Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1847)
- Date
- 1847-11-19
- Page
- Seite 370 (sequence 3)
- Language
- German
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370 Frage stellten, ct überhaupt eine Abänderung der über die VerhWüsse der isr. GlaubenSgenossctr in diesem Königreiche bestehenden Gesetzgebung zeitgemäß und ein Bedürfniß sei! Wie tief ergreifend dieser strenge Ausspruch uns auch ^treffen mochte, so können wir doch nicht glauben, daß derselbe als dauerndes Stäatssymbol genoinmen-werden dürfe,und leben vielmehr bei der neuen freisinnigen und großartigen 'Auffassung unserer vaterländischell Zustände der beglückenden Hoffnung, daßdie Krone und ihre Räthe auch in unserer Sache den Forderullgell des Jahrhunderts gebührend Rechnung tragen werden. -..Eben so zuversichtlich glauben wir, daß die wohlwollenden Gesinuungen, welche von beiden hohen Kammern in der jüngsten Ständeversammlung bezüglich unsrer Verhältnisse kund gegeben wurden, in ihrer ganzen Ausdehnung noch fortbestehen, und daß die warme Vertretung, welche die Sache unserer Elaubensbrüder vor Kurzem erst bei dem Landtage eines nnserm Vaterlande durch vielseitige Bande nahe befreundeten deutschen Königreichs zu Thcit wurde, auch in den Verhandlungen unsrer Volksvertreter siegreichen Wird er hall finden werde. In diesem Vertrauen wagen wir es, mit Beziehung auf unser früheres Gesuch an eine hohe Kammer der Abgeordneten die ehrfurchtsvollste Bitte zu stellen: ,,Dieselbe wolle auch bei ihrer gegenwärtigen außerordentlichen Versammlung sich unser annehmen und durch . Stellung geeigneter, dem Geiste aufgeklärter Gegenwart entsprechenden Anträge bei Sr. Majestät, dem König dahin zu wirken suchendaß für den nächsten ordentlichen Landtag die Vorbereitung hierauf bezüglicher Gesetzesvorlagen allergnädigst angeordnet werden möchte". Diese freisinnige, in. gedrängter Kürze das Nöthige besagende Vorstellung hatte sich der Abgeordnete, kvnigl. Rath N e t; als Antrag angeeignet. Er empst'ehlt den Antrag und findet die Antwort in dem jüngsten Landtagsabschied zn lakonisch auf diesen Gegenstand. Abgeordneter Sattler weist auf die taute Stimme in Deutschland hin, Menschen endlich als Menschen zu behandeln und daß doch cinrnat der Gegenstand, welcher immer hinaus geschoben werde, geordnet würde. Sekretär v. Kirchgeßner erinnert, die Negierung hätte den studierenden. Inden Advokaturen in Aussicht gestellt, aber dieses sei nicht verwirklicht und so vielen jungen Studierenden ihre Mühe und Zeitaufwand verkümmert worden. Abgeordneter v. Schäzler macht daraitfaufmerksam, daß Rothschild in das englische Parlament gewählt sei. Abg. Sch netz er will die Menschenwürde in den Juden anerkannt wissen, welche alle Lasten bisher mit uns getragen. Dekan B a u e r will Verwendung für ttc Juden und fragt das Ministerium, wie weit die Regimrngsarbeiteu vorgeschritten seien. Oberstudienrath Ncumayer, die Kreisregicrungen seien ausgefordert zur Berichterstattung; sobald dies geschehe, könne weiter berathen werden." Mit diesem wurde der Gegenstand verlasset: itiü wir erfahren nicht einmal, ob der An trag einem' Ausschüsse zugewicstu werdett ist. Wohl aber erfahren wir, wie noch immer die Sympathien der Kammer.den Jtrdcn günstig sittd und. wie einzelne ''Abgeordnete die Frage vom reinmenschlichen Slandpmlkt ans ansehen und behandelt wissen wolle«. Ans der Entgegnung des Negiernngö-Konlmissärs — die anwesenden Herren Ministerverweser fand sich nicht zu einer Entgegnung und Darlegrmg ihrer Ansicht über diesen Punkt bewogen — geht hervor, wie doch endlich ein Anfang gemacht und zu den srühern Berichterstattungen neue noch kommm werden. Wer aber...unfern' Geschäftsgang kennt, der weiß wie weit eine erst zur Berichterstattung hinaüSgcgebene Frage noch von ihrer Lösung entfernt ist, so daß' die Vorlage eines Gesetzentwurfes beim nächsten ordentlichen Landtag, kaum zu erwarten sein dürfte! —- Weitere Vorgänge nächstens. / K. Berlin, 15. Oktbr. Noch haben .sich viele Leute nicht von ihrer Verwunderung erholt, daß in dem preuß. Judengesetze gar nicht von den Nabbinen die Rede ist, namentlich, daß sie Ui den zu bildenden Kommissionen von neun Männern übergangen wurden; aber die Regierung hat hier ganz unter dem Einflüsse der von ihr berufenen Kommission^ auS Muhr, Rnbo und Zuuz bestehend, gehandelt, und diese Herren waren es, welche der Rabbinatsgewalt den Garaus gemacht haben. Die Sache verhält sich so: Im vorigen Jahre veranlaßte ein orthodoxes Mitglied der hiesigen Gemeinde den Obcrpräsidenten der Provinz Brandenburg, die Meinung dreier orthodoxen Männer außer der von der Negierung ernannten Kommission über diese Angelegenheit zu hören. Der hohe Beamte aber tu seiner Unparteilichkeit ließ zugleich auch drei Reformer rufen und hörte beide Parteien gemeinschaftlich. Hier hat man den Vorschlag gemacht, in den Schoß der 9 Männer 6, sage sechs Nabbineu aufzunehmen, wohl weil man von dem Grundsätze ausging, daß meist zwei Rabbiner: erst einen Mann.machen, und so 3 Laie» und 3 Geistliche im Rathe sitzen. Die echte, verantwortliche von der Regierung eingesetzte Kommission hörte kaum davon, als sie sich an das Ministerium wandte und ihm auseinaudcrsetzte, wie weder Rabbinen nöthig, noch rathsam seien. Ich habe das Dokument der Eingabe gesehen und mußte die beißeude Geschicklichkeit der Abfassung bewundern. Es wird unter andern auch auseiuandergesetzt, wie weit und breit der Begriff Rabbiner" ist, wie ein Bart und ein Talar schon oft den Anspruch daraus verleihen, wie die Morcnu unter Nichts gesunken, und wie selche Diplome von Unwürdigen genommen und gegeben werden, wie endlich . Rabbiner überflüssig seien , und die größten Gemeinden, namentlich Berlin seit 46 Jahren, keinen hat! DieRegiemng hat ihren Beschluß nach dem Geiste dieser Eingabe gefaßt,