Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1847)
- Date
- 1847-11-12
- Page
- Seite 368 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360519--6152-3533646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
goge in Slnwesenheit des kön. Landrichters Meinet' aus Erlangen,' wobei der bisherige Borsänger, Rabbi-/ natskandidat Kohn, eine öffentlich belobte Predigt abhielt. Kohn wird wahrscheinlich Nachfolger werden und mit diesem wäre eine, jeder Gemeinde zu empfehlende Einrichtung , wornach Rabbiner und Vorsänger in einer Person vereinigt sind, getroffen. Denn nur dann sind die Rabbiner wahre Leiter des Gottesdienstes, die sie doch überall sein wollen und sotten, wenn sie Rabbiner oder Vorsänger wie zur Pajtanim-Aeit sind. Mit diesem wäre auch der Geldpunkt gelöst, die Anstellung von Rabbinern an kleinern Gemeinden ermöglicht und der Reform Vorschub geleistet. — K. O e st e r r e i ch. Eperies, 28. Sptbr. Das Neueste, das in unserer Stadt und Umgegend in allen Kreisen, christlichen wie jüdischen besprochen und beurtheitt wird, ist die vor einigen Tagen knndgewerdene Abdankung des seit vier Jahren hier wirkenden Rabbiners Prof. Dr. Schiller. Nachdem S. in der Jom-Kippur-Predigt Mehreres wie hier üblich ankündigte, richtete er ganz trocken, ohne allen Kommentar folgende Worte ohngefähr an die versammelte Gemeinde: „Der hiesige Geistliche bringt hiermit zur ' Kenntniß rc. , daß er nächsten S ch e m i n i Azeret seine Abschiedspredigt halten werde^. — Die Einen, seine Freunde und Verehrer meinen, er müsse einen Ruf nach einer größer» Gemeinde erhalten haben j die Andern, seine Feinde, deren ec im Vorbeigehen gesagt, in hiesiger Gegend auch nicht wenige hat, weil er wie sie sagen der Erste, war, der die deutsche Predigt hier emgeführt, meinen, daß m"pn ihre erhört habe, und ihm in den Sinn gegeben, nicht mehr zu predigen, noch Andere endlich sehen darin nichts Anderes als was das Wahrscheinlichste ist: Dr. Schiller habe die Ungeregelthcrt des dasigen Gottesdienstes und nebenbei gesagt, die ungebührliche Behandlung, die ihm von mancher Seite geworden, satt bekommen und das habe ihn veranlaßt, diese kümmerliche Stelle niederzulegen. Jedenfalls ist <s nicht nur für Eperies, sondern auch für ganz Oberungarn, und wenn es wahr ist, daß er der Kanzel für immer entsagen sollte, was Ref. nicht glaubt, für die Jndenheit ein großerVerlust, denn S. ist ohnstreitig einer unter den guten Kanzelrednern in. deutscher Zunge, was selbst seine zahlreichen, gelehrten und ungelehrten Feinde einräumen. — Kttschauim Sptbr. Am vergangenen 5. Sep^ tember waren Se. kaiferl. kön. Hoheit der Erzherzog Statthalter und Palatin Stephan hier, und da waren unter den zahlreichen Deputationen, die ihm von andern Gemeinden geworden, auch aus dem Komitate Saros eine solche ihn anzusprechen beordert, die Mitglieder desselben waren der rühmlichst bekannte L. Holländer, Honorarphysikus Dr. Bach, Obervorsteher H. Winter, Notar L. Ad ler, Dr. Schwarz, Dr. pliil. Schwab und Dr. meä. Roth. (Hr. Prof. Dr. Schiller war damals auf Reisen.) L. Holländer sprach den Erzherzog in sehr kurzen, gediegenen Worten ungarisch an und wurde die SLroser Deputation sehr gnädig ausgenommen, worauf für Säros-Abany ein Ackerbau- und Handwerksverein gegründet wurde, zu welchem das Hans Holländer 2000 fl., M. Billitzer (Vorsteher kn Kaschau) 1250 fl. u. a. m. beigetragen, so daß jetzt an 5500 fl. schon beisammen sein sollen. Nachschrift. Die Synagoge in Eperies kommt schon in einigen Wochen unter Vu Haube, d. i. unters Dach; ein prachtvolles, imposantes Gebäude. Nur brav gehalten Glaubensbrüder in Eperies l D.....d. Personalchronik und Miseellen. Berlin. Dse Punkte, über wklche die Generalversammlung der Genossenschaft debattirte, waren: Offenbarung und Sabbat. Auch die Nationalität und Auserwähltheit Israels wurde zurückgewiessn. Ein Vorschlag, die Errichtung eine» Reform-Theologenschule betreffend, fand allgemeinen Beifall. Leipzig. Hr. Prof. Fleischer hat die jüdische Literatur vollständig. emancipirt. In dem Jahresbericht der deutschen morgenlandischen Gesellschaft von 1846— 1847 hat der humane Professor in einer literarischen Rundschau auch die Fortschritte der jüdischen Literatur aufgezählt, und zwar mit vieler Sorgfalt und Sachkenntnis Das Beispiel eines Mannes, der in der Gelehrtenrepublik eine so ausgezeichnete Stellung einnimirit, wird gewiß Nachahmung Hervorrufen« Die jüdische Geschichte kann diese geistige Emancipation nicht unberücksichtigt lassen und wird dabei des Namens Fl e i sch ee ehrenvoll gedenken. Berlin. Ein hiesiger Gelehrter verfaßte eine ,, Geschichte der Schächter." Die Censur verweigerte die DruÄerlaübniß, weil zu viel Scandalofa in der Geschichte vorkämen. Der Berk» har sich an das Obercensurgericht ge-- wandt; allein die Schächter intriguiren. „Es ist eine alte j Geschichte, doch bleibt sie ewig neu, und wem sie just passiret, j dem bricht das Herz entzwei," sang der glückliche Hei ree, j der nie eines Schächters bedurfte. Druck von I. H. Nagel. Verlag von C. L. Fri tz sch e.