Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1847)
- Date
- 1847-11-05
- Page
- Seite 358 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 358 — tu einten zu entwerfenden, vom Herrn Oberprcisldente» E.rcell. zu genehmigenden Statuts 3) Ob eine -Vereinigung alter, oder vieler Genteiuden/der Provinz zu zukünftigen, in Fristen wiederkehrenden / durch Depntirte zu veranstaltenden Berathungen über gesetzlnäßige Gestaltung des Kultus zu bewirken und in das Statut atlfzuuehmcn sei? -Die Wichtigkeit dieser Angelegenheit re. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. - Nathan. Etbthal. Friedcberg. . Auch nuferer Gemeinde wurde ein solches Eirkular zngesaudt und Eltdesnnterschriebenem wurde die Ehre zu Theil, mit deur. 'Syndikus Hrii. I. Hirsch dorthin deputirt zu werden. Es war auch daselbst ein großer Theil der Verstände vertreten, und nachdem jedem Deputaten das Reglement für die Sitzung eingehändigt worden, begann dieselbe 11 Uhr Morgens. Zuerst wurden die Namen aller Deputaten verlesen, daun vorn Protokollführer, ,Hrn. Vorsteher Friedeberg, die Anzeige gemacht, daß der Dr. Philipp son die Vortagen zu diestw kollegialischen Berathung angefertigt habe und zur ' Prüfung.' verlegen werden Letzterer ergriff daraus das Wort, stellte der Versammlung die Wichtigkeit der Stunde mit wenigen Worten vor, wiederholte die drei Gegenstände der Berathung, fügte jedoch beiläufig noch einen vierten, den Entwurf cincv Petition hinzu, und schloß diese Einleitung mit der Ermahnung m^no pHN zu sein. Hierauf wende zur Vorlage zum Punkte 1 geschritten. Es wurde erwähnt, daß man aus authentischen Duellen erfahren habe, man intenüre höheren Orts die Eintheilung in Landrathliche Kreise in Vorschlag zu bringen, keinesfalls aber über einen Regierungsbezirk Hinaus dergleichen Synagogenbezirke zu gestatten. ^ti dieser ersten Vorlage war das Weitere ausgeführt, daß es wünschensworth sei, solche Synagogengemeindcüi. iiach kleineren Kreisen einznrichtru, und nach deren Beendigung wurde der Versammlung felgende Frage vorgelegt: Hält die Versammlung die landrathliche Kreisabtheilung für die Synagogengemeinden für -angemessen, und ist überhaupt die Abtheilung von größern oder f letnern S y n ag eg engem ei n de ll die vorcheilhaftere? -Hierauf entspann sich eine der Wichtigkeit des Gegenstandes angemessene mehrstündige Debatte, in welcher mit echt parlaiuentarischer Würde und gewissenhafter Berücksichtigung eben so sehr des allgemewm Standpunktes als'auch der jedesmaligen lokalen Ni'mancen in der Ausführung verfahren wurde, die verschiedenen Prinzipien, von welchen man bei solcher Bildung ansgehen müsse, sorgfältig entwickelt wurden, und-erst nachdem die. Debatte nach allen Seiten ausgeführt und erschöpft war, kam dieser Gegenstand durch persönliche Abstimmung, welche von dem Herrn Protokollführer aufs -Einzelnste protokollirt und darauf verlesen wurde, zu seinem Ende. — Hr. Dr. Philippson fuhr in der Mittheilung seiner Vorlagen fort, fand es hierbei jedoch für geeignet, erst die des Punktes 3 mitzutheilen. .Diese nun bestanden in Nichts'Anderm , als ün einer im genauesten Detail ausgeführten Entwürfe eines weltlichen jüdischen Konfistorii der garten Provinz Sachsen zur Umgestaltung und Regelung des Gottesdienstes re. Beim Beginne der Debatte bemerkt der Abgeordnete I. H irsch, Niemand der Anwesenden könne über ein in das innerste Leben der Gemeinden eingreifendes, so ms Einzelne ausgesühctes Statut sogleich zu einem Urtheil gelangen, und schlug daher vor, daß dieser Entwurf nach dem Beispiele andrer parlamentarischer Propositionen den einzelnen Vorständen zugesandt und in einem später, etwa in 2 bis 3 Wochen, anzuberaunlenden Termine, darüber berathen werde. Auch ich hatte mir bei dem Herrn Vorsitzenden das Wort erbeten, um meine Meinung über das Princip dieser Vorlage zu entwickeln. Jedoch^von der Debatte"des ersten Punktes erschöpft, hielt die Versammlung gerade jenen Augenblick für geeignet der gütigen Einladung des Vorstandes zu einem frugalen Mittagsbrode entgegen zu kommen. . Nach beendeter Mahlzeit wurden sogleich die Verhandlungen wieder fortgesetzt; ich war aber trotz der sehr anerkennungswerthen Ordnungsliebe und Unparteilichkeit des Herrn Vorsitzenden, vielleicht durch zu große Bescheidenheit nicht so glücklich das Wort zu erhalten; ja es wurde die ganze Debatte über bie Machtvollkommenheit der Deputaten über diesen Gegenstand zu berathen sogleich abgeschnitten» Und kaum halte man sich wieder gesetzt, -je wurde man nach Uebereinkunst der Verfamullung schon vom Vorsitzenden ersucht, durch 'Ansstehen und Sitzenbleiben seine Meinung abzugehen-, ob über diese eiuzctnell Punkte der Vorlage abgestimntt werden solle. ES ereignete sich also hier das sonderbare-parlamentarische oder vielmehr unparlameniarische Ereigniß über einen ftagtichen Punkt ohne vorausgehende Debatte abznstimmen. Wir die Abgeordneten Halberstadt's beruhigten uns natürlich nicht mit diesem unparlauleutarischen Treiben, ließen uns von solcher Willkür und Prinziplosigkeit nicht irre machen, protcstirten gegen diestnr ganzen Passus der Vorlagen mit seinen Paragraphen . und Einzelnhcitcn, zogen uns ganz von der Debatte zurück und-sorgten dafür, daß diese unsere Erklärung mit tu das Protokoll ausgenommen würde. Die Debatten über die einzellten Paragraphen waren höchst unbedeutend zu neunen , wie alles dasjenige sein muß, über dessen. Prinzip man sich nicht verständigt hat, der Vorstand fand übrigens für die Vorlagen ein sehr günstiges Publikum, und in wenigen Stunden war die Berathung über diese Paragraphen beendigt, welche auch meines Wissens bis ans §. 9 mit ^ganz unbedeutenden Aendcrungcn angenommen wurden. Der Plan lautete im Allgemeinen dahin, ein provineiales weltliches Költsistoriuni zu bilden, zu welchem all-