Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1847)
- Date
- 1847-10-08
- Page
- Seite 321 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Achter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Manabonnirtbei allen!öbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. ... für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Für«. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig § 41. Leipzig, dm 8. Oktober 184V. Inhalt. /Deutschland. Posen. Berichte über Posen, Rawicz, Lissa, Gnesen, Krotoschin, Wrescherr, über Hirschfeld,. Gebhardt, Krakauer, Pleßner u. A. Quedlinburg. Jüdische Bedrückungen und jüdische Intoleranz von Seiten der Modernen. Der Kaddisch-Prozeß. Berlin. Die neuesten: Kampfe über den Jubeneid. Bromberg. Jüdische Zustände in diesem Regierungsbezirk. Die Gemeinden Jnowrazlaw und Strzelno. Finsterniß und Licht. Lisfa. Zustände dieser Gemeinde. Bay ern. Ueber jüd. Witwenkassen. — Oesterreich. Turnau (in Böhmen). Fortschritt und Predigt. — Italien. Rom. Zustände der Juden daselbst. — Dichtungen von I. Sachs in Walldarf. — LB. d. Or. Deutschland. Poserr, Mitte Sptbr» Die Anzahl der modernen Rabbiner hat sich in unserer Provinz um Einen vermehrt. Die jüdische Gemeinde zu Filehne hat in der Person des Dr. Stein (bisher Seminarlchrer in Cassel) einen Rabbiner und Prediger engagirt. Die Wahl ist ohne Polizei und ohne Vcsioriette von Statten gegangen, ein Faktum, das in unfern Zeiten gewiß ein achtes Weltwunder genannt zu werden verdient. Ob Herr Stein nicht aber später noch auf Steine stoßen wird, wollen wir der Zukunft anheimgestellt sein lassen. Wir wünschen ihm Ruhe in seiner Gemeinde und Glück in seinem Wirken. Krotoschin ist noch immer ohne Rabbiner. Der Krakusenskandal vom Winter v. I. scheint ihnen den Appetit verlegt zu haben, zu einer neuen Wahl zu schreiten. Und so ist denn Alles wieder beim Alten ge blieber: — ein Uebel rein deutscher Natur. — In der letzten Zeit hieß es, daß Dr. Hirsch feld tu Wollstein das Krotoschiner Rabbinat erhalten werde; jetzt heißt es aber wieder, Dr.-H. sei nach Bromberg berufen. — Jir Lissa ist die Synagoge aufs Geschmackvollste restaurirt worden. Das Herauftückeu des Almemars bis nahe vor das Aron ha-Kodesch wa,r die einzige Neuerung, die der Vorsteher sich erlaubte, und darob sollen die Orth odoren ein Zeter erhoben haben, als wenn Gott weiß was geschehen wäre. So steht es um die Lissaer Aufklärung. — Ihr dortiger Korrespondent, Herr B., hat eine gewandtere Feder und mag ihnen hierüber ein Näheres mittheiten. — Raw iez laborirt noch immer au der Rabbiner- und Cantorlosigkeit. Doch besser dieses kleine Uebel, als die bei weitem größern, welche oft durch die voreilige Wahl eines nnjüdischenRabbi's od. Chasan's herbeigeführt werden. Die Rawitscher können in dieser Beziehung auch ein nettes Geschichtchcn erzählen, wenn sie sich nur an die Jahre 1836—40 zurückerinnern. In einer der dortigen Chebro's wird von einem gewissen Herrn S. Braun (wenn wir nicht irren, Mitarbeiter des Litemturbtattes) das Wort Gottes in deutscher Sprache verkündigt. — G n e sen hat so zu sagen sein Schäfchen im Trocknen. Das Licht hat über die Finsterniß den Sieg davongetragen und der würdige und talentvolle Dr. Gebhardt ist zum Rabbiner und Prediger engagirt. Die Finsterlinge müssen schweigen und wer G. nicht hören mag, kann hübsch ruhig daheim bleiben. Es geht ohne ihn auch. O cö geht sehr gut. Wie gut wät?s, wenn man überall die Schwarzen aus der Synagoge bannen könnte l Sie stören so nur beim Gottesdienste, bald durch Plaudern, bald durch zu lautes Schreien der Gebete, u. s. w. — Die Gemeinde von Wreschen sitzt einsam und trauert. Ihr Witwcnthum wird wohl sehr tauge währen. Denn wo dürfte sich wohl bald Einer finden, der kühn genug wäre in den Abgrund sich zu stürzen, wo Dr. Gebhard ftst znm Märtyrer geworden? — Was Gebhard in Wuschen gelitten, das hat, so lange jüdische - 41