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Der Orient · 1847-11-05 · Heft 45 (5.11.1847) · p. Seite 354

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 45 (5.11.1847)
Date
1847-11-05
Page
Seite 354 (sequence 3)
Language
German
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— 354 zu nnserm Nachtheil geübt wird , eine bloße Frage der Majorität oder Minorität sei u. s. w.^ Eine solche Petition haben gewiß die Meisten nur dem Triebe einer vermeintlicher: Pietät folgend unterzeichnet. Die Gerechtigkeit und die gesunde Vernunft, die aber bürgerliche und Gewisseuöfreiheit wollen, fordern ein entgegengesetztes Verfahre»: rrr»d »vürden ungefähr zu folgender Petition führen: „Wir Anterzeichnete, die unfers Glaubens wegen bürgerlich im Nachtheil stehe», erkennen zu tief den Werth der Gewissensfreiheit, um Andere wegen des Glaubens bürgerlich benachtheiligen zu wollen. Wir ersuchen daher einen wohllobl. Vorstand, die jüdische Negistratur dahin anzuweisen, „zu thurr was ihres Amtes ist", und einen Knaben, der von jüdischen Eltern geboren ist. Ln die Geburtsliste einzureglstrirerr. Die Ahndung dessen, was am Ceremoniell nach der Geburt des Knaben verschuldet worden, ersuchen wir Sie einer geistlicheren Behörde als der Registratur zu überlassen." m. R. Nackel (au der Netze), im Oktbr. (Verspätet.) Den 2. v. M. als am verflossenen 'm^y fand hier eine Feier zur Gründung eines Krauken-Verpflegnngö-Vereins ND“»E} D^in ~))p2 «Ton statt, der nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge zu den schönster: Erwartungen berechtigt. Das Fest nahm um Zllhr Nachmittag in einem geräumigen Lokal seinen Anfang, und wurde 'die Feier von den: Vorsteher dieser Gesellschaft mit Vorlesung folgender Einleitungsworte und beigefngter Statuten eröffnet. „Unter den vielen Unfällen, denen der Mensch hienieden unterworfen ist, nirruut wohl nichts unser Mitgefühl so sehr in Anspruch als die körperlichen Leider:, denn so groß auch ein'Mißgeschick, das uns begegnet sein mag, so schmerzlich nnS ein Verlust, den wir erleiden, berühren mag; — so lange wir in der Fülle unserer Gesundheit ausgerüstet dastehen, könricr: wir auch der Hoffnung Raum geben, das Mißgeschick abznwenlen, für der: erlittener: Verlust uns Ersatz zu verschaffen. Önv.jfl der Verlust urrersttzlich, das Mißgeschick unabwendbar, .so werderr wir doch, von ungestörter Körperkraft unterstn^, auch Seelenkraft gerrug besitzen, das Unabwendbare mit^Ergebung zu ertragen und das Unersetzliche im Gewühstdes Lebens der Vergessenheit anheim zu geben. Wenn der Mensch aber von körperlicher: Leiden heimgesncht wird, wenn Siechthum ihn aufs Krankenlager wirst ur:d er sich vom muntern Treiben der geselligen Außenwelt abgcschnitter: sieht, wenn die immer mehr abnehmende Kraft des Körpers, eine immer größere Geistesschwäche nach sich zieht und dem Menschen -auch die Fähigkeit sich -über seine Leider: zu erheb er: raubt, dann Haben wir wohl mit Recht in den: Verlust der Gesundheit den Verlust des kostbarster: aller Erdengntcr zn beklagen. Denken wir uns aber zu den körperlicher: Leider: häusliche Dürftigkeit, die bereits vorhanden ober doch leicht ctntreter: kann, hinzu, so wird sich vor unseren Blicken ein noch düstereres, ein noch herzergreifenderes Bild entfalten, und ünS dringender als irgendwo die hohe Menscheupfticht aus Herz legen, den Leidender: Trost, den Dürftiger: Hilfe und den Kraftloser: Erquickung zu bringen. —- ' Durch diese und ähnliche Betraehtrrngen fühlten sich mehrere der Unterzeichneten Mirglieder angeregt, einen Verein ins Dasein zu rufen, der zur Milderung der bei Kraukheitsfätlen eintretendcu Uebel beitragen sollte. Der Plan wurde der: hiesigen Einwohnern jüdischen Glaubens mrtgetheitt und da er bei einer bedeuter:de»: Anzahl derselben Anklang fand, so wurde zur Koirftitnirnng eines Vereins geschritten, und zunächst Statuten für denselben entworfen, die wir der: hoher»: Behörden zur Genehmigung vorlegten. — Wie aber das Gute sich überall erst seiner: Weg erringen muß, so hatten auch wir mit nrarvügfachen Hindernissen, welche sich der Ausführung unseres Werkes entgcgcnstellten, zrr kärnpsen. Allein :»n Bewußtsein, daß wir nur vom Gefühle reiner Menschenliebe geleitet werden, (was wir auch im Angesicht der ganzen Versammlung feierlichst geloben,) verfochten wir unser wohtbegründetes Recht mit. Eifer, Ausdauer und Nachdruck, und empfingen auch aus dm Händen des Wohllöbl. Magistrats am 8. Sptbr. c. mit der amtlichen Genehmigung die Statuten zurück.— (Hier folgte die wörtliche Vorlesung der Statuten.) Durch diese nun geger: äußere willkürliche Ereignisse geschützt, gestalten sich auch die irrnem Verhältnisse »ruseres Vereins immer günstiger, denn es ist nicht blos die Zahl der Mitglieder, welche sich gegenwärtig aus eiren 50 beläuft, in stetem Zunehmer: begriffen, auch der Fond der durch das Eintrittsgeld der Mitglieder bis zu der Suurrne vor: 150 Thlr. heranwnchs, ist durch die Freigebigkeit des Kaufmanns Hrn. G. A. Jtzig Hierselbst um esi: Kapital von 200 Thlr. vermehrt »vorder:, so daß das Gesammtvermögeu sieh auf 350 Thlr. beläuft..— Und so möge der Herr unserm Verein seiner: himmlischen Segen verleihen. Möge er unsere Bemühungen mit dem schönsten Erfolge fronen und die Spende»: rrrildthätiger Menschen zur wahrhaften Linderung menschlicher Leiden verwenden lassen. Möge Freude und Einigkeit aus der Mitte unsers Vereins nie weichen. Möge es de»: Feiirden des Bessern nie gelingen, den Saamen der Zwietracht unter uns zu streue»:, um durch Mißgunst die edlem Triebe die uns jetzt beseelen zu ersticken. Möge vielmehr die Verbrüderung, die uns diesmal durch gleiche Gefühle vereint, uns iminer fester umschlingen, ans daß die Lauterkeit urrsere Bestrebungen iminer klarer an der: Tag treten und die heilbringender: Folger: unseres Vereins von Jedermann immer »rrehr erkannt Werder:. „Hieraus nahm unser Hr. Bürgermeister Kaul-

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