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Der Orient · 1847-10-08 · Heft 41 (8.10.1847) · p. Seite 326

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 41 (8.10.1847)
Date
1847-10-08
Page
Seite 326 (sequence 11)
Language
German
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— 326 flüssig wäre / hier noch He Eindrücke zu schildern, die -das Gesetz ans unsere Gemücher hervorgebrachl. Freilich sind die natnralisirten Juden den andern jüdischen Bewohnern der Monarchie in jeder Beziehung gleichgestellt —- doch aber verdient cs unsere Provinz — gegenüber den andern Provinzen — nicht, daß in ihrcn Juden noch ein solcher Unterschied gemacht wird. Obschon die mcht Natnralisirten den überwiegendvil Theil ausmachen, steht doch zu hoffen, das durch die allgemeine Militarpstichtigke it. und bei der guten Schutorgainsatiou unseres Großherzogthnnles rnit der Zeit jener Unterschied schwinden wird. — Unsere Korporationen (Syuagogen- 'Gcmeindcn) behalten wir mit nur kleinen Abänderungen bei. Die Pflichten in Bezug auf Ablösung der auf uns noch tastenden Schulden ,. so wie der Beiträge bei, den Gemeinden verbleiben uns wie früher. — Uiifc dies ist für uns ein großer Uebelstand. Denn in keiner Provinz sind die Schulden der jüdischen Gemeinden so erheblich, in keiner Provinz stud die Juden zu so vielen Abgaben verpflichtet — aber auch in feiner Provinz giebts so viele unbemittelte Juden, als in der mrsrigen. Hier z. B. sind-die Äbgaben der jüdischen Einwohner fast drückend, dazu kourmen Parteilichkeiten bei der Abschätzung, Rücksichtslosigkeiten bei Beschwerden' und Eigenmächtigkeiten von Seiten der Verwaltungs-Behörden sind auch nicht-selten. So hatte erst jüngst diese wegen einer von einem Bräutigam zu zahlen verweigerte Summe von 2 Thlr., die zu zahlen diesem rechtmäßig gar nicht zukam, dein autorisirteuRabiuats-Mitgliede verboten, die Trauung zu vollziehen, bis genannte Summe gezahlt sein würde. Und bei allen diesen Verpflichtungen, hohen Beiträgen, Lasten u. s.'w., haben wir fast gar nichts: kein Krankenfehl Waisen-Hans, keinen Chor, keinen zeitgemäßen Gottesdienst, keinen Rabbiner, eine mittellose Gemeinde und stets Zwistigkeiten und Hader. Da nach allen Orten des Königreichs Preußen uns jetzt die Freizügigkeit gestattet ist, so wird wohl in unserer Provinz am meisten diese zu Nutze gemacht werden; denn schon seit Jahren harren Viele ans diese Verfügung, die nun 'jetzt ihren festen Wohnsitz in jenen Gegenden *) nehmen werden, auch . in diesem Augenblicke schon genommen, haben. — Unserer Stadt ist seit Jahren auch schon durch die.Auswanderung mancher Theil der jüdischen Bevölkerung entzogen werden. — Abgerechnet Viele, die nach andern Provinzen üborsiedeln, ist auch die Zahl derer nicht unbeträchtlich, der namentlich von hier nach der „neuen Welt" überschiffen, um dort ihr Glück zu suchen und zu finden. Liffaoc Inden *) Diele .Städte und Gegenden der Provinz Sachsen, der Lausitz, Westpfahlens/.der Rheinprovinz hatten bis jetzt noch alte hergebrachte. Privilegien, .-keine.Juden in ihre Milte aufzunehmen, welche Privilegien durch das Gesetz vorn 23. Juli nun ganz anfgeh'oben sind. findet man aber nicht nur in Dänemark, Holland, England, Frankreich, sondern auch in den englischen Eelonien, West- und Ostindien, Nord - nno Südamerika. Einigermaßen hat das' Innere unserer Synagoge eine neue bessere Umgestaltung bekommen, wenn auch in mancher Beziehung hierin der Geschmack verfehlt ist. -— Vieles hätte vielleicht besser werden können, wenn die erforderlichen Mittel dazu vorhanden gewesen wären, und wenn nicht Jeder Schritt, der nur eine Spur von Neuerung trägt, gegenüber der alten Partei so vielen Schweiß und Kampf gekostet hätte. Einer unserer Glaubensgenossen (Hausbesitzer) bewies vor einiger Zeit einen Akt der Inhumanität,-der in-unserer Stadt etwas Seltenes war und der zu vielen Benrtheilungcn Veranlassung gab. Dieser ließ nämlich einen armen, kranken?5jährigen Manu wegen einer länger» Schnldsorderung von 2 Thlr. 10 Sgr. in den Schuldarrest bringen, und das am Hochzeitstage der Tochter dieses Mannes, unmittelbar cor deren Trauung. Und dieser, der dies gethan, bekleidet Ehrenämter! Wie richtet die öffentliche Meinung derartige -Handlungen?! — B. Bayern, im Sptbr. Einige Worte über ein e W i t w e n k asse sü r isra e l i ti sch e B ed i e nstete. Der rnbricirte Gegenstand ist in reeuester Zeit vielfach in Anregung gekommen*), und auch der Oriemt hat ihn berührt. Natürlich, das Bedürsniß stellt sich heraus und man sucht es zn befriedigen und aus dem Wege der öffentlichen Diskussion anzubahnen. So sehr wir eS nun auch anerkennen und die Nealisimug wünschcn, so müssen wir uns doch, nach der vormaligen Sachlage, die keine Anderswerdnng abschen läßt, dagegen erklären. Denn bedenkt man , ans welchen schwachen Füßen alle derartigen Privat-Institute stehen, wie selbst die Schullehrer'-Wittwenkassen in Bayern mit Grund- und Stiftuttgskapitalien versehen und vom Staate kontrclirt, nur vegettccn, so daß schon jetzt die Jahresbeiträge der Mitglieder verdoppelt werden Ulnßten, wie nahe die Anstalt für das Kanzleipersenal ihrem Sturze war und noch ist, wie selbst die Rentenanstaly in Stuttgart keine höh'crn Gararttien gewährt und^ man begreift, was aus einem solchen Institut blos für Rabbiner und Lehrer, angenommen es treten ihr die meisten bei, was noch sehr fraglich, ohne Grundstock, ohne öffentliches Verwaltungsorgan, ohne Bürgschaften der Sicherheit der Kapitalien, bei der Mittellostgkeit der Betheiligten, so daß ihnen hohe Beiträge nicht zngernnthet werden können, bei dem Mangel an Gemeinsirm wovon das Nichtzustandekemmen aller und jeder in neuester Zeit *) Bemerkt muß jedoch werden, daß schon das,,Füllhorn" von Rosenselb desfaUsige, im Ganzen sehr zweckmäßige Scat'utcn brachte, aber nicht mehr. Auf dem Papier ist Alles bei uns schnell abgethan, aber in der Wirklichkeit?

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