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Der Orient · 1847-10-08 · 41 (8.10.1847) · p. Spalte 653-654

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
41 (8.10.1847)
Date
1847-10-08
Page
Spalte 653-654 (sequence 7)
Language
German
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«53 Kritiken. Stern's Kochbe Iizchak besprochen. Kurze Anzeigen. 39) p.rnn iDDVD. Eine Sammlung hebräischer Aufsäh-e, literaturhistorischen, philologischen, 'exegetischen und poetischen Inhalts, zur Förderung des hebräischen Sprachstudiumsherausgegebcn von M. E. Stern, Mitglied u. s. w* Heft 4—-10. Wien, 1846—47, 8. Preis jedes Heftes 20 kr. CM. - (Schluß.) Unsere Zeit ist .viel zu ernst, strebt viel zu sehr nach Fortbildung und Aufklärung, als daß unterhaltendePhantasiespicle, die durch Zaubertöne den Geist beschäftigen, ohne ihn an Erkenntniß weiter-zu bringen, als daß Worte ohne Gedanken, und wenn auch m heiliger Sprache, oder schöngeistige Gedanken ohne reellen, wahren d. h. also nicht poetischen Inhalt für die Dauer Anerkennung zu erzwingen im Staude wären. Selbst in der lebenden vaterländischen Sprache sind nicht alle bunten'Sträuße.der Dichtung, alle Sonettenschnüre, alle gereckten. und langgestreckten didaktischen Ergießungen in Reimen eine große'Bereicherung der Literatur, nützliche Bausteine für die Erziehung und Veredlung der Menschheit, sondern nur diejenigen schöngeistigen Schöpfungen, welche die von den Heroen der Zeit mühsam gewonnenen neuen Gedanken, die. von den Hierophanten der Geschichte zu Tage geförderten neuen Zeitideen m vielfachem bunten Flitter für die gedankenarme Masse, sie möge zu den hohen oder niedecn Ständen gehören, verscheidemünzen« Und-die Dichtungen in neuhebräischer Sprache haben immer blos ein pädagogisches Interesse, nämlich eine Sprachgewandtheit für das Hebräische zu verallgemeinern, die bildungsfähigen Elemente des alten Schlages der Juden in Benutzung des, Hebräismus aus der unästhetischtn Ghetto-Atmosphäre -zu . ziehen. Aber . dieser Nutzen, so sehr er sich auch -jedesmal beim Beginn einer Uebergangsperiode zeigt, sollte nicht jetzt ausschließlich gelten/ wo wir bereits in ein anderes Stadium der Entwickelung gekommen. Oie Fruchte, welche die fleißigen Sammler (Meassi'fim) vor länger als 50 .Jahren, geboten, waren auch für die Kulturentwickelung der Juden Oesterreichs zum Segen, und es wäre ein pädagogischer Anachronismus von Born anzufangen. Zu beweisen, daß man in neuhebrä'ischer Sprache das Sonderbarste und Fremdeste wiedergeben, daß man mit diesem kleinen Trupp hebräischer Formen und Wörter die überraschendsten, kühnsten Bewegungen ausführen kann, hat blos ein philologisch-pädagogisches Interesse, und es wäre einc.Mißkennung des Zeitgeistes, eine Verspottung der Zeitbestrebnngcn, diese Anfänge als Endziel herauszukehren. Hr. Stern hat auch dieses sehr gut gefühlt, er wußte, daß seine Kochbe Iizchak, mit bloßen schöngeistigen Hilfsmitteln aufgebauet, keinen Anspruch auf Zeitgemäßheit weiter beanspruchen können und mit gutem Takte rcihete er exegetische Arbeiten als Hauprbestaudtheil an. In der That sind die exegetischen Arbeiten in jedem Hefte fast noch umfänglicher als die poetischen, manche Mitarbeiter, — ich übergehe hier die ausdruck- 654 liche Nennung der Namen — bewähren im Erforschendes uralten immer zur Prüfung anreizenden Schriftwortes ein schönes Talent und eine große/Gewandtheit. Aber die Exegese als Wissenschaft ist von dem Protestantismus in dem letzten halben Jahrhundert mit so großem Erfolg angebaut worden, die Fortschritte, welche die biblische Kritik und Exegese während dieser Zeit gemacht find so riesenmäßig, gewichtig und für Erfassung des Judenlhums so bedeutungsvoll, daß die Mitarbeiter des Kochbe Iizchak, welche das exegetische Gebiet betreten, nur dann sich Anerkennung erobern können, wenn sie auf den Standpunkt dieser Wissenschaft in der Jetztzeit sich stellen. Das ist aber nicht der Fall. Hebräische Grammatik man bemerkt selten den Einfluß der grammatischen Fortschritte von Gesenius und Ewald —), hebräische Etymologik und Lexikographik (— man sieht selten die Einflüsse der Arbeiten der Fürst'schen Concordanz und des Wörterbuches oder des Thesaurus von Gesenius—), Alterthumskunde und die biblischen Theologie und wie die Hilfsarbeiten der Exegese heißen, stehen noch aus dem Standpunkt der Biuristen, und Hr. Stern würde sehr wohl daran thun, mit seiner gewandten Feder von Zeit zu Zeit auf die Fortschritte in der Exegese und in den Hilfswissenschaften aufmerksam zu machen. Zum Schluffe möchte ich noch in Bezug aus diese periodische Zeitschrift einige Wünsche aussprechen. Erstens wäre es von großem Interesse, wenn in jedem Hefte ein Theil des Raumes der historischen Darstellung, sei es in der Biographik, oder in der pragmatischen Darstellung gewisser Zeitabschnitte oder endlich der Gemeinde-Zustände, gewidmet wäre. Hr. Stern hat in. 3*) nn^n von Weiße, in der Biographie des Jedaja Penim von demselben, die er, wenn auch in homöopathischen Divisionen, gegeben, hinlänglich gezeigt, daß er dieses Gebiet angebaut wissen will, und wir dürfen ihn versichern, daß wir in Norddeutschland gerade das Historische M't großem Interesse lesen. Die jungem Geister sollten ihre Sprachgewandtheit gerade darin üben, daß wenn sie auch nicht Historisches ursprünglich selbst schaffen, doch wenigstens das - in andern ZeitbLättern gegebene übertragen und dadurch der Judenheit in die weitesten Fernen zuführen. Ein zweiter Wunsch ist, daß Hr. Stern aus ältern Handschriften, die eben weil sie Handschriften sind für die Kulturentwickelung verloren gehenmanche Stücke abdrucken lassen möge, wozu die herrliche kaiserliche Bibliothek gewiß Veranlassung giebt, wie man aus dem schönen Katalog von Deutsch ersieht. Mein d r i tter. Wunsch ist, daß von Zeit zu Seit eine Art Personalchronik über die hervorstechendsten Persönlichkeiten in Böhmen, Mähren und Ungarn ausgenommen werden möge. Die Form müßte sich Hr. Stern freilich erst schaffen, aber er hat Gewandtheit genug um es zu können. TlibN'&D-l£n. urii) ich schließe mit der Aufforderung, daß Hr. St. nicht ermüden möge.. . 40) W>DD. Jllustrlrtes Lehr - und Lesebuch für die israelitische Jugend. Von E. Bondi, öff. Lehrer cm der isr. Lehru. Erziehungs-Anstalt zu Schwarz-Kosteletz

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