Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1847)
- Date
- 1847-10-01
- Page
- Seite 318 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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wahrer Überzeugung auch mit meinen schwachen Kräften gewirkt Zn haben. Mit dieser Erinnerung wird stets das Andenken an den Beweis der schätzbaren Anerkennung geknüpft sein, welche Sie, meine Herren, im Namen der Israelitischen Gemeinde in Stettin in der übersandten Adresse mlszudrücken mir die Ehre erzeigt haben. Mahttwitz den 8. Juli 1847. (gez.>von G'o t tb erg, Landtagsabgeordneter. Antwort des Herrn Grasen von S ch w er i n auf die quest. Adresse. ' Der israelitischen Gemeinde zu Stettin spreche ich hiermit meinen ergebensten Dank für die mir übersandte Adresse vom 30. Juni aus. — Ansrichtig wünsche ich, daß der Zeitpunkt bald kommen möge, wo der Kreis der bürgerlichen und politischen Rechte auch der Staatsbürger jüdischen Glaubensbekenntnisses sich erweitert. Wenn die Berhandlungeir des vereinigten Landtags dazu beizntragen im Stande fein sollten, wie ich es allerdings hoffe, so würde eö mir auch noch für spätere Zeit stets eine angenehme Rückerinnerung sein, auch meinerseits' dazu mitgewirkt zu-haben. Ihre zierlich ausgestattete Adresse wird mir aber auch als ein äußeres Andenken an diese Zeit stets werth bleiben. — Genehmigen Sie schließlich die Versicherung der besonderen Achtung, mit der ich mich unterzeichne, als Ihr ergebener (gez.) Graf von Schwerin. Putsar den 24.'Juli 1847. Fiirth, 10. September. Seit einer Reihe von Jahren ist die hiesige Jud e n gern e i n d e, die bedeuterrdfle in Baiern, in zwei Parteien gespaltet. Ost schon wurde eine Ausgleichung versucht, jeder'Versuch aber scheiterte au der Hartnäckigkeit Derjenigen, welche, an veralteten Fermen sich fest klammernd, die Appellation an die Vernunft und an höhere Weltanschauung verwerfen. Der hiesige Rabbiner, welcher für gewisse Reformen mclinirt, obwohl er noch fern ist von dem anzustrebmden Ziel, war von jeher dem Argwohne dieser Partei, die unter dem Namen die schwarze bekannt, ausgesetzt. Gab doch die Denuneiatien eines alten Weibes, den Rabbiner an einem Sonnabend eine Rose abbrechen gesehen zu haben, einen Anhaltepnnkr zur Klage von Seiten seiner Feinde, die willfähriges Ohr fand, da, wo man solche kleinliche Umtriebe hätte abweiseu sollen. Acrger wurde diese Partei wohl nicht kensternirt, als daß der Advokat G. (nebenbeigesagt der einzige rechtsgelchrte Jude, der in Baiern noch unter König Mar zur Advokatur gelassen wurde) dieser Tage sein gestorbenes Söhnchcn fernen ließ und die Beerdigung 48 Stunden lang verschob. "Dieser unerhörte Fall, der erste in Baiern, setzte alle RechtSglaubige in Aufregung. Die Brüderschaft aus denselben, welche alle Beerdigungen übernimmt, war außer sich und hielt mehrere Derathungen über den eine Menge bisher getreulich gepflegter Vorurtheile über den Haufen, werfenden Vorfall. Vergebens waren alle Bemühungen,-sie scheiterten an willensfähiger Konsequenz, und zuletzt fügte man sich in daS Unabwendbare. (Gen.-Anz.) Lublinitz, 18. Sptbr. (Nekrolog.) Aus unserer Mitte ist wieder ein Mann geschieden, an dem die Orthodoxie einen der ihrigen und die Welt einen Menschen im wahren Sinne des Wortes verloren Hatz eS ist der Rabbiner zu Lublinitz, Jakob Caro. Dieser sehr achtimgswürdige Mann wurde 1802. in Gr.-Glogan der eben so angesehenen, als anständigen Familie Karo oder Kro geboren. Er erhielt eine gediegene Erziehung, und brachte es im Talmud so weit, daß er schon mit seinem dreizehnten Jahre ans die Jeschi ba nach Rawicz gehen konnte. Hier blieb er sechs Jahre, bis er, versehen mit der Hattara vom dasigen Rabbiner und dem Bet-Din von Lissa, — zu denen er noch eine vom Oberrabbiner Akiba Eg er aus Posen erhielt, — nach Bojancw heirathete. Nachdem er sich dort fünf Jahre in stiller Einsamkeit mit dem Studium des Talmuds beschäftigt hatte, folgte er dem Rufe als Rabbiner nach Lublinitz, welches Amt er segensreich bis zu seinem Tode verwaltete. .Während der 21 Jahre seines Nabbinats wirkte er wohlthätig nach innen und außen, gab seiner Gemeinde feste Statuten und verschaffte ihr und sich dadurch einen solchen Ruf, daß er zu wiederholten Malen ansgefordert wurde, der Hirt so' mancher Gemeinde zu werden, was er jedoch ablehnte. Seine Wohlthätigkeit und Güte war groß; er war der Annen Stütze, der Wittwen und Waisen Vater, der Bedrückten Retter und der Unschuld Verfechter. Besonders wohlthätig aber war er gegen seine Schüler, die er nicht nur unentgeldlich unterrichtete und mit Wohlthaten überhäufte, sondern auch noch dann, wenn^sie ihn verlassen hatten, wo cs möglich war, mit Rath und That unterstützte; darum hatte er auch immer viele Schüler, die jetzt in weiter Feme in stiller Einsamkeit ihm eine Thrane weinen werden. Seine Gerechtigkeit hatte sich einen Ruf verschafft, und mau kam weit her um seine Schlichtung zu beanspruchen, welche er unentgeldltch vollzog, denn sein Biedersinn kannte keinen Eigennutz. Obgleich streng orthodox, war er doch nachsichtig und vorurteilsfrei gegen Andere, und er trat nur darum-'bald anfangs gegen G. und 2(. auss, weil er wußte, daß ihr frommes Auftreten eitle Verstellung rrnd Heuchelei sei, die er durchaus nicht auostehen konnte, und daß später das Bittere kommt würde, wie es sich auch jetzt Heratlsstellt. Durch so viele gute Eigenschaften erwarb er sich die Zuneigung, Achtung und Liebe aller Menschen, selbst der hohen Behörden, die sic dadurch zu erkennen gaben, daß sie oft sein Gutachten cinholten. Er .starb Zum großen Schmerz der Welt, nachdem er in so kurzer Zeit mehr als Greise gewirkt hat, nach achttägigen, Krankerrlager Mitwoch den 13. Elnl im 45. Jahre seines Lebens an der Ruhr.