Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1847)
- Date
- 1847-10-08
- Page
- Seite 322 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeinden und Rabbiner existiren, noch nie ein Niabbi- 3ier in einer Gemeinde anSznstehen gehabt. Wenn nicht c|in\ unter allen Gemeinden Israels, so hat Wr. wenigstens unter ben Gemeinden des Großherzogthums das schwärzeste Blattim Bncheder Geschichte. „Und mit blutrothcr Schrift ist auf jenem Blatte es verzeichnet, ,Mas an Gebhard Schreckliches es ge t Han"! — Der Herr, der Gnade übt, mag ihre Schuld tilgen und ihnen Verzeihung angcdeihen lassen! — Nun schließlich noch Einiges von hier. Unser Brüderverein hat am S ech or Ber it sein neues Betlokal, das aufs Geschmackvollste dekorirt ist,.cingeweiht. Am ersten Nelljahrstage hat ein gewisser Herr Dr. Kaloarie aus Breslau gepredigt. Der Gottesdienst ist uwdernisirt. Ein ans Krotoschin hierherbernfener (und wie man sagt, ans dem Wiener Conservatorinm ausge- Inldeter) junger Mann, Namens Rittermann, ist als Vorbcter cngagirt. Er hat ein Chor eingeübt, welch, s aber, wie die Mitglieder des Vereins selbst eingestehen, noch Vieles zn wünschen übrig läßt. Im neuen Statut des Brüdcrvereins befindet sich ein tz., nach welchen! nichtnaturalisirte Juden in den Vercm nicht aufgenoniincn werden können. Nun, da haben wir es. Erst beklagt und beschwert man sich darüber, daß der Staat die Juden des Großherzegthums in ,,naturalisirte" und ,,nichtnaturalisirte" scheidet , und nun gefällt mau sich gar darin, selbst diesen Unterschied zu machen. — Wie? -Schämt ihr Euch etwa, mit Eurem nicht natural isirten Bruder zusammen zu beten? Oder wollet ihr ihn darum in Eurem Verband nicht an sne huren, weil ihr ihn Hinsichtlich deS zu zahlenden Beitrags nicht für so sicher haltet, wie den, welcher mit einem Natnralisationspatente oersehen? — Oder geht ihr etwa in eurem blöden Dünkel so weit, daß ihr glaubet, jener saubere Paragraph in euren Statuten werde den noch nicht naturalisirten Juden unserer Gemeinde zum Sporen dienen , sich der Naturalisation fähig zu machen um nur in eure Chew're Aufnahme fmden zu können?— Wenn ihr das glaubt, so seid ihr mehr zu bedauern als zu verlachen. — Aber ist es je erhört worden? Juden sollen ihre eigenen Brüder ans diese Weise zurück'setzen? und das in der Nutte des neunzehnten Jahrhunderts? und das in einem Lande wie Preußen? und das kurz nach einem elfwöchentlichen Landtage, wo fast von weiter Nichts, als von Toleranz sind Nächstenliebe gesprochen worden? — O/Herr, verzeihe ihnen! denn ln ihrem Dünkel wissen sie nicht, rv.as sie thun. — In dem für die 2^ zu einem Betlekale umgeschaffenen Saat der jüdischen Nesonree hat Hr. Dr. Cracau er, der jetzt hier ansäßig ist, an beiden Neujahrstagen als Prediger fungirt und wird er dieses Amt hoffentlich auch anr VersöhnuirgStage verrichten. — Daß der Brüdcrverein diesen Herrn übergangen, ist ein bis jetzt noch nicht gelöstes Räthsel. — Der Miniaturrefenngottesdienst, welcher voriges Jahr an rn und 2"' im Saale des isracl. Handlungs-Diener-Jnstitnts äbgehalten wurde, ist Heuer unterblieben, und. das hat zur Folge, daß unser Dr. Sachs diesmal während der heiligen Tage ganz brach liegt. — In unfern beiden großen Synagogen (Alte und Nene Schule) giebt es am Neujahrs- und VersöhmmgSscste gar keine Predigt, weder vom OR. noch von Herrn. P l e ßner. Es soll eine alte ,1^51 bestehen, nach welcher jeder ETH an den □\nt)J DV31 in den genannten Schulen streng verboten ist. Daß solche Observanzen noch immer aufrecht erhalten werden! :— W. äArrcdlLnburg, tm Sptbr. Gestatten Sie, Herr .Redakteur, die Spalten Ihres Blattes der folgenden 'Schilderung eines Kampfes, der zunächst ein rein persönlicher und individueller zu sein scheint, der aber zugleich ein getreues Bild unserer religiösen Gemcindeverhältnisse darbietet, wovon gerade aus Unserer Provinz so Weniges vorden Richterstnhl devOeffentlichkeit kommt. Gestatten Sie gemäß Ihrer llrpartheilichkeit einigen durch Zwietracht und Hader sehr gebeugten Männern ihren Brüdern ein warnendes Beispiel aufzustcllen, auf welche Weise zuweilen in kleinern der Bildung nnd Wissenschaft mehr oder weniger baaren Gemeinden Reformen und Neuerungen festgestetlt und durchgeführt werden. Seitdem das Losungswort der Freiheit und Ungebundenheit aus dem Westen zu uns hcrübergekemmen, ist wohl keine größere oder kleinere jüdische Gemeinde frei von Mitgliedern, deren Verband mit -den übrigen nur ein äußerer und loser ist, die sich vielmehr in religiöser und socialer Beziehung größtentheilö von ihnen abgewendet haben. Wenn nun auch diese Auflösung des-innern geistigen Bandes der Gemeinden einen Jeden mit Schmerz erfüllen muß/ so kann man diesen Bestrebungen doch so lange willfahren, als solche.Geistesverwandte sich in dem engcrn Kreise des Privatlebens mit einander verbinden mit» ihren Ideen der Zeit, und ihrer «Losirung deS Augenblickes nicht das ganz unfWfche Geschäft der Proselytenmacherei hmzufügen. Wenn solchem Treiben aber der Charakter der Oeffentlichkeit gegeben wird, wenn solchen Geistes Kindern durch alle mögliche Mittel ihre durch die Nachahmungssucht eines fremden ReligiouskultuS diktirten Aendernngen des alten überkommenen Gebrauchs durchzusetzen suchen, wenn, ohne Urtheilc. anerkannter jüdischer Gelehrten eingehott zu »verden, höchst willkürlich mit dern Heiligsten Spiel getrieben wird, so ist es die Pflicht des Gewissenhaften, sich solcher Ungebluidenheit mit allen Kräsien en tgegenzustetlen und solchen! Ansinnen sich aufs Llllerentschiedenste zu widcrsetzen. Hier in unsrer kleinen Gemeinde'hat diese Ncnerungssucht sich leider schon vieler bemächtigt, ebenso entschieden aber ist der Entschluß der Altgläubigen, die Heiligkeit des Herkommens zu wahren und zur Aufrecht-