Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-10-15 · Heft 42 (15.10.1847) · p. Seite 330

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 42 (15.10.1847)
Date
1847-10-15
Page
Seite 330 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360515--6110-3533568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Verhaltens während gewisser Vorgänge doch falten mußte. Bekaimt ist, welch ein heftiger Gegner unserer Rechtsansprüche er bei dein letzten Landtag war und welch eine Zärtlichkeit er für das alte starre Judcnthum dabei zur Schau trug. Hier bewährte sichs nicht lU’Dn bl Einen Gegner haben wir also verloren^ ob wir aber an dem an seiner Stelle eiugetretcncn Ersatzmann Hrn. v. Bayer einen Gönn er gewonnen haben, wird der nächste ordentliche Landtag i. I. 1848 lehren, denn bei dein dermalen versammelten außerordentlichen Landtag wird unsere Sache gewiß nicht zur Sprache kommen. Seien wir froh, wenn es bei jenem geschehen wird. Thut dann die Staatsregierung ernste Schritte und daß sie es thue, dafür sollten wir unaufhörlich nach Kräften Sorge tragen, dann wird zu einer Zeit, in der der Pabst seine jüdischen Unterthanen auS der Verknechtung ziehet, in der die Bürger Livorno's für ihre jüdischen Mitbürger nin Emaneipatioil bitten, auch das wdise katholische Baiern, von einer liberalen Regierung geleitet, 'Ausnahmsgesetze gegen uns nicht mehr aufrecht erhalten'oder gar neue schaffen wollen» ■ Aus der jüdischen Gemeinde Münchens kann ich Ihnen nur berichten, daß sich am letzten rn ein Vorsänger Edin b u rger aus. Ungarn mit vielem Eklat hören ließ,-der wahrscheinlich die dortige sehr gute Stelle erhalten, wird. Rur ist die Frage, ob die strengen Bestimmungen gegen die Anstellung von Rablnncn und ' Lehrern, welche Ausländer sind, nicht auch auf Vorsänger angewendet werden, oder ob das Gesetz die Sänger auch so begünstigt , wie daS Publikum. ES läßt sich aber überall, auch bei unS Juden, am ersten etwas ersingcir. Auch auf dem Lande zeigt sich ein Gleiches. In Diespeck in Mittelfranfvu war die Vorsäng e r- und S ch ä ch t e r st e t t e ansgeschrieben. Alsbald meldeten sich und ließen sich unter andern Bewerbern auch mehre definitiv angestelltc Religionslehrer hören. Sie warm aber nicht so glücklich die widerrufliche Stelle zu erhalten. Ein Fürther, Namens Znnder-Zirndörfer war der Glückliche. Erwägt man gewisse alte jüdische Vorurteile, nach welchen gewissen Qualifikationen zur Eigenheit eines Vorsängers und eines Fürthers gehören, so konnte der Erfolg nicht zweifelhaft sein. Bei meiner kürzlichen Anwesenheit in Ansbach während eines jüdischen Leichenbegängnisses gewahrte ich nicht nur eine hierbei seltene Ordnung und Anständigkeit, sondern auch , daß sich mehre christliche Bewohner den: Zuge auschtosseu. Auf meine weitere Nachfrage erfuhr ich, daß dies feit der Anordnung eines geregelten jüdischen Leichenkonduktes sehr häufig und gegenseitig der Fall sei. Bei christlichen Slerbefällen werde gewöhnlich die jüdische Nachbarschaft zur Begleitung geladen, die auch hiervon Gebrauch mache. In mehrem Fällen habe sich schon der Rabbiner christlichen Leichenbegängnissen angeschtosscu. Eine noch höhere Befriedigung aber gewährte mir die Beiwohnnng der öffentlichen Prüfung der Kitzing er'sch en H an dels-Le h r in st i tu ts daselbst, das von circa 30 jüdischen und christlichen Schülern besucht wird 'und die in neuern Sprachen wie in kaufmännischen Kenntnissen, nach dem Urtheil der köll. Prüfungskommission sowohl wie des zahlreich anwesenden jüdischen und christlichen Publikums die schönsten Probeil gegeben haben. Hr. Kitzinger ist Kaufmann und Vorsteher der israelitischen Gemeinde. Es wird wohl wenige solcher Vorsteher geben! — Aber nicht befriedigt fand ich mich von dem Ergebniß einer Tags darauf mit angehörten Prüfung einer Neligionsschule in einer kleinen Landstadt. Gedankenloses Hcrsagen und Uebersetzcn der Bibel und der hebräischen Gebete re. ein Abfragen der auswendig gelernten Abschnitte im Dr. Behr'schen Rcligionsbuche, wobei Schüler und Rabbiner -— nach jedesmaliger devoten Entschuldigung auch bei den anwesenden Beamten — die Mütze bald aufsetzteu bald abnahmeu war Alles, was man hier vernehmen konnte. Der Rabbiner, ein Mann in den mittlcrn Jahren und geprüft,, wußte nach weiter nichts als nach der großen ^0^2 zu fragen. Wie mir der Lehrer nachher sagte, gehört cs zu den vom Rabbiner anempsohlenen Grundsätzen: Verstehet! brauchen die Schüler die Bibel nicht. — Alls der von einigen Landgerichtsvorständen auch von den R e l i g i o n s l e h r e r st e l t e n abverlailgten F a ssionen haben mehre ail denselben Angestellten die Meinung gezogen, als handelte es sich von einer Reorganisation oder gar von einer Aufbesserung derselben durch den 'Staat. Die Unglücklichen greisen nach einem Strohhalm , um sich daran zu halten,. Es kann aber mit Bestimmtheit versichert werden, daß cs sich nicht einmal von einer solchen bezüglich der dclltschen Schulen handelt. Nur zur Ausscheidung-und Feststellung der Kreise von den Ceutrallasten, welche desfallstge Bestimmungen 'mehrseitig Anstände erfuhren, wurden allerhöchst die Fasstonen abverlangt, um tcu derzeitigen Bestand ermessen zu können. Die Schullehrer und die Juden kounnen immer zu allerletzt, wenn sichs um eine Verbesserung handelt."' Am 23. v. M. wurde endlich Dr« Wer m ann als Rabbiner in W cl bhall sen feierlichst eingesetzt und ist somit dieser tragikomische Akt zur Ersparung weiterer Skandale geschlossen. Gott gebe 'dem Rabbiner Weimann Gesundheit und Kraft in seiner schwierigen Stellung sich zurecht zu finden! — Bei den Eismbahnarbeitm behufs der Herstellung einer Brücke über die Wörnitz bei Oettingcu ist ein jüdischer Arbeiter wegen allzugroßen Diensteifers ertrunken. Bei dem mehr oder weniger gegründeten Vorwurf der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.