Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1847)
- Date
- 1847-10-15
- Page
- Seite 334 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die herrschende allgemeine Noch hat jedeS Herz betrübt und die Bangigkeit vor der Zukunft jedes Gemüth mit Besorgniß erfüllt. Aber der Herr hat seinen reichen Schatz ausgethan und eine Fülle von Segen strömte auf die Erde. Neues Leben und Gedeihen empfindet die Menschheit und Jamnu'r und Trauer verwandelt sich in Dank und Freude. Non diesen Betrachtungen geleitet und in Erwägung der Netigionsvorschrift , wonach bei jeder empfangenen göttlichen Wohlthat, unserer Anerkennung der allgütigen Forschung mittelst eines Dankgcbets, Ausdruck gegeben werden soll, finden wir uns veranlaßt zu verordnen: daß eine besondere gottesdienstliche Feier wegen des reichen göttlichen Segens des Jahres am 8. Tage des Sukkotfestes (3. Oktober d. I.) in den Synagogen des Landes unmittelbar vor der zweiten Abthcilung des Morgeri-Gottesdienstes (ppiD) nach der hier beigefügten Ordnung Statt finden soll. Die Bezirks-Synagogen werden beauftragt, sowohl sich selbst hiernach zu achten , als für den pünktlichen Vollzug - in den israelitischen Gemeinden ihres Bezirks Sorge zu tragen. , Der Ministeriell-Kommissär Fröhlich. Epstein. Nach Beendigung der ersten Abtheilnng des Morgengottesdienstes nämlich nach Bringung der Tora in die heilige Lade, soll eine angemessene iluterbrechung eintreten und alsdann der Gottesdienst Statt finden-in folgender Ordnung. 1. Vortrag des ersten Verses des 136. Psalms ('n? 'nt> n?n) durch den Vorsänger. Der Gestmgchor wiederholt diesen Vers in der für Beide hier angesügten Intonation. In gleicher Weise werden die Verse 11, 26 und 26 des 136. Psalms von dem Vorsänger vorgetragen und aus jeden dieser Verse von dem Gesangchor der erste VerS des Psalms 136 wiederholt. 2. Feierlicher Vortrag der Psalmen 100, 23 und 65, wechselweise von dem Vorsänger, der Schuljugend und der Gemeinde oder dem Gesangchor in der Art, daß der Vorsänger mit dem erste,: Verse beginnt und die Gemeinde oder der Gesangchor den folgenden spricht. 3. Die beigesilgteu 6 Strophen aus dem Liede Nr. 359 des Königlich Würtembergischen Israelitischen Gesangbuches nach der bezeichneten Melodie gesungen von dem Gesangchor. 4. Vortrag des hier beigcfügten Gebets in-denGemeindm des Rabbinatssttzes von dem Rabbiner und in den übrigen Gemeinden von dem Lehrer. 5. Psalm 150 vorgetragen von dem Gesangchor nach der in der Goltesdienstordnung für das Gebmtsfest Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs enthaltenen Melodie. Wo kein Gesangchor besteht ist dieser Psalm entweder von bciu Vorsänger allein nach der erwähnten Melodie abzufingen, oder von dem Vorsänger, der Schuljugend und der Gemeinde nach der gewöhnlichen. Intonation wechselweise vorzutragen. Ebenso ist an den Gemeinden, wo kein Gesangchor 'besteht oder der Gesang nicht mehr eingeübt werden kann, das unter Nr. 3 erwähnte Lied von dem Lehrer feierlich vorzutragen. Hier das vorgeschriebene Gebet. Ewiger, unser Gott l lmUnherziger Vater! du warst unsere Zuflucht von Geschlecht'zn Geschlecht, unsere Zuversicht, unsere Burg, der Herr ans den wir v-ertrauen. . In allen Zeiten itub i\v allen Lagen des Lebens schauet nnstr Auge und sehnt sich unser Herz nach dir, dem lebendigen Gotte, dem Herrn und Lenker aller menschlichen Schicksale. In unserer Bedrängniß rufen wir dich an und du vernimmst unsere Stimme, und erhörst unser Flehen, denn der Herr ist nahe Allen, die Ihn anruftn , allen die Ihn in Wahrheit anrufeu. In glücklichen Tagen ist es eine Wonne Dir zu danken, und deinen Namen zu preisen, o Höchster! für die Wohlthaten, die jeden Morgen sich erneuern. Doch deine Rathschlüsft sind nnerforschlich; wer kann eindringei: in das Gehoimniß des Herrn. Einen Ailgenblick schien es als hättest du dein Antlitz von uns gewendet und der Segen schwand von der Erde. Die Baumfrucht täuschte und die Felder gaben nicht die nöthige Nahrung. Jammer und Elend verbreitete sich und traf schwer die Völker. . " Da war jedes Herz betrübt und jedes Gemüth von der Bangigkeit vor der Zukunft erfüllt. Du brachtest die Menschheit bis zur Zerknirschung, damit sie sich wende/zu dir, damit sie erkenne, daß bei dir allein die Herrschaft ist und ohne fcciuc Hilfe alle menschliche Kräfte eitel sind. Du sähest.die guten Werke der Mildthätigkeit und der Nächstenliebe die auSgcnbt wurden und deine Huld wendete sich uns wieder zu; denn du bist ein gnädiger, barmherziger Gott und von unendlicher Güte. Einen Augenblick währet deine Züchtigung, und Lebcnlang deine Gnade. Wie wir ein Jahr voll Kummer gesehew haben, so wurde uns in diesem Jahre deine überschwengliche göttliche Gnade kund. Die Freundlichkeit Gottes bestrahlte uns wieder. Der Herr hat seinen reichen Schatz aufgethan und eine Fülle von Segen strömte auf die Erde. Neues Leben und Gedeihen durchdrang die Natur. Mit Fröhlichkeit umgürten sich die Hügel. Die Thäler hüllen sich in Getreide. Die mit Thränen säeten ärndten mit Jubel. Wei-