Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1847)
- Date
- 1847-10-22
- Page
- Seite 338 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 338 - auf Ereb- Jo»n Kippm, Nachmittags 4 Uhr festgesetzt. Da wagte cs endlich Einer energisch dagegen zu protestiren, erklärte die Wahl im Voraus für uugiüig, es half, der Protest ging durch und der Wahltermm wurde verschoben. ■— Da ich gerade von Wahlen spreche, will ich auch nicht unterlassen, die Entscheidung eines Wahlkampfes Jhnell mitzuthcitm, der bei der letzten Ergänzungs-Wahl der Repräsentanten hier Statt fand. Die Orthodoxen Hattert mit aller nur möglichen Macht und durch alle Jutrignen dahin zu arbeiten .gesucht,. Leute ihrer Farbe in's Nepräsentatttcn-Kollegium 51t bringen. Sie mttcrtagett aber der Macht der liberalen Partei, wurden ans km Felde geschlagen, und siegestrunken gingen liberale Gewählte aus dem Kämpfe hervor. B. Frankfurt cr. Wt., 4. Oktbr. Ein in der heute erschienenen „Didaskalia" Nr. 275 befindlicher Korrespondenzartikel bringt uns bittere Klage darüber, daß die „Hattauer Zeitung" öfters Angriffe gegen den hiesigen Rabbiner Stein enthalte, und daß „Berichtigungen gegen diese Verunglimpfungen" in Jhretrt Blatte keine Aufnahnte finden. So weit wir aber die in Ihren Spalten erschienenen, die Zustände der hiesigen Judenschaft besprechenden Aufsätze kennen — und wir glauben ihnen mit einiger Aufmerksamkeit gefolgt zu seilt — sind uns darin keine „Angriffe und-Verunglimpfungen"- gegen Hrn. Stein begegnet; vielmehr zeigt sich uns in allen. der lebhafte Wunsch, diesen Synagogenbeamten unterstützen zu können; hieran war mau freilich bis jetzt verhindert, weil es dem Herrn Rabbiner beliebt hat / statt den Weg des Fortschrittes zu betreten, als zu welchem Zwecke er doch berufen werden, einen andern zu wählen und diese seine Richtung obendrein durch allerhand schönklingende Redensarten so künstlich zu bemänteln, daß gar mancher, mit sich selbst und seinen Begriffen noch nicht ins Klare Gekommene irre geführt worden ist, und sich für höchst ansgeklärt hältwenn er seinem Seelsorger dasjenige in deutschen Floskeln nächspricht, was er'an einem sogenannten Orthodoxen, wenn letzterer cs tu seinem deutsch - hebräischen Jargon oder auch in gutem Hebräisch verbringt, mitleidig belächelt. Um so mehr war es, wie'uns .dünkt, die Pfliehk der Schärferblick'mdeu, das rabbiuifche Getriebe Durchschauenden, dem Publikum im Allgemeinen und besonders den irregeleiteten Inden den wahren Stand der Sache klar ins Licht zu setzen.^ Dieselben Motive , welche der ganzen Handlungsweise des Hrn. »Stein zu. Grunde liegen, haben denn auch die Angabe erzeugt, alle bcregten Aufsätze der Hanauer Zeitung kämen von der orthodoxett Partei der hiesigen Judenschaft 'Her, während jeder nicht vorsätzlich Blinde cinsieht, daß sie nur wahren Fortschritt und wahre Aufklärung bezwecken, und nicht gegen Personen, sondern gegen falsche Richtungen' zn Felde ziehen. Daß Sie wirkliche Berichtigungen nicht zurückweisen, davon hat das Publikum. die mann ich fach sie n Proben; wer aber möchte Ihnen zumnthen, allesleere und schmähende Gewäsche anfznnehmen, was man unter dem Namen von Berichtigungen in Ihr Blatt einfchwärzeu möchte, zumal wenn es in Styl und Geist gehalten ist, wie die Korrespondenz, der wir hier cntgegentreten müssen, und die „zur Ehre der hiesigen Israel.' Gemeinde und um der christlichen Leser willen" mittheilt, der Rabbiner sei mit Kirschenkertten gelvorfen und aitgespukt worden. Wo ist da die Ehre für die Judengenteinde oder den Rabbiner, und wo das Frommen für die christlichen Leser? (Beil. z. Hanauer Zeit.) Hanarr-. 6. Oktbr. (H. Z.) Die „Frankfurter Didaskalia" vom Gestrigen enthält Folgendes: „Frankfurt a. M., 2. Oktbr. Mit der größten Indignation werden von dem aufgeklärten Theile der hiesigen israelitischen Gemeinde die Angriffe gelesen, die leider nur zu oft in. der „Hanauer Zeitung", gegen den allgemein geachteten Hrn. Rabbiner St eilt aufgeuolntnen werden. Berichtigungen gegen solche Verunglimpfungen, die schon oft cingesandt wurdert, nimmt jene Zeitung nie auf. Zur Ehre der hiesigen israet. Gemeinde, und um der christlicheit Leser willen,- seien hiermit nur einige Thatsachen bekannt geinacht, auf welche Weise der große. Th eil der Hiesigelt orthodoxen Jubelt gegen diesen Malta verfährt. Er wurde schon auf der Straße von ihnen (?) mit Kirschkernen geworfen"'), man spllkt ihn an, '/Der geneigte Leser erstaunt, woher „die Orthodoxen" jetzt im Oktober zu den vielen „Kirschkernern" kommen, womit sie Hrn. Stein bombardiren. - Die Sache verhält sich aber auch ganz anders, wie aus dem mir im Äugenblicke vorliegendenAktenfascikel unwidersprcchlich hervorgeht. Nicht „die Orthodoxen" haben Hrn. Stein mit „Kirfchkernern" beworfen, sondern es soll — es war, wie Hr. Stein selbst sich äußerst präcis ausdrückt, .„am 25. Juni 1847, Abends halb 8 Uhr" — 'ein dreizehnjähriger Knabe aus einer übrigens nichts weniger als orthodoxen Familie (wovon ein 'sehr angesehenes Mitglied seit länger als 25 Jahren in der Mischehe mit einer Katholikin lebt) Einen Kirschkern zum Fenster hinaus auf des zweiten Rabbiners höchsteigne Nase geworfen haben. Und es war daraus am 30. ejusü., als der Rabbiner in einem Briefe an einen Senator diesen demüthigst und flehentlichst um Erwirkung einer „beruhigenden Genugtuung" anging, in welchem Briefe die Stelle verkommt: „Die Heftigkeit des Wurfes ließ mich ben aninius injuriandi nicht bezweifeln; um jedoch den Thatbeftand zu konftatiren, verfügte ich mich sogleich in das genannte Haus",)c. Es wurde darauf eine polizeigerichtliche Untersuchung emgelntet, und es war am 28. Juli 1847, als der Junge wegen Mangels an Beweisen freigesprochen ward. Ach ihr Sündeuböcke von Orthodoxen! nun sollt ihr (im Plural) es gewesen sein, , die den zweiten Rabbiner beworfen, und zwar „mit Kirschkernen", im Plural! — Bon der etwas unappetitlichen Spukgeschichte ist mir nichts Näheres bekannt; so viel aber ist gewiß, daß Hrn. Stein von dem