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Der Orient · 1847-10-29 · Heft 44 (29.10.1847) · p. Seite 347

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 44 (29.10.1847)
Date
1847-10-29
Page
Seite 347 (sequence 5)
Language
German
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- 347 - Frankfurt a. M., 14. -OÄbr.' (Hanauer Z.) Dem über Jtldenartgelegenheiten sprechenden Correspondenzartiket in Nr. 275 der „DidaSkalia" ist in Ne. 285 desselben Blattes ein würdiges Seitenstnck gefelgt; zeichnete jener sich ans durch Tölpelhaftigkeit, so thut es dieser durch Selbstüberhebung. Beide stimmen indeß darin überein, daß sie nur hehle Phrasen, mit süßlichen seinen müstigm Stunden, etwa bei Lage'oder im letzten Viertel, herabgelassen von seinen blauen Höhen, um bei Einem hochlöblichen Stadt- und Kreisgericht Klage darüber zu erheben, daß Jemand behauptet habe, den Herrn Trabanten und zweiten-Beleuchter an einer WirtlMastl speisen gesehen zu haben? Wann hat er je deshalb auf 2000 fl. Schadenersatz angehalten? Goldener Mond, wann hast Du je Deine blassen Strahlen auf den Grabhügel eines Reichen geworfen und sie dem Staube eines etwas minder Begüterten vorenthalten?—- Stiller Mond*, der du durch die Ln der „Disdaskalia" enthaltene ehrenrührige Vergleichung mit einem Wuth und Galle sprühenden Sterblichen, -trotz der ihr vorangehenden bescheidenen Verwahrung, auf das empfindlichste gekränkt und beleidigt bist, sag' an. wirst du wohl an den Hrn. - SenatLkommiffarius der Mondesangttegenheiren schreiben und ihn um seine einflußreiche Verwendung bei der himmlischen Justiz bitten, damit Dir bei Deiner Jujurienklage „eine beruhigende Genugthuung nicht versagt werde", oder wirst du vielmehr gcmz im Stillen"Deine Thränen weinen-ob dem Verfall des Menschengeschlechts? O Dkl. süßes Gestirn, das Du schon so vielen Balsam in verwundete liebende Herzen geträufelt, wirst Du, wenn etwa Deine Magd Dir an einem jüdischen Feiertage ausrichtet, der habe sich geweigert, . für Dich ein Huhn zu schlachten, nicht lieber diesen £rw, besonders wenn er zugleich Dir amt lech subordinirt ist, selbst zur Rede stellen, um zu erfahren, ob nicht hier ein Mißverständnis obwalte, oder wirst Du rs vorziehen, sogleich bei dem himmlischen Gemeindevorstand, eine sehr irdische schriftliche Beschwerde gegen sä nun'Ui d> e ■ h'ürw einzureichen und erst eine Untersuchung zu veronlasien, und am Ende derselben zu erfahren, daß — der Feyler auf Seiten der Magd begangen und die Berge von einer' Maus entbunden worden? Wann ist es Dir je eingefallen, deine Kutte , die man nur schlechtweg Deinen 5?of zu nennen pflegt, für Deinen „Ornat" auszugcben und eine Verletzung des Respekts gegen dieses Kleidungsstück als ein Sakrilegium zu denunciren? Wann bist Du, trautes, mildes Wesen, jemals vor Einem hochlöblichen Polizeigericht mit der Klage aufgetreten, es sei Dir zu Ohren getragen worden, daß ein junger Handwerksgeselle beim Trunk in einem Wirrhshauft sich habe verlauten taffen, er, der Schloffcrgeselle, frage nach Deiner Kutte nicht mehr als nach der Livree eines Bedienten, und man möchte doch besagten Schlossergesellen für dieft und ähnliche „bedrohliche Aeußerurraen" recht tüchtig und sxemplarisch bestrafen, damit Niemand wieder sich eines so gottlosen Frevels schuldig mache!? Bescheidener Mond, wann hast