Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1847)
- Date
- 1847-10-15
- Page
- Seite 335 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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335 nend ging der Säemann tmgend den Saamcnwurf; mit Jubel kommt er, tragend seine Garben. ' Die vor Hunger schmachteten , du hast sic-errettet aus ihrer Drangsal. Alles jauchzet und singet. Alles preiset des Ewigen Gute und seine Wunder für die Menschenkinder. Mit dankerfülltem Herzen erscheinen wir vor dir, allgütiger Vater! mit Gesängen jubeln wir vor dir und sprechen: danket dem Herrn, denn er ist freundlich; denn ewig währt seine Gnade. Mit tief gefühltem Danke und erhöheter Freude erscheinen wir vor Dir m diesem Jahre an dem hohen Feste, welches deine göttliche Weisheit eingesetzt Hai zur freudigen Feier wegen des Jahressegens, an dem Feste der Einsammlung der Felderzeugnisse. In dieser Zeit unserer Freude mahnen ums deine göttlichen Satzungen zur dankbaren Erinnerung cmt Ucberflusse an die durch deine Hilft besiegten Mühseligkeiten. Sio mahnen uns zum unerschütterlichen Vertrauen auf dich, den treuen und allmächtigen Netter Ln der Noth, wie unsere Väter im Vertrauen auf deine Verheißung dir gefolgt sind durch die Wüste, durch ein uubesäetes Land.. Aber an den heiligen Festtagen sollen wir nicht leer erscheinen vor dir, sondern mit Daukopfern. Die dir wohlgefälligen Opfer sind ein demüthiger Sinn und ein mitleidvolles Herz. Es sollen Theil nehmen cm unserer festlichen Freude die Armen, Verlassenen und Bedrängten sagt dein heiliges Wort. Sowie du deine Hand aufthust und Alles was lebt mit Gnade sättigst, so mögen auch unser Herz und unsere Hand sich öffnen, unfern armen Brüdern, daß ein jeglicher gebe, nach dem Segen, den du ihm gegeben hast. Besonders mögen wir bedenken unsere Bruder und Mitbürger, deren Hoffnung auf einen reichen Segen auch in diesem Jahre durch deinen unergründlichen Rathschluß plötzlich vernichtet wurde; damit wir ihnen, in Liebe von dem mittheilen, was uns durch deine Gnade gegeben ward. Denn von deiner Hand haben wir ja Alles, und was wir dir geben haben wir von deiner Hand erhalten. O mögen wohlgefällig sein vor dir die Worte unsers Mundes lind die Empfindungen unserö Herzens, Ewiger, unser Hort und unser Erlöser. O Herr! segne auch das künftige Jahr und alle seine Erzeugnisse, laß milde Regen befruchtend auf die Saaten träufeln und sende die Wärme nach der die reifende Frucht begehrt. Denn vergeblich ist des Menschen Fleiß,, vergeblich seine Mühen und Sorgen, wenn du nicht Segen spendest mit milder Hand. /.. Alles schauet auf dich und erwartet aus deiner Vaterhand seine Nahrung. Sättige uns von deinem Gute und erfreue uns durch dein Heil; laß uns ferner theilhast werden in Liebe der Wonne und Freude deiner Festtage. Heilige uns durch deine Gebote, laß unser Antheit sein irr deiner Lehre und läutern unser Herz, daß wir dir in Wahrheit dienen; damit wir säen Gerechtigkeit und Gnade ärndten und wenn wir selbst eingesammclt werden zu den Vätern mit reichen Früchten der Tugend und der Gottesfurcht cingehm zur ewigen Seligkeit, Amen! Frankreich. Wcrvis, 28. Sptbr. Obgleich erst seit einigen Tagen zurück, so habe ich dennoch Hrn. ** ersticht, Ihnen in aller Kürze Einiges ans me mm Mitthcilnngeu znkommen zu lassen*;.im Gebiete des Jrrdenthums hat' man so selten Gelegenheit, Angenehmes und Freudiges zu berichten, daß cs mir eine recht innige Freude ist. Ihnen zu den scheu erhaltenen kurzen Mittheilungeu noch fetgeude gewiß nicht unangenehme Notizen zirkemmeu zu lassen. Mein ausführlicher Bericht über düsen Gegenstand, den ich au das Ministerium zu machen habe, wird erst zu Ende Oktober fertig sein, mit) ich werde denselben ^danu Ihnen mittheiten; vorläufig ersuche ich Sie, die hier folgenden Notizen mittheiten zu wollen und die Leser mögen schon die aphoristische Form entschuldigen. — In Tunis sind 25,000 Juden, in zwei Gemeinden gecheckt. Die Eine Gemeinde ist eigentlich von europäischer Abstammung, nämlich entweder Nachkommen der Vertriebenen auS Spanien um 1492, oder von spälcrn über Livorno Eingewanderten, und die letztere Klasse führt den Namen Gurr, d. h. Livornesen, eirea 3000 Köpft zählend. Die andere Gemeinde besteht aus nationalen-Tunistotemoder eigentlichen afrikanischen Inden. Durchschnittlich erscheinen die von europäischer Abstammung viel bildungsfähiger und der Civilisation zugänglicher. Die Mittelklasse im Allgemeinen unterscheidet sich durch echt arabische Kleidung, durch eine eigenthümliche unserer Nachtmütze ähnliche Kopfbedeckung bei den Gurr's, und von schwarzer Farbe bei den Mostara bi oder Tunisiotcu. Der jetzige Rabbiner der G ur i-Gemeinde, ist ein R. Jehud§ Ha-Lewi, ein sehr würdiger Mann; überdies hat diese Gemeinde zwei große und vier kleine Synagogen. Die Mostarabi-Gemeinde hat vier große und gegen 20 kleine Synagogen; ihr 'Rabbiner ist ein gewisser R. ^S ch u ab si s (?) , weithin als Talmud ist bekannt. Am Hofe des Bey von Bursts — Sie wissen,.daß ich bei ihm in Angetegerll)eitm der Juden eine Audienz gehabt und daß er mir einen großen Spielraum gelassen, für meine dortigen Glaubensgenossen thätig zu sein — sind viele Juden in amtlichen Funktionen. Der Chef eines bedeutenden Amtes ist der Kaid Josef Schum an ah, Groß-Offieier des ") Zch habe es nicht erhalten. Red.