Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-10-15 · Heft 42 (15.10.1847) · p. Seite 331

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 42 (15.10.1847)
Date
1847-10-15
Page
Seite 331 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360515--6111-3533569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 331 — Arbeitssch«« der Juden zu dergleichen anstreugenden Beschäftigungen, darf die jüdische Presse auch diesen Vorfall notirm. Hr. Dr. Berlin in Fürth soll Aussicht zur Erhaltung einer Advokatur haben. Es wäre dies eine wahre Genugthmmg der össentlichen Meinung, wenn dieser herrliche Charakter, dieser aller Wett mit Rath und That beistehende Mann einen fctncii ausgezeichneten Rechts kenn tu isserr entsprechenden Wirkungskreis fände. — Aber felgender Vorfall daselbst hat große Sensation erregt und hätte gewiß unter dem srühern Regime — die Lellte sind -klug — zu einen ernsten Konflikte geführt. Dem Advokaten jüdischen Glaubens Hrn. Dr. Grünsfeld starb sein einziger Knabe. Er in amtlicher Abwesenheit,- hatte hinterlassen, sein Kind vor drei Tagen nicht zu begraben, wenn eS wie voraussichtlich mittlerweile sterben sollte. Znrnckgekehrt ließ er aber auch noch die ä rz t 1 i ch c S c k t i o n mit demselben vernehmen , worüber die jüdische Orthodoxie daselbst in Harnisch gerieth und die dortige Brüderschaft, unter dem Ministcrium Abel zu einer Macht erstarkt , wollte sich mit dem Leichnam durchaus nicht poyno sein. Nur das friedliche Zureden des Rabbiners, mehr noch aber die veränderten Verhältnisse, welche der allmächtigen' Kippe einen Schlag hatte bringen können, verbunden mit der Befürchtung mit einem Advokaten den Kürzern zu ziehen, bewog sie von ihrem Vorhaben abzustehen, und so verlief die Sache in Frieden! — Aus dem an die Gerichtsärzte ergangenen mit zu Gesicht gekommenen Reskript über die n**1^ resp. Gutachteneinholung geht hervor, daß die Staatsregierung diesem Punkte dermalen ihre Aufmerksamkeit ernstlichst znwendet und es ist einem Verbot derselben entgegen zu sehen. Ein sehr wissenschaftlich gebildeter Physikus, Redakteur einer medieinischen Zeitschrift hat sich,' Fälle ans seiner Praxis anführend mit aller Energie für die Weglassung derselben als ekelhaft und der Gesundheit gefährlich ausgesprochen. lieber die bereits erwähnte Vorstellung vieler Lehrer an die allerhöchste Stelle kann ich Ihnen heute noch nichts Ausführliches berichten, da dieselbe an den Ort ihrer Bestimmung noch nicht abgehen konnte. Demnächst aber sollen Sie eine ausführliche Relation Hierüber erhalten. Beim Schlüsse unseres Monatsberichts meldet man uns noch die im ersten Tag des Laubhüttenfestes in Fürth auf eine äußerst sinnreiche Weise stattgefundene Feier eines Erndtefestes in der dortigen Hauptsynagoge, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck geübt hat. Berlin, im Sptbr. (Mag. s. d. Lit. d.Ausll) Als wir vor vier Jahren in diesen Blättern unser Bedauern darüber aussprachen, daß die Oppenheimersche Bibliothek für Deutschland verloren gegangen, hätten wir nicht geglaubt, daß eine Voraussetzung, die wir bei dieser. Gelegenheit ausgesprochen, so bald Lügen, gestraft werden würde. Wir sagten nämlich, daß, obwohl die Verhältnisse der hiesigen königlichen Bibliothek im Jahre 1829 mit daran schuld gewesen, daß die Schätze der Opp.enheimcrschen Bibliothek nach Oxford statt nach Berlin gekommen, doch bei wieder cintretender Gelegenheit andere Maßregeln vorwalten würden. Unsere Vermuthung steht beschämt da, denn abermals war an demselben Orte, in Hamburg, eine kostbare, an seltenen Druckwerken noch reichere..Sammlung, und abermals ging sie denselben Weg. über den Ocean , mit dem Unterschiede, daß die Oppenhcimerschc 1829 nach Oxford und. die Michaelsche 184? nach London geht! Wir müssen mit einigen Wörter: bei dern Inhalte der letzteren verweilen und bei den Schritten, die gethan wurden, um ste für die hiesige königliche Bibliothek gu erwerben. Sie ist ja jetzt ausländisches Gllt und enthält Werke, dcrerrVerfasser noch vor kurzem in jedem. Lande, selbst wo sie geboren waren und wirkten, für Fremdlinge galten, mnd sie bildet demnach einen wohlbcrechtigten Gegenstand für das Magazin. Hermann Joseph M i ch a e t in Hamburg, von dem der gelehrte Bibliograph Dr. Hossmann in Harnburg sagt, er sei ein von ihm und Vielen hochgeehrter Gelehrter*, hat mit großen Kesten und der nmfassendsten Sachkenntnis' eine Bibliothek hebräischer Handschriften und Druckwerke gesammelt, wie sie in keinem Lande und zu keiner Zeit noch war, selbst die Oppcnheimersche und die De Rossi'sche nicht ausgenommen. Viele Uniea, viele Jnennabeln ans den ersten Zeiten, viele Pergamentdrucke, viele Prachtexemplare, viele Werke in Palästina gedruckt, die sonst nie nach Europa gekommen, und viele Antographa vereinigten sich in dieser Sammlung, für welche Agerrten in Italien, Polen, Türkei und Afrika wie Freunde überall wirkten. Der treffliche Mann war fortwährend mit der Vervollständigung seines Schatzes beschäftigt, urrd was noch mehr ist, er hat reiche Materialien zu einer großartigen Bibliographie der rabbinischen Literatur angelegt, und er hätte gewiß ein Werk geliefert, welches eben so die Gelehrten befriedigt, wie es einem längst fühlbaren Bedürfnisse abgehrlfen haben würde, wenn er nicht am 10. Juni 1846, vom Schlage getroffen, seiner Thatigkeit durch den Tod entrissen worden wäre. Der Verstorbene hinterließ seiner Familie die Weisung, die Bibliothek wo möglich nicht zu zerstreuen und sie imVatorlande zu erhalten. Demgemäß wandten sich auch die Erben mit Anträgen nach Berlin, und der HerrOberbibtiethekar gab die Versicherung, daß er Alles in seiner Gewalt liegende thun werde, um die Sammlung *) Siehe: LZerzeichm'ß einerSammlung von Büchern aus der Bibliothek des verstorbenen Hrn. H. I. Michael. Hamburg, 1847, 6. Vorrede. 42*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.