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Der Orient · 1847-10-08 · Heft 41 (8.10.1847) · p. Seite 324

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 41 (8.10.1847)
Date
1847-10-08
Page
Seite 324 (sequence 7)
Language
German
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gerr werden, aber viel ernster noch mahnt uns unser Gewissen , unfern Kindern dasjenige zu verschaffen, worin einst ihr größter Reichthum bestehen soll. Eltern in gleichen Perhälttrissen wird die Lauterkeit unserer Gesinnung nicht entgehen. In Bezug auf die andere Funktion unserS Lehrers,. das eigentliche „Schächten"„ haben wir schon oft gegen das Verfahren protestirt, denselben ungestört sein Amt verwalten zu lassen, da er schon seit einer Reihe von Jahren nicht bei einem Rabbiner die vorschriftsmäßige Prüfung abgehalten hat. Ohne dessen Befähigung zu diesem Amte in Abrede stellen zu wollen, können und müssen wir, gestützt auf die Urtheile aller Kasuisten auf die allgemeine Sitte aller Orte, daraus dringen , denselben von einem an erkan nien Rabbürcr Prüfen und von Zeit zu Zeit diese Prüfung wiederholen zu lassen. Dr. PH. wird vermöge seiner Principien eine solche Prüfung nicht vornehmen, da er es auch bei dem Magdeburger Schächter nicht thut. Dieses sind die vorzüglichen Punkte unserer jahrelangen Beschwerde, diemms Altgläubigen schon sehr viel Gut itnb Blut gekostet hat; aber wir werden diesen Kampf nach Recht und Gewissen weiter fortführcn, und behalten uns den weiteren Bericht über die Kultusverhältnisse unserer Dnodezgemeinde für die Zukunft vor. Berlin, 27. Sptbr. Fast in allen Provinzen Preußens wird gegenwärtig der Eid more judaico, der im alten Judengesetze freilich begründet ist, in Frage gestellt. In Königsberg, in Breslau, in Magdeburg und anderswo waren es theits die Schwörenden, theits die Rabbiner, welche gegen diesen das Judenthum schändenden Brauch protestiren, auf das neue Judengesetz Bezug nehmend, wo diese Eidcsform aufgehoben ist. Dagegen hat bereits die Behörde in Magdeburg erklärt, daß das neue Judengesetz nur die staatsrechtlichen Verhältnisse der Jude»! geordnet, mithin auf das civil- oder kriminalrcchtliche Verfahren ganz ohne Einfluß ist. Mau erwartet jedoch mit Bestimmtheit eine Resolution der höchsten Behörde in dieser Beziehung, und zwar eine zu Gunsten der Humanität, da bereits, sehr viele Petitionen zur gänzlichen Beseitigung dieses Schandflecken des Mittelalters eingelaufen sind. In diesem Augenblicke haben für diesen Gegenstand Dr. Philippson in Magdeburg und Dr. Geiger in Breslau die größte Thätigkcit für die Abschaffung entwickelt, und selbst die blindeste Orthodoxie wird dieses als rühmlich anerkennen müssen. Traurig und betrübend ist es aber, daß dieser Rest einer düstern Vergangenheit, der so offen und mit schreiendem Hasse den Israeliten verletzt, der unserm sittlichen Bewußtsein Hohn spricht und unsere Ehre mit schneidendem Spotte atschneidet, noch 1847 und in Preußen existiren kann. Der Judeneid hat, wie jeder Jurist sich-überzeugen kann, nicht in religiösem Jrrthume, nicht in der irrthmnlichen Religion, nicht im socialen Mißtrauen seine Wurzel, sondern lediglich in dem nackten Judenhasse. „Der Judeneid war , wie Stein in seiner neuesten Schrift richtig sagt, in der Hand des Judenhasses ein dreischn erdiges Schwert, um die Ehre, die Re ligi o n und das Rech t der Juden mit einem Mal zu verwunden". Nur der glühende und flammende Haß konnte in frühen Zeiten jene verhöhnenden Formen mit. dem Judeneide verbinden, daß uns bei deren Kunde Schauer und Entsetzen erfüllt. Bald mußte der Jude bei seinem Eide Unit einem Dornbüsche sich umgürten, um so den Ursprung der mosaischen Offenbarung an sich zu verhöhnen," bald mußte er bis an den Hals ins.Wasser gehen, um so die Taufe recht nah vorzuhalten, ffald mußte er sich ans einer Schweinshaut stellen, um dcttl Gelächter preiögegeben zrr sein, bald endlich mußte er religiöse Formen vornehmen, die weiter keine andere Absicht hatten, als den Juden auf das Tiefste zu kränken und seine Ehre, seine Religion und sein Recht in Frage zu stellen. Möge wart so recht von allen Seiten gegen diesen Schandflecken ankämpsen, mögen hierin alle Parteien sich einigen, denn es gilt hier die Ehre, die Religion, das Recht Aller. Auch viele Gemeinden in außerpreußischen Staaten kämpfen jetzt rüstig gegen diese Schmach au. Regierungs-Bezirk Bromberg, 22. Sptbr. In Nr. 14 verspricht Ihr Korrespondent W. ans Posen nächstens auch die jüdischen Gemeinden im Regierungsbezirk B r o m berg eine Revue passiren zu lassen; es werden gewiß viele Leser des „Orient", namentlich die Bewohner des hiesigen Regierungsbezirks, theits mit bangen, Heils mit freudigen Gefühlen, der Fortsetzung der Revue entgegeugesehen haben. Ich glaube daher dem Wunsche vieler Leser entgegenzukommen, wenn ich über einige jüdische Gemeinden referire; ich fange mit der Gemeinde zu Jnowrazlaw an. . Das Seelenheil dieser zahlreichen jüdischen Gemeinde ist den Händen des in Nr. 37 d. O. als großen Talmudisten gerühmten Rabbiners anvertraut. Dieser der strengsten Orthodoxie huldigende Nabbiller glaubt durch sein Talmudstudium das geistige Wohl seiner Gemeinde zu befördern; er gehört ganz zu dem alten Schlage, und es kann daher nicht befremden, wenn er jeden Minhag (Brauch) zur Halacha stempelt und Alles, was nach Neu- Rabbinerthum riecht, als irreligiös und antijüdisch erklärt, wenn es noch so sehr das geistige Element seiner Gemeinde fördert. — Er hat besonders eine große Abneigung gegen die neuer: Rabbiner und Prediger, und folgendes Geschichtcheu ist eins von Vielen. Als im Juni , d. I. der Rabbinatskandidat Dr. Krakauer in Juowraztaw eine Gast-Predigt abhalteu wollte, bestrebte sich der fromme Rabbiner aus allen Kräften,- dieses große Unheil von seiner Gemeinde abzuwenden. Und wissen ^Sie auf welche Weise? Er ließ an dem Sabbat, an

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