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Der Orient · 1847-10-22 · Heft 43 (22.10.1847) · p. Seite 340

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 43 (22.10.1847)
Date
1847-10-22
Page
Seite 340 (sequence 7)
Language
German
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— 340 - D e st e r r e r ch. Prerg, 10. Oktbr. Vor Kurzem fand hier eine General-Versammlung des bereits genehmigten Vereins zur Beförderung von Ackerbau und Handwerker unter den Juden Böhmens statt. Man hatte diesmal den. Takt, den Predtger Dr. Kämpf und den Rabbiner Rapaport einzuladen, die auch beide erschienen waren, aber neben diesem Takte war auch die Taktlosigkeit die übrigen Oberjuristen, Hrn. Samuel F r e u n d und Hrn. Teveles, nicht einzuladen. Eine Gesellschaft oder cm Verein, der ein so edles und die Veredelung" Förderndes.'Ziel vor Augen hat, sollte nicht in einer so kleinlichen durch nichts begründeten Zurücksetzung unedel erscheinen, zumal R a p a p ort als Oberjurist keinen andernVorzug vordem übrigen hat, als daß er auch der modernen Gelehrsamkeit huldigt. Es waren bei dieser Versammlung auch viele Rabbiner vom Lande anwesend, unter denen man jedoch die Rabbiner I. Frank und Sal. Sachs sehr ungern vermißte. Ebenso bedauerte man, daß die Herren Martin oves und Mendel nicht anwesend waren. Es sind dies zwei Männer, die gewisscrmaaßen für die natürlichen Vertreter der Landgemeinden, wie man auch über Letzterem in anderer Beziehung denken mag. — Wie sehr die k. k. Regierung auch die Verdienste eines Juden anzuerkennen bereit ist, beweist die Ertheilnng der goldnen Medaille an. den in seinem medicinischen Berufe ergrauten Dr. Med. I. Jeittel es; freilich muß man vorläufig zufrieden sein, daß die Anerkennung sich wenigstens auf solche Weise äußert. — Der Orient hat sich vor Kurzem so warm für die Besoldung des Rabbiner Samuel Freund verwendet, daß wir an ihn oder vielmehr an den Korrespondenten die Frage richten möchten, warum er kein freundliches Wort für den dritten Rabbincn Hrn. Teveles eingelegt? Als Oberjuristen giebt es, wie gesagt, zwischen den drei Oberjuristen keinen Unterschied; ihre Thätigkeit und ihr Wirken oder wenn man will ihr Richtwirken ist sich gleich, über ihre tatinndische Gelehrsamkeit, die einzige, die bei den Obechrristcn in Anschlag gebracht werden kann, wird es wohl Keinem entfallen, diesen oder jenen vorznziehen und vielleicht umgekehrt, wird wohl Keiner behaupten, daß T e v e l e s und F reu n d Hrn. Rapaport nicht überragen, so daß meine Frage um so begründeter erscheinen muß. Um aufHrn. Teveles zu. kommen, so wird wohl jeder Pnrger sagen, daß es kaum einen würdigeren Rabbiner in Böhmen, geschweige, in Prag giebt. Freilich ist Hr. Teve.les nicht, zum Schein, sondern wirklich bescheiden, macht nicht .Zweckbesuche und vermeidet gelehrtes Zeug und Zemach- David-Wissenschaft auszukramen, wie er überhaupt alle jene Künste nicht versteht, wodurch man heute sich den Schein eines großen Geistes giebt, um bei dem Flachkopfe zu imponiren und so etwas durchzusetzen. Man hofft, daß Hr. Landau unser würdiger und in der That unparteiischer Vorsteher, er der,Würdige der Gemeinde, in irgend einer guten Weise es versuchen wird, diese Bevorzugung unter den sonst gleichstehenden Oberjuristen anszugleichen. Möge das Ausland uns nicht vorwerfen, daß wir eine solche Vorliebe für das Fremde haben, die uns gegen die gleichberechtigten Einheimischen unbillig machen. Kollirr, Ende Sptbr. Hier hat ein Auflnuf eigener Art stattgefunden, nämlich ein Auflauf der jüdischen Gesellen, angeblich weit der würdige Rabbiner Hr. Frank gestattet, in dem von ihm erbauten Schulgebäude einen Ball abzuhalten, eigentlich aber nur aus Eifersucht, weil sie von den Veranstaltern des Balles ausgeschlossen wurden. Jndeß hat diese Sache doch dem würdigen Rabbiner vielen Verdruß gemacht, es ist dies gleichsam der Dank, womit man dem Rabbiner, der sich für, seine Gemeinde aufopfert, lohnt. Wie es heißt, soll Hr. Fr an k einen Ruf nach einer bedeutenten Gemeinde , in Ungarn erhalten haben; leistet er diesem Rufe Folge, so würde dies für Böhmen in der That ein Verlust sein. Schwarz-Kostelez, 8. Oktbr. Die Herbst-Prüfung an dem von Hrn. Martin o v es in's Leben gerufene Unterrichts- und Erziehungsanstalt ist auch diesmal wieder sehr glänzend ausgefallen und der Segen, welcher diese Anstalt begleitet ist nicht zu verkennen. Aber je größer die Wichtigkeit, die wir dieser Anstalt beizulegen haben, um so entschiedener müssen wir darauf dringen, daß Zeit und Kräfte der Zöglinge auf eine recht nützliche Weise verwendet werden mögen, und mithin die Aufführung von dramatischm Stücken durch die. Zöglinge wie es mit Vorabend der Prüfung geschehen, lieber hätte wegblciben sollen.' Auch wäre es Hrn. Martinoves sehr zu wünschen, daß er einen wissens ch a f t (i ch g e b i l d e t e n M i t d i c i g e n t e n erhalten möge, da eine gute Praxis und ein richtiger instinktmäßiger Takt allein nicht immer genügte 'Nur in diesem Falle vermögen wir dem Institute einen dauernden Bestand zu prophezeien. Ein Schulgebäude anfzusühren — freilich eine Lebensfrage für die Anstalt, — wird wohl dem energischen Martinoves ohne Zweifel gelingen, wie nur die jüdische Bevölkerung Böhmens erst die Bedeutsamkeit dieser Anstalt gehörig erkennt; aber dann müssen wir auch auf eine pädagogische Auffassung dieser Anstalt dringen. Aus Mähren, 1. Oktbr. Was ein Prager Correspondent vor Kurzem leise angedeittet, scheint schneller in Erfüllung zu gehen, als mau es erwartet. Hr. Hirsch hat mit Bestimmtheit ausgesprochen, daß er es Hrn. Fasset geradezu verbieten werde, in seiner Gemeinde am kommenden Pesach-Feste Hülsenfrüchte u. s. w. genießen zn lassen. Da nach den Begriffen des Jndenthums jedes Verbot eines Rabbi wissenschaftlich begrün-

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