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Der Orient · 1847-10-08 · Heft 41 (8.10.1847) · p. Seite 328

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 41 (8.10.1847)
Date
1847-10-08
Page
Seite 328 (sequence 15)
Language
German
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‘ - 328 Sfrmcit, die in einem so großen Mißverhältniß zri den Reichen stehen, völlig durch die Mimosen ihrer Religi onsverwandten unterstü^t werden , und auch die Kranken erhalten , obwohl ihnen der Zutritt zu jedem römischen Spital offen steht, jede mögliche Unterstützung, Arznei und ärztlichtn Rath von den jüdischen Doktoren, ohne daß ste den Ghetto zu verlassen brauchen. Der Hauptarzt der Gemeinde ist der Oberrabbiner, der jeden Morgen nach dein Gottesdienst in der Synagoge bei allen Kranken herumgeht, gefolgt von einem Diener in türkischer Kleidung, und überall auf seinem ärztlichen Gang mit den Zeichen der tiefsten Ehrfurcht empfangen wird. Sein impeunendes, majestätisches Aeußere mit cmem Turban, einem fließenden Bart und langen Kleid vermehrt noch das orientalische Gepräge, welches der Anblick ohnehin durch die Lebensart der Einwohner im Freien und ihren eigenthümlichen Gesichtsschnitt darbietet. Dieser Oberpriester ist vor kurzem, um den Platz seines verstorbenen Vorgängers einzimehmen, aus Fern-, salcm gekommen, wo sieben Würdenträger seines Ranges die Oberaufsicht führen über ein durch die Beiträge aller jüdischen Gemeinden in der Welt unterstütztes Kollegium zur Erziehung von Rabbinern; mit dieser Ccntralsynode* steht, die Gemeinde in Rom fortwährend in Verbindung. Unter dem Oberrabbiner stehen 6 oder 7 Unterrabbinn, welche den gewöhnlichen Dienst in der Synagoge, hier Seuola genannt, verrichten. Ein anderer Umstand , der sehr zur Ehre der römischen Israeliten gereicht, ist der, daß die Kinder beider Geschlechter fast ohne Ausnahme aus Kosten der Gemeinde unten'ichtet werden; die reichern Eltern steuern bei zum Unterhalt des Lehrers, ciber die Kinder der übrigen werden ohne Bezahlung in der Schule ausgenommen, so daß alle Einwohner dieselbe Erziehung erhalten. Es sind fünf geräumige Lehrzimmer in einem von außen trübselig ausschendem Hause; die Kosten, welche von den reichem Eltern nicht durch regelmäßige Beisteuern bestritten werden, erhält man dadurch, daß man jeden Tag eine Geldbüchse durch die Straßen schickt. Im Alter von etwa fünf Jahren beginnen die Kinder den Unterricht, mit dem Hebräischen und müssen sich dessen bis zu einem gewissen Grade Meistn gemacht haben, ehe fle auch nur die Buchstaben des Italienischen lernen. Der religiöse Unterricht, der ganz aus dem alten Testament genommen ist, nimmt den ersten Theil des Tages ein, dann folgt der Profanunterricht, bestehend in Schreibeil, Rechnen, alter Geschichte, Italienisch und für die höhere Klasse ein Kursus in der Logik. , (Das Ausland.) Dem Sanhedrin. Verlag von C. L. Fritz s ch e. Trost an Deutschlands Israel. -Und wieder ist ein Hoffnungsstrahl Für dich, Volk Israel geschwunden; Von Nordens deutschem Ständesaal, Wir Habens schwer, ja.schwer empfunden, Drang Mef La uns der spitze.Pfeil, Von Christen nur, kam' Staates Heil. Doch zage' nicht, o Israels Sohn! Ob dieser deiner neuen Wunde,. Ertrag auch diesen letzten Hohn, Bis schlagt für dich die bess're Stunde; Denn sei gewiß, es schmilzt und bricht Des Eises Decke am Sonnenlicht. Ring nur nach deines Glaubens Geist/ Für den du schon so viel gelitten; Es kommt die Zeit, in der es heißt, Genug gekämpft, genug gestritten, Werf ab das alte Sklavenkleid, Es hat die Menschheit dich befreit. Empfindunge« eines Israeliten am Nenjahrsmorgen. - DeS Jahres erster, heil'ger Morgen, Sei dir mein guter Gott geweiht; - Du Haft aufs neic>e mich geborgen. Mir deinen Schutz auch gern verleihe Gesundheit und tüi frohes Leben, Ward mir von deiner Gnad' zu Theil; Drob bin ich dir ganz ergeben, Empfiehl dir auch mein Seelenheil. Gerir will ich auch mein Erdenleben In Lob und O-ank dir ewig weih'n; Du hast mir es^darum gegeben, Wirst, wenn ich fehl', mir auch verzeihen. Doch wenn ich klagend dir empfehle, Ein Leid, das schwer mich jetzt noch drückt, Dann Vater, wirst du meiner Seele, Versagen nichts was sie beglückt. Die Tage, und der Monden viele, Hinab sind sie in Ewigkeit; Doch fern von jenem großen Ziele, Stehen Menschen noch zum Kampf bereit. Noch ist die Glaubenskluft bieniedcn, Die Brüder von den Brüdern trennt, Das ist wahrhaft der Störenfrieden, Der stets die Bahn zum'Glück verrennt. Der Kampf der Wahrheit mit der Lüge, Wie lang soll ec fortan bestehen; Wer zweifelt noch, daß sie betrüge, Daß du nicht willst, was oft geschehn? Drob senk o Vater Licht und Frieden, In aller deiner Kinder Brüst; Kein Hader trübe mehr hienieden, Die lang gestörte Lebenslust. Ja, alt und morsch sind die Trophäen , 2CU6 jener grauen Schreckenszeit; Laß ri immer Glaub-ensneid bestehen, Dann wird die Welt vom Wahn befreit. Walldorf. I. Sachs. Druck von I. H. Nagel.

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