Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1847)
- Date
- 1847-11-05
- Page
- Seite 356 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 356 — StadtmagistmL und den Stadtrath (die Stadtverordneten- Versammlung) gewendet und um eine.Befürwortung ihres Gesuchs, wenigstens um ein Zcugniß ihres bürgerlichen Wohlverhattens gebeten. Beide Kollegien haben sodann einzeln und jedes einstimmig erklärt: sie hielten es nicht nur für unbedenklich, die Ausnahmegesetze gegen die Juden cmfzuheben und die Juden den übrigen Landesbewohnern in ihren Rechten als Staats- und Gemeindebürger vollig.gleichzustellen, sondern erkennten darin auch eine Forderung der Vernunft und des Rechts und richteten darauf ausdrücklich ein Gesuch an die gesetz-' gebende Gewalt. -Die bisherige Gesetzgebung bessert hauptsächlich auf eine Verordnung vom Jahre 1327. Danach bedarf jeder Jude zu -seinem Etablissement einer Schutzkoncession der Regierung , rmterwirft man jeden Juden, auch wenn er nicht Handel, sondern Handwerk treibt, - den Heirathsbefchränkungcn, belastet man den Schutzjuden auch mit der Ernährung seiner Geschwister, obgleich diesen der selbstständige Betrieb versagt ist. Die Stadt- und Gemeindeordnnng fügt andere Beschränkungen, namentlich in Hinsicht der Wählbarkeit hinzu. Diese und andere Beschränkungen haben freilich in neuerer Zeit in einzelnen Fällen eine milde Anwendung gefunden, in andern hat aber wieder strenge Auslegung zu unverhältnißmäßigen Härten geführt. (D.A. Z.) Stvzelns, den 22. Oktober. Ihrem Wunsche gemäß sende ich Ihnen einen specicllen Bericht über den zu Jnowraelaw sich gebildeten „Iluterstützungsverein." Den Inhalt entnehme ich ans der vom Institut veröffentlichten Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben.^ Der rege Wohlthätigkeitssinn der jüdischen Gemeinde zu Jnowraelaw hat sich bei allen Gelegenheiten, wo es galt, der leidenden Menschheit zu Hilfe zn kommen, stets thätig und aufopfernd erwiesen; es bedurfte daher nur einer Aufmunterung, diesen edlen Sinn der Menschenliebe aufs Nene zu bethätigen, als sich circa 150 Mitglieder sogleich, eifrig bestrebten, derselben nach ihren Kräften zu entsprechen. Es handelte sich aber im Allgemeinen nicht allein darum, die reichen Spenden des Beitragenden in Empfang zu nehmen und gewissenhaft zu verwalten, sondern auch die eigentlichen Bedürfuiffe der Nothleidenden gewissenhaft zu ermitteln Lind demzufolge die gesammten Beiträgt zweckmäßig 311 verwenden.— Es bildete sich daher am 25. Deeember 1845 ein Vereill unter dem Namen: Armen- und Kr a n k e n - U n t e r st ü tz u n gs - Instit u t, dessen HanpL- Augenmerk es war, das Herumgehen der Bettler in den Häusern und Straßen abzuschaffen, und denjenigen Armen, deren Stand und Verhältnisse einer besonder» Schonung ihres Ehrgefühls bedurften, auf eine angemessene Weise.zu Hilfe zu kommen. —. Die Wirksamkeit dieses Vereins hat sich nun durch Abstellung der Straßen-Bettelei hinreichend bestätigt, und sind die Thrcmm mancher Nothleidenden, die ihr Elend der Welt prnszugeben sich scheuten, im Stillen getrocknet worden. — Die Einnahme pro 184'7 sind: I. Jährliche Beiträge der 157 Instituts-Mitglieder 1027 Tblr. 25 Sgr. II. Freiwillige Gaben (Gelübden) 208 Thlr. 9 Sgr. III. Anßerordeiüliche Ginn ahnten 41 Thlr. 14 Sgr. 8 Pf.. Summa aller Einnahmen 1277 Thlr. 18 Sgr. 8 Pf. Die Ausgaben pro' 1846 sind: I. Ordentliche Unterstützungen an circa 60 Arme und hilfsbedürftige Kranke *) 698 Thlr 7' Sgr. 6 Pf. II. Außerordentliche Unterstützungen 368 Thlr. 16 Sgr. III. Diverse Ausgabeir 35 Thlr. 26 Sgr. Summa aller Ausgaben 1093 Thlr. 19 Sgr. 6 Pf. Mithin bleibt Bestand 183 Thlr. 29 Sgr. 2 Pf. Indem wir auf die Vortrefflichkeit dieses Vereins die geehrten Leser d. O. aufmerksam machen, wünschen wir daß viele Gemeinden, in denen die Straßen-Bettelei auf das Unverschämteste getrieben wird, dem Beispiele Jnolvractaw's folgen und ähnliche Vereine ins Leben rufen möchten. Die Synagogen - Gemeinde zu Bromberg soll ernstlich damit umgehen, einen akademisch gebildeten Rabbiner zu §ngagiren; wie verlautet sollte Dr. Hirschfeld, Rabbiner zu' W ollste in , der bereits mehrere. Mal in B. gepredigt, die Rabbiner- und Predigerstelle in B. erhalten (S. Orient Nr. 41 d. I.). Allein der Umstand/daß Dr. H. in Bromberg geboren, scheint feiner Jllstattirur^g daselbst Eintrag zu thnn. (Ein Prophet gilt nicht im Vaterlande!) — Die Anstellung eines Rabbiners wäre für Bromberg das geeignetste Mittel, die geistigen Elemente der dortigen Gemeinde, den Gottesdienst und den Jugenduntnricht zu fördern. Ersterer ist noch vom alten Ritus; es ist jedoch der Wunsch nach einem zeitgemäßen Gottesdienste bei einem großen Theile der Gemeinde rege geworden. — Eine jüdische Gemeindeschule ist in B. nicht vorhanden; die jüdischen Kinder besuchen die dortige Stadtschule, und werden von Privat-Personen im Hebräischen unterrichtet. Da nach tz 62 des Gesetzes vom 23. Juli a. c. jede Syuagogengemeinde verbunden ist, für den Religionsunterricht der jüdischen Kinder Sorge zu tragen, so wird hoffentlich die Gemeinde zu B. 'rücht die letzte sein, welche Vieser höchst wichtigen Pflicht Nachkommen wird. — Die Berliner Zeitungshalle vom 20. dieses Monats bringt folgende Nachrichten, die auch für die Leser ihres geschätzten' Blattes von Interesse sein dürften. — Auf de: in Soest abgehaltenen fünften westphälischen Provinciäl - Synode wurde in der Sitzung vom 8. d. folgender Antrag mit 37 Stimmen zum Beschluß erhoben: „Die Synode spricht ihre Freude und ihren Dank aus, daß des Königs Majestät der Propo- *) Medikamente im Betrage von 87 Thlrn. wurden aus der Koporations-Kaffe bezahlt.