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Der Orient · 1847-11-05 · Heft 45 (5.11.1847) · p. Seite 355

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 45 (5.11.1847)
Date
1847-11-05
Page
Seite 355 (sequence 5)
Language
German
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— 355 - fug, der dem Feste beiwehnte, das Wort.. Irr einer kurzer aber kräftigen Rede hob er die Tendenz des Vereins anerkennend hervor, ermunterte die. Mitglieder, in ihren: Eifer für die gute Sache nicht zu erkalten ttnb schloß endlich mit einem Sr. Majestät dein.geliebten Landesvater dargcbrachten Hoch, in das die Versammlung mit lautem Jubel cinstimmte. Hieran reiheten sich einige herzliche Worte des Hrn.Dr. Mankewicz, der dem Vereine dauernden Bestand und gedeihlichen Fortgang wünschte und demselben seine bereitwilligste Unterstützung verhieß. Nun folgten mehrere Toaste, von denen wir hier einen von nnserm Lehrer Hrn. Golliner ganz besonders hervorheben; er lautete ungefähr wie folgt: „Wenn dieses Fest,. das der Gründung einer Association in der edelsten Bedeutung des Wortes gewidmet ist, in der Brust aller Anwesenden die lebhaftesten Sympathien wecken muß, so müssen diese ^Sympathien einen Üesondern kräftigen Wiederhall im Herzen derer finden , deren Berns in gar näher Beziehung zur Tendenz Ihres Vereins steht. ■— Wessen Berns steht aber zur Tendenz ihres Vereins in näherer Beziehung als. der des Jngenderziehers?— Denn wenn Sie sich die Wartung des leidenden Körpers zur heiligen Pflicht gemacht, so haben wir ja die Pflege des jugendlichen Geistes zu'unserem Lebensbernf gewählt. Wenn Sie es sich nun mit Mund und Herz gelobt haben., das schwer Erworbene freudig herzugeben und alle Beschwerden, welche mit einer sorgfältigen Krankenpflege verknüpft sind, ulit edler Hingebung zu ertragen, um hier durch stärkende Labung die schwindenden Kräfte eines Daniedertiegenden,; dort durch trostreichen Beistand den gesunkener: Muth! eines an feinem Aufkommen Verzweifelnden zu beleben, - so sollen ja wir unablässig mit Hintansetzung personlicher Vorthcile danach Proben , bald die schlummernden Kräfte des jugendlichen Geistes zu Wecker:, bald die tm Auskeimen begriffenen Triebe des kindlichen Gemnthes zu veredeln mW einer gedeihlichen Entwickelung immer naher zil bringen. Wie Sie endlich für die gebrachten Opfer keinen höheren Preis wünschen und wünschen können, als eben die Erreichung des Ihnen gesteckten Zie- : les — des Zieles der bekiunlnerten Gattin den wiederhcrgestellten Gatten, der hilflosen Familie die neu gekräiftigte Stütze und der bürgerlichen Gesellschaft ein thätiges Mitglied wiederzugeben, so findet atlch der Jllgenderzieh er den süßesten Lohn für die Mnhsale seines Amtes nur in der glücklichen Lösung seiner Ausgabe •— der Aufgabe, den Ettern ein pflichtgetrenes Kind, der Gemeinde einen gottgefälligen Israeliten und dem Staate einen gesinnlmgstüchtigen Bürger heranznbilden. — Wie daher Seele und Körper ut steter Wechselwirkung stehen, so mögen sich auch unsere Erziehungsanstalt und der Krankenverpflegungsverein aufs heilsamste beeinflußen. Möge dieses ein Mittelpunkt werden zur Würdigung eines geregelten, votkSthümtichm Jngenduntcrrichts unb die Schule selbst möge in den Mitgliedern Ihres Vereins die eifrigsten Verfechter ihrer Interessen finden. Unser Bestreben hinwiederum sei es, dem Kinde das ihm schon inne wohnende Gefühl der Thcilnahme an den Leiden Anderer zu immer klarerem Bewußtsein zu bringen und durch eine ungekünstelte, naturgemäße Herzcnsansbildnng überhaupt einen ergiebigen Boden echt > humaner Gesinnungen vorznberciten, um. Ihnen so in der herameifendcn Jugerid ein der Aufnahme ui Ihrem Verein würdiges Geschlecht zu erziehen. — Ich schlage nun fcinit meine Herren einen Toast auf das kotlegialisch»: Verhältnis; zwischen den Krankcnverpftegrmgsverein und der Schule l?or und bringe zunächst den Vorstehern beider Institute em kräftiges, in. unseren Herzen nie verhaltendes Hoch. — Auch an hitmoristischen Toasten, die in Neimen eximxi'ovlso ausgebrachi wurden, fehlte es nicht und es war überhaupt citt Geist des reinsten Frohsinns gepaart mit wahrhaft brüderlicher Innigkeit, der die ganze Gesellschaft beherrschte, so daß es wohl Jeder nach Beendigung des Festes lebhaft empfand, daß unsere rTbn sich schon -bei ihrer erstell Manifestation als mib NETttS im eigentlichen Sillne des Wortes erwiesen habe. Worms, 15. Oktbr. Verflossenen Samstag fand dahier daS erste öffentliche Konzert der seit kurzer Zeit unter der Leitung des Hrn. Eantor E. Grün dahier bestehenden israelitischen Gesangvereins Statt. Mau hatte hierbei Gelegenheit, die Talente des Leiters sowohl, als die der Mitglieder dieses jungen Vereins anznerken-- nen; deml die verschiedenen Gesangstücke wurden mit Präcision und Gefühl vorgetragen. Sehr beifällig wurde ein von Hrn. Ccmtor Grün keruponirter Chor mit Solopartie ausgenommen, wie mau denn überhaupt diesem Manne das Lob zuerkennen muß, daß er aus den größtenteils nicht musikalisch gebildeten Gliedern deS Vereins in kurzer Zeit tüchtige Sänger herangebildet ttnb damit ein Institut in's Leben gerufen hat, mit dem einem Zeitbedürsmfse abgeholsen 'und unserer Jugend Gelegenheit gegeben ist, uns recht oft heitere Abende bei eigeller Bildung zlt verschaffen. Mögen deshalb derartige Abendnntorhaltullgell sich recht oft erneuern urld Hrn. Grün von Seitelt des Publikums in seinem schwierigen llnternehmoit bercitlvillig Hand geboten werden!;£Mbenlnmv 17. Oktbr. Schon im Jahre 1845 haben sich die bedeutendsten Judeugemeiiiden des Herzogthums Oldenburg mit einem Gesuch um bürgerliche Gleichstellung mit den Christen an den Groß Herzog gewendet. Man Hut nicht gehört, daß in der Sache etwas geschehen sei. Vor Klrrzem hat mm die JndengelneLnde in der Nesidenz, wohl wissend, daß häufig ans der Vkitte der Gemeindercpräsentauteu der Widerstand gegen die Emaneipation seine Kraft entnehme,/- sich, an der: 45 *

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