Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1847)
- Date
- 1847-11-12
- Page
- Seite 367 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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367 Rabbiner Dr. Adler ans Kissingen und Dr. Meicrso h n (Jurist) zn bewirken, sind zwar Zeitgemäß und anerkennenswert^, ein erheblicher Erfolg wird kaum zu erwarten stehen. Warten wir noch ein Jährchen, bis zum Zusammentritt des ordentlichen Landtags! Bei dem Landtage selbst wurde Seitens des Präsidenten den Manen des Hrn. v. Gnmppenberg einige Worte gcweihet, in die wir Israeliten um so gerührter einstinuucn, als wir nur zu sehr erkennen, was unsre Sache an ihm verloren hat. Auch der pfälzische Abgeordnete Hr. E h r i st m a n n , derselbe welcher als Ansschußmitglied beim letzten Landtag darum sich gegen die bekannten drei Anträge erklärte, weil er völlige Emancipation wolle, ist Kränklichkeit Haller vom Besuche des Landtags vorläufig abgehalten. Der Herr spende ihm seine Gesundheit! / Münchner Blätter melden auch : ,,Von dem bekamt-, ten katholischen Pfarrer und Benefizirten Mar Stig lmaier in Thanning (Oberbayern) ist eine Schrift unter der Presse unter dem Titel: Die vollständige bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichstellung der Israeliten mit den übrigen Staatsbürgern vom Standpunkte der Menschlichkeit, des Staates und der christlichen Kirche." Werden sich dieser Frage neue Gesichtspunkte kaum abgcwinnen lassen, so ist doch eine solche Erscheinung sehr beachtungswerth und wird die katholische Geistlichkeit ihrem erleuchteten Oberhaupt Pius IX. Nachfolgen , so hat die Emaneipation der Juden auch in Deutschland einen großen Schritt vorwärts gethau. Wichtiger jedoch, weil eine Thalsache und von unberechenbaren Eklat, wenn sie durchgeht, ist Folgendes: Die medizinische Fakultät an der Universität Erlangen hat zum Prosektor daselbst den Arzt Dr. Herz, einen Israeliten einstimmig wit Unterlassung des bisher üblichen Vorschlags dreier Kandidaten bei Sr. Majestät vorgeschlagen und die nun zu erwartende Bestätigung wird uns der Beweis liefern, ob die Veränderungen in unfern Staatsgrundsätzen auch bezüglich unsere and.erS geworden sind. Die studirende Jugend, sehr viele Eltern und gewiß jeder Mann des Fortschritts harren sehnsüchtig dieser Entscheidung entgegen! Meiner, im vorigen Monatsbericht gegebene Nachricht über ein Vorkommniß in Fürth, habe ich noch ^klzufiigen, daß nicht eigentlich die ärztliche Sektion, welche selbst der greise Talmudist Hr. Wolf Hamburger, das Haupt der dortigen Streng-Orthodercri, für zulässig erklärte, sondern das' dreitägige Warten bis zur Erdbestattung es war, welches den Unwillen der dortigen Brüderschaft —- Kippe genannt — hervorgerufen hatte, weil sie früher der Abänderung der dessallsiigeu polizeilichen Anordnung so große Anstrengungen und Opfer gebracht habe. Jndcß hatte die Sache, wie gemeldet, keine weitern Folgen und matt war klug genug sich zu fügen. Von den Prätenfionen dieser Kippe aber -—sie ist. noch ein Venn ach tu iß der abgetretenen Staatsverwaltung — mag daö Faktum einen, Begriff geben, daß sie vor kurzem noch dem Talmudlehrer H. Heidegger, dem aufgestellten Substituten des Rabbiners, beim Tode seiner Schwiegermutter nicht zngeben wollte , eine Leichenrede auf dem Friedhof abzuhalten. Natürlich blieb ihr Widerspruch unbeachtet. Aber die Sache ist nunmehr bei der allerhöchsten Stelle anhängig und leicht könnte es geschehen, daß dadurch ihre usurpirte Gewalt den Todesstoß erhielte. Der Vorstand Fürths und der Rabbiner haben ohnehin ihre Macht, nicht anerkannt und wußten nur der Gewalt sich fügen. Bei dem am ersten Tag des Laubhüttenfcstes daselbst gefeierte Erndtefest hat utitcr andern auch die Einschließung des Pabsteö in das Gebet und die Fürbitte für ihn besonders auf .die christlichen Zuhörer einen großen Eindruck gemacht. Dem Christen ist so etwas neu; wir aber wissen, wie wir ja selbst für die gekrönten Häupter in unfern Gotteshäusern beten, die nicht wie der/heilige Vater bemüht sind, Ghettos und mittels alterliche Einrichtungen uns abznnehmen. — Eö war zu erwarten, daß sich bei den allenthalben veranstalteten Kollekten für Bcseler auch Israeliten wie bei Addressen an die Holsteiner mit betheiligen werden. Wirklich meldet uns der Kor. v. u. f. D. in Nr. 298. in ritmu Artikel aus Wassertrüdnigm, wie die dortige israelitische Gemeinde bei der Sammlung von Beiträgen eine lebendige Theilnahme bezeige. Wir wetten die Motive zu solcher Theilnahme nicht in Betracht ziehen, aber ich würde, .wen. man., mich uin einen Beitrag ailginge, antworten: .Mett Respekt vor der deutschen Einheit, aber ich fühle mich nicht bemächtigt, mein Geld für die Erhaltung eines Präsidenten an einer solchen deutschen Ständekamurer hinzugeben, die alle .verbessernden Vorschläge des Königs hinsichtlich mciner. Glaubensgenossen mit aller Entschiedenheit zurückgcwiesen und diese ans aCXcu Kräften in dem Augenblick zu Fremdlingen auf dem deutschen Boden machen will, zu dem sie eben so viel Naturrecht' als der Holsteiner das Staatsrecht haben Deutsche zu bleiben. Ich memo darin liege Konsequenz und auch etwas Recht und Selbbewußlsein. Die Reihe der Rabbiner , ans der alten Zeit ist wieder um ein Glied gelichtet worden. In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober starb nämlich zu Bayero-- dorf in Mittelfranken im 81. Lebensjahre der dortige Rabbiner Simon David D is pc-ker mit Hinterlassung eines sehr bedeutenden Vermögens, wovon cc auch einige Tausende zn herkömmlichen Zwecken verstiftet hat. Er hatte nie einen Gehalt von der Gemeinde bezöget! und sich das Vermögen durch allerlei Geschäftsunternehnrnngeir erworben. Am 8. veranstaltete die Gentcinde ihm eine angemessene Todlcufeier in der Syua-