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Der Orient · 1847-10-08 · Heft 41 (8.10.1847) · p. Seite 325

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 41 (8.10.1847)
Date
1847-10-08
Page
Seite 325 (sequence 9)
Language
German
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— 325 — welchem Dr. K. predigensollte, eine Derascha, und zwar auf Vormittags, (Noch nicht da gewesen!) ankrindigen; schleuderte von der Kanzel Flüche nicht nur gegen Dr.. K. allein, — der in der Synagoge ihm gegenüber stand — sondern gegen alle Prediger, welche nicht jüdcln und, erhob ein Lamento, über deren Unwissenheit. -7- Ein solches Betragen konnte natürlich nur den Unwillen der Bessergesinnten hervormjen, und diese brachj teil es dadurch veranlaßt dahin, daß Hr. Dr. Kr. an? demselben Sonnabende NachnrittagS, und weil seine Predigt außerdem großen Beifall gesunden, auch am darauf folgenden Sonnabend-predigte. Denn, wie überall das geistige Element im Judenthum sich Bahn bricht und sich von feinendes bedrückenden Fesseln zu befreien sucht, so ist auch in I. der Zeitgeist nicht spurlos vorüb erg eg ai, gen, und ein neues der Jetztzeit entsprechendes Streben erwacht. Der Kampf des Fortschritts hat auch hier begonnen, und werden hoffentlich auch hier die Anhänger des zeitgemäßen den Sieg davon tragen. Für jetzt können die Resultate dieser für Wissenschaft und Bildung und für deren Verbreitung strebender Parthei noch nicht bedeutend sein, da sie es mit einer zahlreichen Opposition, an deren Spitze der Rabbiner steht, zu thun hat.- Dennoch geht die Fortschrittsparthei mnthig dem Kampfe entgegen, und so gelang es ihr auch eine Privatschute zu gründen, in welcher neben dem Hebräischen auch die Elementargegenstände und die Realien gelehrt werde», was, bei dem gänzlichen Mangel an einer jüdischen Elementarschule, als großer Fortschritt betrachtet werden kann. — Wenn einem Gerüchte zu trauen ist, soll die antiorthodore Partei, die eirea 100. Mitglieder, zählt, worunter die sogenannten Vornehmen sind, ernstliche Vorbereitungen treffen zur Erbauung eines Tempels und zur Jnstallirung eines Predigers und Kantors. — Zu dein Lauben feste soff der Rabbinatskandidat Dr. Ivel, über welchen in Nr. J9 dieser Zeitung replieirt worden, zum zweiten Male in I. predigen. Derselbe sollte bereits zu den Buß-Feiertagen (Jamim Noraim) zu einer Predigt nach I. berufen werden, allein in dieser heiligen Zeit wagte man es nicht,, den fanatischen Orthodoxen zu trotzen, da diese erklärten , wer eine Predigt hört, dessen Gebet könne 40 Tage lang nicht vor - Gott gelangen. — Von den im I. sich gebildeten Unke r st ü tz u n g s v e r e i n ist bereits in andern öffentlichen Blättern berichtet worden*). — Zwei Meilen südlich von I. finden wir das Städtchen Strzetuo, das cirka 80 jüdische Familien zählt und so glücklich ist keinen Rabbiner zu Haben. -— Dennoch hat hier die Fortentwickelung der jüdischen Gemeinde in dem Maaße zugenommen, in welchem ihr in I. hemmend entgegengetreten wird. — Die hiesige, vor zwei ') Ich bitte mir einen specieUen Bericht darüber zuzustnden. % Jahren eingewcihte Sy n ag og e ist geschmackvoll und im neuesten Style gebaut. Der Gottesdienst ist durch Einführung des Chorgesanges und durch zeitgemäße Reformen verherrlicht. Zu Letzteren gehören namentlich: die Abschaffung des Mizwot-Vcrk'auss, des Auftufens mit Namen, der Mische-Berach oder das Verlesen der Haftara ohne den sogeuanten Trop etwas mehr als geschmacklose Melodie, die Todenfeicr oder das S e e l eugedäch tui ß (Haskarat Ncschamot) mit Cheralgcsängen und deutschen Gebeten re. — Wenn auch die Choralgesänge noch Vieles zu wünschen übrig lassen, so kann man sich doch der freudigen Hoffnung hingeben, daß mit der Zeit die noch vorhandenen Uebelstände erkannt und beseitigt, und noch manche zweckmäßige Ordnung zur Aufrechthaltung der Andacht und Ruhe beim Gottesdienste getroffen werden wird. — Doch nicht auf die zeitgemäße Umgestaltung des Gottesdienstes allein beschränkt. sich der Fortschritt dieser Gemeinde; auch für die Bildung der Jugend wird nach Kräften gesorgt, und findet überhaupt jedes Gute rmd Zeitgemäße hier leicht Anktaug, da. das Bewußtsein der Zeit längst erwacht, und dasselbe nicht durch hierarchische Zwaugsherrschast unterdrückt wird. Besonders aber muß man den Wohlthätigkeitssirur der dieser jüdischen Gemeinde hervorheben, der sich namentlich bei der allgemeinen Noth im vergangenen Winter bewahrt hat. Außer den Unterstützungen, welche der jüdischen Armrith ans der Gemeinde--Kasse zufließen, sind da noch zwei Vereine, ein Männer- und Frauen-Verein, zur Unterstützung der Armen in der hiesigen jüdische» Gemeinde, welche Beide zur Steuerung des Pauperismus wesentlich beitragen. — M. B. Kiffer, (Posen), den 19. September. Die auch in unserer Gegend günstig ausgefallene Erndte berechtigt uns zu der Hoffnung auf einen bessern Winter, als der mit Theurung und Noth geschwängerte vorjährige gewesen, unter dem namentlich Misere jüdischen Armen gelitten haben. — Alle Privat-Wohlthätigkeitm, alle hier bestandenen Hülss-Vereine reichten nicht hin, das unter dem jüdischen Protektorate geherrschte Elend ganz zu verdecken. — Bei dieser Gelegenheit kann ich eines Mannes nicht unerwähnt lassen, der cs in der That verdient, öffentlich genannt zu werden. Es ist dies der Herr Simon Lev y, dem die Ausübung der Nächsten-, liebe eine der ersten Pflichten ist, dessen hülfreiche Hand überall da ist, wo es gilt, Thräncu zu trocknen, Nackte zu bekleiden, Hungrige zu sättigen. — Er war es auch hauptsächlich, der in der letzten Thenrungszeit durch Ankäufe von Lebensmitteln den Armen der Stadt zu .Hülfe kam. Könnten wir doch derartige Männer viele in unserer Gemeinde zählen, denn unsere jüdischen „Großen" sind im Ganzen nicht sehr zum Wohlthun geneigt! — Seit Publicirüng des neuen Judengesetzes sind über dasselbe so viele Reflexionen — und namentlich in ihrem Blatte — gemacht worden^ daß es wohl über-

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