Du wohl Jemandem Dein -.Licht" wider seinen Willen aufgedrungen, wenn er „obskur" genug war, nichts von Dir wissen zu wollen und sich gegen De'ine Strahlen, etwa durch einen Schirm, zu verwehren? Tratst Du etwa beim himmlischen Stadtgericht auf und vindicirtest sein passives Verhalten bei der Lichtausgießung auf ihn als Dein wohlerworbenes „Rechts, in welchem das Gericht Dich schützen möchte r? — rnöDjKl ^nViT]“nu! Ä n m. d. E in f, Gemeinplätzen verziert, enthalten „ ohne auf Thatsachen einzttgehenlvcnu mau cs nicht als Ausnahme lvill gelten lassen,' daß mau in deru, zuletzt erschieueücii Aufsätze das Kirschk'crnwerstn und All spucken nicht mehr der ganzen erihodo.reu Judeuschast > sondern „einem mtzurechnnngSsählZM Greise" zur . Last llegt. 'Auch Dieses ist nicht wahrheitsgetreu, denn aus den uns.vorliegenden, nothigensaM auch mitzutheilcnden, auttlichen Ulkten erhellt, daß der Rabbiner bei dem 'hiesigen Pollzeigerichte Klage darüber angebracht hat, weil der 44jährige Sohn eines hiesigen, als aufgeklärt, anerkannten Juden ihn mit einem Kirschkerne so heftig geworfen habe, „daß der animus injunandi gar nicht zu verkennen gm-esen sei." Es sieht also ganz so aus, wie wenn sich Greis und Knabe in die werkthätigen Ehrfurch tsbezeugnngen getheilt hätten. UebrigeuS spricht das Endnrtheil in. der zuletzt beregten Sache, wonach der junge Mensch wegen mangelnden Beweises freigesprochen wurde, eben nicht zu Gunsten der Genalligke.it des Rabbiners in seinen gerichtlichen oder außergerichtlichen Angaben. Erfreulich ist es zu sehen, wie Herr Stein seiner Lehre „Schmutz mllß man nicht berühren" dadurch uachkommt, daß er von seinem anstößigen Benehmen bei der jüngsthin statt gehabten Beerdigung zlveicr hiesigen Inden gar nicht spricht; auch wir würden uns mit dem rabbinifchen Wesen und Treiben nicht befassen, wenn nicht, wo. Schmutz ist, tüchtig gefegt werden müßte. Leipzig, 18. Oktbr. Die Leipziger Zeitung schreibt: ,,8.e i p z i g , 3. Oktbr. Der hiesige Prediger der jüdischen Gemeinde, Ll. Jellirtek, ein wissenschaftlich gebildeter Mann und ein sehr eifriger und beredter Kanzelredner, hat in der gestrigen Predigt ans eine sehr schöne lind eindringliche Weise ans die Rothwendigkeit der Erbauung eines eigenen Gotteshauses hingewiesen. Seine Werte haben tun fgj mehr einen tiefen Anklang gefunden, da eine so große HandetsstadL wie' Leipzig, wo so viele jüdische Familien leben und eine große Menge Bekenner dieses Glaubens zur Meßzeit herbeiströmen , das Bedürsniß einer eigenen Synagoge schon längst sehr gefühlt hat, indem die jetzige Lokalität zur Ausübung des Kultus in der That viel ztt wünschen übrig läßt. Wir zweifeln nicht, daß. die hiesigen reichen und wohlhabenden' jüdischen Familien, unter Benutzung von Beiträgen von Fremden, keilte Opfer scheuen werden, diese schöne'Jdec ins Werk zu setzen, da religiöses Bedürfnis und religiöser Sinn zeit der Anstellung dieses eifrigen jungen KanZelredners leben-- diger als je ins Leben gerufen sind. Eine Synagoge würde unserer Stadt gewiß zur Zierde gereichen." - Wir muffen diesem Artikel einige berichtigende und erläuternde. Worte ' hinzu fügen. Hr. Je l l i ne k, der allerdings ein sehr glückliches Rcduertalont besitzt und die Zuhörer durch dm Strom der'Rede , die Fülle der 44*

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