Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-10-29 · 44 (29.10.1847) · p. Spalte 695-696

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
44 (29.10.1847)
Date
1847-10-29
Page
Spalte 695-696 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8555529-9890729-9890759--5184-3533614
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

696 S. L. Rapaport in Prag und seine neueste M Lhätigkeit 695 mit dieser lieblichen Redensart, nachdem er sie ins Hebräische umgehandelt,die Rabbiner-Versammlung und die Reformgenoffenschaft-,, und ich habe gegen diese Widerlegungsweift gar nichts, wenn sie eine kleine Abwechselung in die Polemik bringt-. Wie ich höre, hat dem Prager Oberjuristen , der sich viele Mühe giebt, die Stelle eines Rabbi Jecheskel Landau nach galizischer Methode auszufüllen, das Kösliner Rabbinat, unter dem Vorsitze des Oberjuristen Rabbi I o l o w i'e'z, eine Dankadresse dafür zugedacht, daß er in so ergötzlicher Weift/der Rabbiner-Versammlung nützlich wird. Vermuthlich wirh der hochgefeierte Historiker der Reformgenoffen, der bekanntlich als Prediger wegen seines Quellenstudiums verkannt wurde, ihm einen Stahlstich weihen, da Hr. Rapaport es in der Lhat um die Reformgenoffen verdient. Das Letztere scheint mir fast gewiß zu seist z denn als der Editor zum Oberjuristen der Reform-Gemeinde, zu Rabbi Sam. Holdheim gekommen und er den schönen Liebeserguß für die Reformgenoffen gelesen , so hat er ihm ein recht schönes Zeugniß ausgestellt, damit der arme Ahaswer diesen Erguß recht verbreite. Dieser Liebeserguß Lautet r „A u s a U' dem wissen wir die Zukunft jener Ketzer und Misse thater (pymmr nnhN); l)ie Namen, mit denen sie sich belegen, wird sein zum Entsetzen; sie nennen sich Genos senschaft mmtyüottiyi nrarntb}, aber es ist eine Genossenschaft von Verbrechern (on sin Hz-D rfnn). — — Das sollt ihr euch merken, ihr die ihr Gott und sein Gesetz vergessen; er wird zerr eissen ohne Schonung und alle Feinde Gottes werden au sge rotte (werden". Diesen schönen galizischen Gruß schlage ich Hrn. Henoch vor, als Motto bei seinem Zions- Wächter zu gebrauchen/und Leimech's 77 D'jotP sollten diesen schönen Spruch in eine Fahne sticken lassen, und sie dann dem Hm. Oberjuristen Rabbi Rapaport m Prag überreichen. III. Weiche von mir, Bruder Iocus, mit deinem kichernden Spotte und deiner lachenden Wahrsagereiz.ich bin Ehrenmitglied der -Theologen - Versammlung, und die Theologie muß das Gesicht in ernste Falten legen, wie auch die Thorheiten zur Ironie mahn-en mögen. Hörst du nicht, lachender Gesell, wie Rapaport in scheinheiliger Begeisterung sich mit einem Heiligenschein emrahmt und den armen Propheten ihre Zornesworte wegstiehlt, um über die QNV der Reformgenoffen und über das QZ) der Rabbiner-Versammlung ein xb w- DW auszuschütten? Wo ich Worte der Propheten höre, jene erhabenen ernsten Donnerruse des Himmels, und selbst wenn die Heuchelei und der Egoismus sie zu niedrigem Zwecke nachäfft, kann und mag ich nicht scherzen; da darf man nur mit dem einfachen ernsten Worte der Wahrheit entgegentreten. Rapaport exkommunicirt alle deutsche Juden, die in deutscher Sprache schreiben , er spricht den Fluch über die Rabbiner- Versammlung, die Verdammung über die Reformgenoffen, und der Zionswächter wird in den Bann gethan, weil er nicht hebräisch schreibt. Dieser Zelotismus wäre wahrhaft erhaben, wenn er ernst und in einer innern Ueberzeuguns begründet wäre. Er ist es aber nicht. Hr. Rapaport ist ein Feind der deutschen Sprache und schimpft auf Alle, die nicht hebräisch schreiben, weil er nur in hebräischer Sprache schreiben kann und. ihm die Sprache Deutschlands fremd ist. Er empfindet es schmerzlich, daß die deutsche Sprache ihm im Umgang fremd ist, daß er sie in den allergewöhnlichsten schriftlichen Mittheilüngcn nicht anwenden kann; er empfindet es tief, daß er gegen seine eigene Neigung weder in der Diskussion des Tages, noch in der Wissenschaft irgendwie mit dem Hebräischen einen Leserkreis sich verschaffen kann, und er schüttet seinen Zorn über alle Deutsch schreibende aus, selbst seine Freunde, Zunz'und Sachs, nicht schonend. Aber wer kann dafür, daß er noch in dem jüdischen Jargon rWTI halten muß, daß er seine Polemik gegen die Rabbiner-Versammlung hebräisch führen muß? Hr. Rapaport kämpft mit polnischem Zelotismus gegen die. Rabbiner der R.V., er tritt als Anwalt der versteinerten Orthodoxie auf; aber wie kann er verlangen, daß man seinen Zeloti-smus als j Ausfluß der Ehrlichkeit hinnehmen soll, da alle Welt weiß, daß er i früher anders gedacht und gelebt, daß er früher recht froh war, daß Geiger ihn als Mitarbeiter und Freund zu Gnaden annahm? Die Orthodoxie ist gewiß dasjenige, .was man. ihm am Allerwenigsten zutrauet und dieses Mißtrauen ist auch der hauptsächlichste Grund, warum die Wächter in Zion ihn in ihre Innung nicht aufnehmen. Hr. Rapaport verflucht die Resormgenoffen, aber er weiß sehr gut und muß es wissen, daß Flüche nicht widertegiM, daß die Reformer zu seinen Anathemen nur lachen,--und schon aus Klugheit' sollte er dergleichen lieber .unterlassen. Und wo -schüttet Hr. Rapaport seine Galle aus? In Vorreden zu Büchern, die mit diesen Gegenständen nicht die entfernteste Beziehung haben, in Werken, woman blos seine antiquarischen Ansichten verlangt! Ich will nun zu seinen mit . polnischen Kniffen geführten sogenannten wissenschaftlichen Polemiken übergehen. iv. " . Hr. Rapaport hat sich durcheinige Biographien berühmter Männer der jüdischen Literaturgeschichte einen Namen erworben; angeregt von I o st und Zu n z, denen er Alles verdankt, traten diese Biographien zu einer Zeit auf, in der die jungen jüdischen Gelehrten mit übersprudelndem Eifer nach einer historischen Erforschung des jüd. Mittelalters sich sehnten und danach strebten. Diese Jugend, die sich damals noch keine Zeit genommen, in Juchasin, Kor§ Ha-Dorot, Seder Ha-Dorot, .Sifte Jeschenttn, Schem Ha-Gedolim u. s. w. zu blicken, überschätzte die Rapaport'sche Biographien,was sie jetzt elnsieht, da noch nichts durch dieselben gefördert ist. In der Lhat,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.