Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-10-08 · Heft 41 (8.10.1847) · p. Seite 327

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 41 (8.10.1847)
Date
1847-10-08
Page
Seite 327 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360514--6106-3533555
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

projektirten Anstalten Zengniß giebt, bei dem geringen Maaßevon Zntranen, das — sagen nnvö. offen — der Jude gegen den Juden hat; man erwäge die Hindernisse des Raumes bei der Bildung der Anstalt und ihrer Verwaltung, die verhältnißmäßig doch geringe Zahl der Mitglieder und man kennt die Schwierigkeiten , welche sich von . vorn herein der Verwirklichung eines solchen Unternehmens entgegen stellen. Daun kommen noch alte die hinzu, welche bei derartigen Institutionen so vielfach und so schwierig zn uberwinden sind und an dendn schon die besten nach kurzem Bestand und zum Schaden der eifrigsten Unternehmer gescheitert sind. Wie aber, wird man sagen, soll es wie bisher bleiben, sollen Rabbiner und Lehrer tu der Regel ohne Vermögen bei zahlreicher Familie und so gestellt, daß an ein Erübrigen nicht z.u denken ist, sollen sie, wenn die kalte Hand des Todes sich nahet, nicht das Bewußtseyn haben, den Ihrigen die Aussicht auf ein kleines Einkommen zur Bestreitring des Nöthigsten zu hinterlassm? sollen sie der Barmherzigkeit der Gemeinden an h Umfallen, die sich in der Regel nur bei wirklicher Verarmung und trenn die Vetheiligten ein Gegenstand des Erbarmens sind, äußert und auch da weder ans eine ehrenvolle noch nachhaltige Weise, oder sollen sie der Armenkasse zur Last fallen? Wahrlich! Nur mit Bangen und Zagen denke ich daran! — Dagegen nun giebt es aber ein Mittel. Man trete bei Zeiten tuifc ehe noch die Kämpfe und die Jahre die besten Lebenskräfte ausgezehrt habet!, ehe noch bei noch kleiner Familie vielleicht vermöglichte Ersparnis' aufgezehrt ist, einer allgemeinen Leb"ensversicherungskasse, etwa der Gothaer oder der Nürnberger für Civilisten bei, versorge sich bei der allerdings großen Jahresbeiträgen ans das Nöthigste, um nur den Seinen ein kleines jährliches Einkommen, welches bei der genannten Nürnberger Anstalt für die dritte niedrigste-Klasse jährlich 250 Thlr. beträgt, zn sichern. Wer auch dies nicht vermag, und leider werden die Meisten der jährlichen mit den Jahren steigenden Beiträge nicht erschwingen können, der vertraue dem Herrn mid bitte ihn um Fristnng seines Le-, bcns -tagtäglich. Nur keine eigne israelitische Wittwenkasse! — \ K. Defterre ich. Turnern in B ö h m c n, 20. Ang. Der erfreuliche Drang nach Fortschritt und heilsamer Unigestalrnng in Schule und Synagoge, der sich allenthalben in unserem Vatcrlande und besonders seit dem kaiserlichen Gnadenakte der Stcucrenthebung in den Gemeinden als ersprießliches Zeichen, werkthätigcc Dankbarkeit gegen die hohe Staatsregiernng knnd giebt, ermangelte nicht, auch die hiesige kleine Gemeinde kräftig.anzuregen'; denn diese kaum 20 'Familien fassend, deren nur kleinerer Theil hierzu bcitragsfähig. ist, hat den löblichen Entschluß gefaßt einen Lehrer für Schule und Synagoge zn berufen. Eine Veranstaltung die von der zweckmäßigen Richtung der Reform Zengniß gebend, durch ihre wohlthätige Ein- - Wirkung auf Unterricht und Erziehung, Gesittung und religiöse Erbauung, die Opfer lohnen wird, welche die achtbaren Beförderer dieses Unternehmens, mit bereitwilliger Hingebung darbrmgen. Daß dieser dankbare und empfängliche Boden nur der anregenden und pflegenden Hand bedarf, war am letzten Sabbat in der hiesigen Synagoge ersichtlich, wo HerrH. Hamburger, Rabbiner .und Prediger ans Böhm.-Leipa, bei seiner zufälligen Anwesenheit uns mit einer kraftvollen Erbauungs- Rede erfreute. Das Gotteshaus gewährte durch die zahlreiche andächtige Versammlung den Anblick einer Festesfeier und Alles lauschte begeistert dem hinreißender». .Redeströme des'verehrten Rabbiner, der mit der Fülle - reicher und seltener Naturmittel, vermöge welcher er entschieden znm Kanzelredncr berufen ist, die Weihe echt nngehenchelter, strenggläubiger Frömmigkeit verbindet. Die nationale Färbung, das votksthi'unliche, in dem Beden altehrwnrdigen Jndenthums wurzelnde Gepräge bezeichnet ganz vorzüglich dessen ejndringliche weihevolle Redeweise. Da war kernige Fülle des Gedankens Hand in Hand mit populärer Faßlichkeit und kräftiger Gemüthstiefe, die ihren adäquaten Ausdruck in einer zuweilen schwnng- und klangreichen poetischen' Sprache fand, und dennoch'war nichts aus fremdem Gebiete erborgt, alles ans dem heinlischen Ideen kreise der Propheten, des Talmuds mit eigenem Geschicke ge sch öpft. Ausgezeichnet, ist der besondere Takt, mit welchem der 'Hr. H. den Midrasch, diese reiche. Fundgrube naiv origineller Allegorien , Legenden und Sinnsprüchen ansznbenten und mit geschlnackvoll zartem Ausdrucke, wiederzugeben versteht. Wenn man den Redner von seinem Feuer hingerissen sah, wie er so manchen Moment dramatisch ja plastisch verkörperte, wurde man unwillkürlich gemahnt, in ihm den viel begabten Enkel des sel. Eleasar Flekeles zu erkennen, dessen für seine Zeit hochbcrühmtes und gefeiertes Redncrtalent uns hier nur in der veränderten Form des modernen Zeitalters neu erstanden zu sein schien. Bei solcher Begabung kann es nicht schwer werden, sich die. Palme der Meisterschaft zn erringen, um einst einen großen Wirkungskreis einznnehmen. Italic n. Leipzig, im Sptbr. (Etwas über die Jrid e n i n R o m.). Vor fünf Jahren berechnete man die Bevölkerung dcs Ghetto ans 3800 Seelen, die Zahl der Familien ans 800, gegenwärtig schlägt man die Zahl der Bewohner ans 3600 an. Unter diesen sind 2000 Arme, 1000 nähren sich von verschiedenen Gewerben, namentlich vom Kleiderhandel, und die übrigen Wohlhabenden haben ihr Verrn.ögm durch gr'ößern Handel erworben. Es . gereicht ihnen sehr zur Ehre,, daß die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.