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Der Orient · 1847-10-22 · Heft 43 (22.10.1847) · p. Seite 339

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 43 (22.10.1847)
Date
1847-10-22
Page
Seite 339 (sequence 5)
Language
German
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- 339 - fo oft er gewissen fanatischen Mitgliedern jener Partei begegnet u. s. w. Wir konnten noch mehrere Thatsachen der Art aufuhren, allein diese mögen geil.ugen und die Art und Weise bezeichnen, auf welchem Weg diese Leute die Religion'ihrer Väter zu ehren suchen! Mehrer e h i e s t cj c israel. B ü r g c r Wir haben nicht zu untersuchen, ob obiger Angriff cutf unser Blatt von mehreru israelitischen Bürgern oder nur von einer vielleicht betheitigten Person ausgegangen ist, sondern lediglich zu bemerken, daß Das, was hier gegen uns gesagt worden, auf Unwahrheiten beruht, indem die in der Hanauer Zeitung von einem achtbaren Manne gegen den Herrn Rabbiner Stein mitgetheitlei, THatsachen (Orient Nr. 42) bis jetzt durch Niemand (auch durch das Inserat der ,,Didaska- Hci" nicht) widerlegt worden sind,, obwohl Gelegenheit zu Widerlegungen von uns geboten wird, weil wir keine in den Schranken des Anstandes gehaltene Entgegnung in Angelegenheiten, die persönliche Beziehungen haben, zurückweisen. Sogenannten ^Berichtigungen" aber, die nichts sind als Verdächtigungen und die Thatsachcn ignoriren, während sie Personen verunglimpfen, werden, wir niemals ltub in keiner Sache eine Stelle in msserm Blatte einräumen. Die Redaktion der Hanauer Ztg. Breslau, 11. Oktbr. Die Traditionen der Geschichte mit den Ergebnissen der Vernunft und den unabweisbaren Anforderungen, welche das Leben an jeden Einzelnen stellt, in Einklang zu bringen, das ist die schwierige Aufgabe, welche der Geist des Jahrhunderts dein Juden thum in der Gegenwart gestellt hat. Es gilt dahin zu wirken, daß die Kluft zwischen dem Alten und Neuen ansgefullt werde; aber noch immer herrschen über die Mittel zu diesem Ziele zu gelangen die divergirendsten Ansichten. Während die Einen) obwohl sie täglich Gelegenheit haben, den sich immer mehr vergrößernden Zroispalt-zwischen dem Sonst und Jetzt wahrzunehmen, die Nothwendigkeit jedes Fortschrittes beharrlich in Abrede stellen und durch die Abschaffung der unbedeutendsten Eeremonie das Wesen der Religion gefährdet glauben, brechen die Andern über alle Enimernngen der Vorzeit schonungslos den Stab und treiben emo eitler Reformsucht mit dem Heiligsten frechen Spott. Wie gering 'aber auf. beiden Seiten die Zahl derer ist, welche aus inniger Ueberzeugung, sei es dem Allen, sei cs deru Renen den Vorzug einräumen, das lehrt zur Genüge ein Blick auf den Zustand, in dem sich die meisten Gemeinden in Folge innerer Zerwürfnisse gegen- Ehrenmainie, dessen Leiche er, dem Berichte der „H., Z." zufolge, eine Beleidigung zugcfügt, niemals im Leben auch nur die mindeste Kränkung widerfahren war. Anm. v. Eins. wärtig befinden. Es fehlt zwar nicht an Talenten, welche mit vieler Geschicklichkeit ihren Ansichten Geltung zu verschaffen verstehen, wohl aber an Charaktern, deren Handlungen mit ihren ausgesprochenenen Grundsätzen sn Einklang sind, deren Ueberzengungen den Prüfstein der Erfahrung bestanden haben. Und dieser bedarf es vorzugsweise in einer Zeit, die wir gern als eine Uebergangsepoche bezeichnen möchten, wenn die verschiedenartigen Elemente zu einer positiven Gestaltung zirsammentreffen sollen. Um so schinerzlicher berührt daher unsere Gemeinde der am 28. Sbptembcr erfolgte Tod des König!. Lotterie- Eirinehiners R. S. L ö w eu st e in, eines Mannes, der hinsichtlich seines Charakters allen nach gemeinnütziger Thätigkeit Strebenden als Muster aufgestellt werden kann. Neigung^ Einsicht mit» Beruf vereinigten sich mit einer unabhängigen, socialen Stellung, um ihn zum Vertreter von Gesammtinteressen fähig zu machen. Was er mit Aufopferung au Zeit und Gesundheit lauge Jahre hindurch als Obervorsteher und Mitglied vieler wohlthätigen Gestllschasteu geleistet, verdient um so größere Anerkennung, wenn man die Sehlvierigt'eitcn erwägt/welche ein der öffentlichen Wirksamkeit sich widmender Mann zu überwinden hat, um der großen Mehrzahl der Indifferenten gegenüber sich Geltung zu verschaffen. Die religiösen Ansichten des Verstorbenen mit Rücksicht auf -ihre Nützlichkeit für die Gegenwart zu prüfen, liegt nicht. in unserer Absicht, aber der bewundernswürdigen Konsequenz müssen wir erwähnen, mit der cr einer Ucberzeugnng anhing, deren Geltendmachung besonders seine letzten Lebensjahre in Anspruch nahm. L. gehörte zu den Wenigen, welche das Alte nicht ans Haß gegen das Nene, sondern aus inniger Anhänglichkeit an die Sitten und Gebräuche der Vorfahren lieben. Die religiösen Ceremonicn, in deren Uebnng er das Glück seiner Jugend und Trost in manchen trüben Stunden gefunden, mit denen ihn die Vorsehung nicht verschonte, waren ihm keine bloßen Fermen; er wußte den ihnen zu Grunde liegenden Sinne praktisch zu bewähren. Zahlreiche Beweise von wahrer Wehlthätigkeit, wobei sein einfacher Sinn öffentlichen Prunk verschmähte, legten davon Zeugniß ab, daß seine Frömmigkeit nicht auf Lippendienst, sondern aus thätiger Liebe beruhte. Als Lohn dieser Bestrebungen ward ihm allgemeine Achtung zu The.il und selbst diejenigen, welche durch ihre Anstchten ihm im Leben oft gegenüber stehen mußten, konnten seinem Charakter ihre Anerkennung nie verjagen. Besser, als wir es durch eine Aufzählung seiner zahlreichen, ausgezeichneten Eigenschaften vermöchten, schildert den Verstorbenen das Wort eines englischen Dichters: liim for all in all, he was a man“, ein Ausspruch , mit dessen Anwendung" bei dieser Gelegenheit gewiß Männer aller Parteierl einverstanden sein werden. ‘ Fd. - ' 43* .

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