Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1847)
- Date
- 1847-10-01
- Page
- Seite 319 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 319 — Freitag darauf ward seine irdische Hülle feierlich zu Grabe bestattet. Die Leiche wurde nämlich in die Synagoge getragen, in welcher seine Stelle und die Lade schwarz bedeckt waren,, und der Beuthuer Rabbiner eine gemntherrcgende j geistvolle Rede hielt. Von hier aus bewegte sich -der Zug, der. außer den Stadtleuten noch viele Menschen der Umgegend und die hohen Standeö-- personcn der Lublinitzer Christen enthielt, längsten dem Friedhofe zu, wo die Rabbinen ans Tarnowitz und Peiö-- kretfcham Trauerreden hielten. Dann wurde der Leichnam in die Gruft gesenkt. nmyi rODiZn! I S.. I t a l i e n. Ein voll der ' Eidgenössischen Zeituilg mitgetheiltcs Privatschreibeil eines Italieners über die Volkssestlich-- keiten, welche in den letzter. Tagen in Livorno stattgesunden , sagt am Schlüsse: „Noch muß ich Ihnen erzählen, daß unter den vielen Aussöhnungen auch die Verbrüderung der Christen mit den Juden stattgefunden hat. Folgende fasi von allen christlichen Einwohnern unserer Stadt unterschriebene Bittschrift ist jüngster Tage der Negierung eingereicht worden: ,,Indem die Unterzeichneten wissen, daß die israelitische Behörde in Livorno sich vornimmt, die grcstherzogl. Negierrmg um die bürgerliche und politische Einancipatiou aller Israeliten in Toscana-zu ersucheu, so erklären wir hiermit als. unsere aufrichtige Meinung, daß die Einführung einer selchell Maßregel ein Akt der Meilschlichkeit und Gerechtigkeit wäre und nur zmu Nutzen'und Vortheil des Staats gereichen könnte. Unsere Wünsche gehen daher ebenfalls dahin, daß ihr Gesuch so schnell als möglich möge bewilligt werden"'.; (D. A.' Z.) Der Fahnenträger. Als einst der Hasmonäer Schaar Gen Ziön hin gezogen war, Von Glaubcnsmruh geschwellt die Brust Verrrau'nd auf Gott voll Kampfeslust Da nahm der Makkabäer Held Ein weißes Banner mit ins Feld. Gestickt war drauf in goldner Pracht „Wer ist o Herr dir gleich an Mach!!'"*) Und wenn die Fahne sie erblickt, Von mächr'gen Feinden fast erdrückt, Da hob sich' der gesunk'ne Muth,' Der Kampf begann mit neuer Wuth. So ward gewannen manche Schlacht; Doch alles war noch nicht vollbracht: .Die Gottesstü'tl' und der Altar Noch in des Feindes Händen war. D'rum zogen sie nach Zion hin, Auf Gott vertrau'nd mit gläub'grm Sinn, Und jeder wollt' sein Herzensblut Vergießen für dies theu're Gut. Und als der h-eil'gen Gottcsstadt, *) ,-T Q'VtO rD03 D. Der kleine Haufe sich genaht, ' So sieht er von des Tempels Höh'n Des Feindes Banner höhnisch weh'n Mit Götzenbildern frech bemahlt — Vom Sonnenlichte grad bestrahlt — Und manches Aug' die Thrän' zerdrückt, Das muthig in den Tod geblickt, Auch Juda sieht's, der ^Feldherr der Hebräer, Der kühne Leu, genannt der Makkabäer Er sieht's — voll Grimm und Schmerz—und mächtig fühlt er sich erschüttert, Er zieht das sieggewohnte Schwerdt, vor dem der Feind erzittert; Seht, Freunde, ruft er laut, dies uns verhaßte Zeichen. Mit Gottes Hilfe solls dem Heilgen Banner weichen. Wir wollen siegen und den Feind verderben Wenn nicht — für Gott und unsren Glauben sterben! „Wir folgen Dir, ziehst Du voran, Wir folgen Dir und deiner Fahn', Wir folgen Dir voll Freudigkeit, Wir haben, ganz-uns Gott geweih't!" So ruft der Krieger Chor mit wilder Lust Und höher schlägt das Herz in jeder Brust, ' Das Auge glänzt, die Wange glüh't, Ein himmlisch Feuer sie durchzieht. Und Juda faßt die Fahn' mit kräfl'ger Hand, Und spricht zu einem Krieger nun gewandt „Nimm hin, du junges tapf'ns edles Schwerdt,' Du hast in manchem Kampf dich schon bewährt; Betracht sie als ein Gut von Gott durch mich gegeben, Bewahr' sie treu, und lass' sie nur mit deinem Leben, Und dieser hierauf spricht: „Die Fahne lass' ich nicht So lange Kraft in meinen Sehnen, So lange meine Pulse schlagen, Die Glieder nicht den Dienst versagen, So lang das Augl in seiner Höhle, So lang im Körper noch die Seele So lange — soll man mir die Fahn' nicht rauben, Ich schwörs beim cin'gen Gott, und meinem Glauben."" Und als des Jünglings feierlicher Schwur zu Ende, Herrscht tiefe Still' im Kreis, Makkabi springb behende Herab vom Roß — er sinkt auf's Knie den feuchten Blick nach oben Zum Schöpfer alles Heils, zum einig ein'gen Gott erhoben. Er fleht — „O! Herr'Dein ist die Macht, Verlaß uns nicht in dieser Schlacht! O! Laß den Lichtstrahl, deiner Gnade Begleiten uns auf.uns'rem Pfade, Und sind wir auch ob meiner Schuld Unwürdig Deiner Vaterhuld, Der Heiden willen, die dein Heiligthum entehren, Wirft Du Allgnad'ger unser heißes Fleh'n erhören." Gestärkt erhebt er sich — er drückt den Kriegern allen Nochmals die kräfl'ge Hand — hierauf läßt er erschallen Drommeten! — „Bannerträger, denke Deiner Pflicht. Ruft er — Gott ist mit uns — wir weichen nicht! Die Schwerdtrr klirren aus den Schemen, Und vorwärts geht es gegen die Heiden. -~ Die mächr'gen Feinde aber auf dem Wall Betrachten lächelnd fast des Haufens kleine Zahl. Doch schneller als die Blitze eilen, Ersteigen sie den Wall, den steilen, Makkabi stets voran — der Bannerträger nach