Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1847)
- Date
- 1847-11-05
- Page
- Seite 357 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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357 sition des vereinigten Landtages, betreffend die Zulässigkeit der Ehe zwischen Christen und Juden , kein Gehör gegeben habe; auch lebe sie der Zuversicht, daß derlei Anträgen fernerweit von dem christlichen Staatsregiment eben so wenig werde Gehör gegeben werden." — Gegen diesen Beschluß legten indeß sofort mehrere Synodalen ein Seperat-Votum ein. — Am 18. Oktober wurde in Krakau die Bahnstrecke von Krakau bis Myslowih feierlichst eröffnet und vom Bischof von Krakau in Gegenwart' einer beträchtlichen Menschenmenge eingewciht, „Bei dieser Einweihung" — fährt der Berichterstatter fort — ,,ereignete sich auch noch ein Konflikt einer mittelalterlichen Idee mit der höchst modernen Macht des Geldes, den. ich der Mit- und Nachwelt unmöglich vorenthalteu kann. Wir Krakauer sind zwar höchst aufgeklärt, liberal bis zum konsequentesten Demokratismus und tolerant bis in die Möglichkeit. Aber nichts ist vollkommen auf Erden und so hat die Krakauer Freisinnigkeit und religiöse Duldung ebenfalls ihre schwache Seite, ihren Punkt, wo sie mit einem tüchtigen Brett vernagelt ist. Dieser Punkt ist das Verhältnis) der getauften Bevölkerung zu der nicht getauften. Da stecken wir noch tief im Mittelalter; nicht allein daß wir unsere besondere ghello — die Vorstadt Kazimierz — haben und kein Jude in Krakau selbst wohnen darf, so ist den letztem sogar bei Geldstrafe verboten, an Sonn- und Feiertagen die eigentliche Stadt zu betreten; auch darf kein Jude jemals eine christliche Kirche betreten, ja sogar sich ihr nur auf einen gewissen Zwischenraum nähern. Bei jener Bahnhvffeierlichkeit hatte sich nun aber, ohne sich von der Nahe des improvisirten Altars abhalteu zu lassen, eine beträchtliche Anzahl Juden auf dem Perron eingefnuden. Kurz vor dem Auftreten des Bischofs und der Geistlichkeit ließ gebieterischen Tons sich eine Stimme vernehmen: „Juden wegls'wird jetzt And ach t gehalten t" Die „Juden" zogen sich etwas zurück, protestirten aber gegen die Ammithung eines weiteren Rückzuges'eben so loyal als energisch durch Vorzeigen ihrer Fahrbillets. Ein oder zwei, die dergleichen nicht aufzuweiscn hatten, wurden zu einem sofortigen, vollständigen Verschwinden augenblicklichst veranlaßt; die übrigen, welche von dem Talisman „Geld und Besitz""hinlänglich geschützt waren, blieben. Und so geschah das Unerhörte, sei't dm Zeiten des Miecislaw wahrscheinlich noch nie dagewesene, daßJuden in Kr a kan wä hren d 'e i n er christlichen g ottesd ieustlichenH andlnug nur in geringer Entfernung von den fungirenden Geistlichen standen und ungehindert zu sahen und zuhörten. — M. B. Berlin, im Oktbr. In der Aula der berliner Universität hat am 14. Oktober Herr Dr. Remak pro venia docendi gelesen. Es ist dies darum bemerkenswerth, weil dies der erste Fall ist, daß ein nicht zum Christcnthum übergetretener Jude auf einer preußischen Universität Vorlesungen hält. Hr. Dr. Remak hatte allerdings noch vor Publikatiort des Gesetzes vom 23. Juli 184? von Sr. Maj. den: König auf Humboldts Verwendung die Erlaubnis) erhalten, an einer der Landesuniversitäten — und zwar ohne daß die besondern Statuten derselben als Hinderniß angesehen wurden — einen Lehrstuhl zn besteigen,, doch hatte sich im Ministerium die Ausführung so lange verzögert, daß mm Hr. Remak, von den Bestimmungen des seitdem erschienenen Gesetzes Gebrauch machend, sich bei der Fakultät gemeldet, voll derselben sofort angenommen wurde und sich nun rüle habilitirt hat. Hnkberstirdt, 21. Oktbr. Am 19. d. M. fand hier eine kollegialische.Beral'hung. der Vorstände mehrerer Gemeinden über die Bildung einer Synagogen-Gemeiude statt. Der hiesige Vorstand hatte dazu Einladungen an alle in. der Zeit des Westphälischm Konsistorii dem Sprengel des Syndikats einvcrleibten Orte der Provinz ergehen lassen, und waren in Folge dessen theils schriftliche Zusicherungen einer künftigen Vereinigung zu einem Bezirke an denselben gelangt, theils Ortschaften durch Dcputirte vertreten. ES wurde vom Vorstande ein Entwurf zu den Statuten einer Hatberstädter Synagogen- Gemeiude vorgelegt, nach der Prüfung des Einzelnen sehr befriedigend gefunden, und der Beschluß gefaßt, Abdrücke desselben genannten Gemeinden zuzuscnden, und zur weitern Realisation künftige Konferenzen anzuberaumen. —. . Halbevskadt, 22. Oktbr. Nothgedrnngener Protest gegen reformistische Umtriebe. Am 15. September h. wurde von dem Vorstande der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg an alle jüdischen Gemeillden der Provinz Sachsen ein gedrucktes Cirt'ntar folgenden Inhalts versandt: ,>An die Vorstände der israelitischen Gemeinden der Provinz Sachsen. Der mtterzeichnete Vorstand sicht sich sowohl' durch die Dringlichkeit deS Gegenstandes, als auch durch die bereits von mehren Gemeinde-Vorständen ausgesprochenen Wünsche, veranlaßt, an die Vorstände der israelitischen Gemeinden der Provinz Sachsen hiermit die freundliche Einladung zu richten, am Mitwoch, den -20. Oktober 6. allhier an einer kollegialischen Berathnng Theil zu nehmen, um über mehre Punkte des Gesetzes vom 23. Juli c. welche die bevorstehende Gestaltung des Gemeindewesens betreffen, mit daraus resnltirten ^tnsichten den $u, erwarterlden Aufforderungen hoher Königlicher Regierungen entgegen konnnen zu könnet:, Gegenstände der Berathrnig werdet: sein: 1) inwiefern die, vom Gesetze intentirte Bildung von „Synagogen-Bezirken" eine Vereinigung mehrer Lokal-Gemeinden zu einem solchen bewirken könne? 2) Die Haupt-Bestimmungen des, von den Ge-