmigkeit gegenüber ist, so wünsche ich mir, bescheiden im durchbohrenden Gefühle meines Unverdienstes und Rothschild unbeschadet, um das Schlechtere, den Reichthum dcs Letzteru, der jungen Orthodoxie dagegen wünsche ich in Anerkennung ihrer überlegenen Verdienste das Bessere, seine Frömmigkeit. Auf solche Weise kämen beide Güter auch gerade an den rechten Ort, d. h. dorthin wo sie am dringendsten Bedürsniß'sind. llebrigens haben die Juden bei der Anwesenheit Rothschilds ausS Neue bewiesen, daß sie nicht an die Ankunft des Messias glauben, denn sie haben den Frankfurter Baren so mit Synagogen-Ehreu überhäuft, daß unmöglich für rw.2 etwas übrig bleiben konnte. Da hatte der Geburtstag des Königs ist reiste gestern Hr. v., R. aus Berlin , damit sich: die Feier beider nicht dränge, D'Cto W .pNST -irw' msa'- pranro. Meine Werte über die Michael'fche Bibliothek, die Sie aus dem Magazin für d. L. d. Ausl, ausgenommen haben, lauteten , au mehren Stellen ursprünglich anders,. Redaktion und Censur habcn sich jedes einen Thcil behalten; aber selbst wenn nichts weggeblieben wäre, so reichte der Aufsatz doch bei weitem nicht hin,.-meinem Schmerz über den Verlust der kostbaren Sammlung auszndrncken. -Die wissenschaftliche Orthodoxie hat gar keinen Schritt für die Sache gethan, ja sie hat vielmehr Herrn Ash er ausgemuntert, seine bnchhändlerischen Eigenschaften über seine.literarische zu stellen, und die Bibliothek nach England zu führen. Wer neben der. Begeisterung für die jüdische Literatur viele reiche Freunde hat, konnte vielleicht hinreichende Theiluahme für so unvergleichliche Schätze gewinnen, aber zwischen Sprache und Handlung ist gerade bei der jungen Orthodoxie eine so große Kluft, wie bei vielen ihrer Anhänger eine große Kluft zwischen, ihrer öffentlichen christlichen Lebensweise und dem. vorgeblichen Judenthnme ist. Die Geschichte der MichaePschcn Bibliothek hatte mich zum, Freunde der Reform machen können, wenn ich es nicht schon 'längst und ans viel triftigem Gründen wäre. . F. Lt. Leipzig, im Ncvbr. Heinrich Lau be schreibt in den „Monatsblättem" von Paris aus: „Da des Theaters erwähnt worden war, und Thiers in seinem Rednerguß sich über die Wichtigkeit dieses Instituts im Staatßleben verbreitet hatte, so wurde unter den kleinen Blitzen, welche selch einem befruchtenden Gewitter folgen, auch hier und da wieder der Rachel gedacht. Ich hatte dabei die Bemerkung zu machen , daß niemand ihrer " jüdischen Herkunft erwähnte. Wo der Jnde emcmcipirt ist da wird er . auch nationalisin. Warum zögert man. bei uns mit einer so nothwendigen Maßregel, welche durch Humanität und Klugheit zugleich geboten wird? Die Franzosen sind übrigens iucC;t so unkundig über die Verschiedenheit der Mmschenraee, welche zwischen einem morgenländischen Stamme und abendländischen Völkern herrschte, sie sind sich der Konsequenzen solch einer Verschiedenheit vielfach bewußt, wenn auch in ihren Zeitungen nicht leicht die Rede davon ist. — Mündlich sprechen sie sich wohl darüber aus. Aber sie sind in. diesem Betrachte immerdar höflich und human; jedenfalls höflicher und humaner als wir. Vielleicht weil eben die Einverleibung schon lange bewerkstelligt ist, vielleicht weil sie leichter zu bewerkstelligen war innerhalb einer so festgeschlessenen Einheit wie das Frcmzoseuthum eine ist. Ist sie aber den Franzosen Leichter geworden, so kann uns Deutschen die Emancipaticitt der Inden vielleicht noch nützlicher werden. — Wir bedürfen vielleicht noch nöthiger eines scharfen Sauerteigs, noch nöthiger als die von Natur so rührigen Franzosen. Der scharfe jüdische Geist ist ein Sancrteig der Welt geworden, was ist cs für eine Politik, diesen Sauerteig immer abgesondert gähren zu taffen? Seine, gute Wirkung leistet er erst, wenn er mit einem andern Teige vermischt wird, und jede Stunde Verzögerung einer endlich doch nöthigen ganzen Maßregel ist ein Verlust. Die Lehre von den Uebergängen ist hierbei ein Irrt hum. Die Uebergänge können erst euüreten nach der Vereinigung. — " 47

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