Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 44 (29.10.1847)
- Date
- 1847-10-29
- Page
- Spalte 693-694 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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698 694 Beitrag zum Verständniß Fleisches,-ste wandern kaum daß zehn in Händen der bleiben - Das ist der Text, treu aus dem Leben übersetzt. Nun.der pi^n. Die deutsche Ehrlichkeit würde aus diesem Texte folgenden machen: Die hebräische Literatur, namentlich in ihrem kasuistischen Theile, hat kein natürliches Leben mehr bei den Luden; Keiner hat das Bedürfniß nach solchen Büchern, weder der Rabbine noch der Nichtrabbine, und wenn hie und da ein jüdischer Bibliophile oder ein hebräischer Antiquarius ein solches Buch nicht zurückweist, so beweist dies nichts gegen diese Behauptung. Dieser Zustand ist nicht, wie verschmitzte Potaken gern uns vorspiegeln möchten, ein isolirter und auf Deutschland beschränkter, sondern ein allgemeiner; in Holland, Belgien, Frankreich, England, Italien und sogar in Galizien und Rußland, diesem Eldorado des scholastischen Schmutzes, verlangt man diese Bücher nicht mehr, und wenn man schon nach hebräischen -Schriften greift, so geschieht es nur nach solchen, die gleichsam der modernen Richtung oder dem Kampfe angehören. Während von -tausend Exemplare ohne Schnorrer verkauft werden, vermögen die Schnorrer die sogenannten nmETI nirgend anzubringcn; der Eine sagt, er halte lieber das unbedruckte Papier gewünscht, der Andere meint, eine .Vorrede von Jolowirz wäre ihm lieber gewesen, und wenn sich Einer findet, der dem Armen , da er auch leicht weinen kann, ein Almosen giebt, so denkt er nicht im Entferntesten an Hans-Jörgel's Geonün oder an Rapaport's polnische Kniffe, am allerwenigsten an Literatur, an das aufgeraffte Stichwort aller Polaken. Dieser Zustand ist nun einmal da, und läßt sich ebensowenig wegdemonstriren, crls die Plage der polnischen Bettler, und die Frage ist nur, ob dieses als Mißstand, als Nebel anzusehen ist. Der ehrliche Mann muß sagen: nein. Die kasuistische Literatur hat lange genug die Geister der Juden verfinstert, ihr Leben verkümmert, sie ihren Zeitgenossen fern gehalten; diese Klaffe von Schriften hat an dem Unglücke der Juden viele Jahrhunderte gearbeitet und es kann kein Unglück sein, wenn die Juden diese "zurückstoßen. Zu keiner Zeit gerade war das Interesse für das jüdische Alterthum, für unsere Vergangenheit so rege als jetzt; zu keiner Zeit sind solche gediegene und ausgezeichnete historische und historisch-antiquarische Werke im Judcnthum erschienen als jetzt, und daß diese in unserer Muttersprache erschienen, .ist gewiß kein Unglück, und es ist nicht unsere Schuld, wenn die Polaken sie nicht verstehen. Sa adja's Emunot we-Decht, der Kusari von Jehuda Ha-Lewi, der More Nebuchim von Maimünk, die Geom'm Samuel b. Ehofni und Saadja, R. Che'fez und R. Nissim, Jona b.' G'annah und Chajjug', Jbn Koreisch und. Jbn Bal'am, kurz alles Schöne und Edle, was die jüdische Literatur besitzt, in Philosophie, Medicin, Astronomie, Mathematik, Grammatik, Lexikographie, Exegese, Morallehre, ja selbst die Kommentare zu den Talmuden,'die nn&n -ntrin, Me noit^ni .nbaw u. s. », sind in den «andessprachen geschrieben, und wenn eine spätere Zeit bei den des Scheriea'schen Briefes. 'Wanderungen Israels denselben Uebersetzcr verschaffte, so hoffen wir, daß die Wanderungen aufhören und Übersetzungen nicht mehr nöthig sein werden; und sollte Gott fernereWanderungen verhängen, so wird er gewiß auch neue Taboniven erstehen lassen, um die herrlichen Schöpfungen deutscher Juden zu übertragen. Nun möge der Leser den polnischen p^n Rapaports hören; er ist durch und durch eine Lüge, aber er ergötzt wie die D'pibn des 16. Jahrhunderts durch seine-Extravaganz, und ich will daher mich so ziemlich an die Worte halten. „Der Orthodoxe muß sich jetzt freuen', daß er Rache schauet. Rache trifft dem Geist der Lüge, den Propheten des Betruges (Geiger, Stein, Holdheim u. s. w.), welche sich durchaus mit der Gegenwart befassen wollen. Die rrD?£T! über nn^D über u. s. w. legen Zeugniß ab, daß die Gegenwart gar nichts ist; ausgerottet sind die, welche an die Jetztzeit Gefallen haben und die Lust daran empfinden sind nicht mehr! Während jene Verderber (DTlWDH ni?N) glauben, daß sie alle rabbinische Literatur weggeräumt, sehen wir die alten Werke emporschießen und eine neue Jugend durchleben; seht nur wie die von den Schnorrern ausgebotenen Schriften wie des Himmels Glanz feuchten und Alles erhellen, Tausende von talmudischen Schriften über und cpftlD erstehen und verbreiten Licht über alle Gemeinden der Welt; die Handschriften treten aus ihrem Dunkel und predigen Weisheit, Aufklärung u. s. w. Und die hebräische Sprache ist wieder auferftanden, man schreibt in ihr die' Forschungen über das jüdische Alterthum, zum Trotze derjenigen, die in einer andern Sprache schreiben (als Zunz, Jost, Munk, Frankel); das Hebräische ist die gesuchte und geliebte Sprache bei jedem Juden und nur die in ihr schreiben haben Prosit! Freilich kommen Manche (wie Zunz, Sachs, Frankel, Geiger u. 11.) unb suchen es deutsch wiederzugeben, ja diese Herren stehlen es aus den hebräischen Schriften und verschweigen die ersten Erfinder, ader die Wahrheit wird leicht erkannt, denn ganz Israel, jeder Israelit liest nur hebräisch"! Nun, lieber Leser, das ist ungefähr der p^n Rapaports; die Schnorrer führen, nach seiner Ansicht, das goldene Zeitalter herbei, in. welchem jeder Jude, angethan mit Schubeze und Strcimel nur eine wundersame Mauschelsprache spricht, und der Herr Oberjurist geht mit diesem goldnen Beispiele voran! Es sage einmal Einer, daß dieser py?n an Verrücktheit und Wahnsinn, an Bornircheit und Schlechtigkeit den Epp^fi des J6. Jahrhunderts nach stehe! Es. ist freilich nicht zu leugnen, daß das Schreiben in hebräischer Sprache einen großen Vortheil bieter. In keiner lebenden Sprache dürfte man wagen, solche Verkehrtheiten und Dummheiten, solchen Unsinn und solche Albernheiten, solche Verhöhnungen auf die Logik, auf den gesunden Menschenverstand zu schreiben, als im Hebräischen, das Keiner liest, und wenn er es liest, nicht beachtet. Hr. Rapaport liefert auch hierin ein Muster« Schon im gewöhnlichen Leben widerlegt der Polak seinen Gegner mit der obenerwähnten, wenn auch burlesken, doch klassischen Formel; Hr. Rapaport widerlegt 44*