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Der Orient · 1847-10-01 · Heft 40 (1.10.1847) · p. Seite 316

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 40 (1.10.1847)
Date
1847-10-01
Page
Seite 316 (sequence 7)
Language
German
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Ausländern zugängig.' Wenn nun ein. französischer oderenglischer Jude .nach Dresden. oder nach Altmlmrg zum Markte käme und er wurde,--/weil er -Jude ist, ansgewiesen, wurden die-französischen und englischen Regierungen keine Einsprache, dagegenerheben? —Ich möchte wohl nach-einem solchen Verfalle das Urthcil der ftanzosischenZeitungen über die Toleranz des sogenannten liberalen Sachsen - lesenl Wir begrüßenjetzt mit Freude ein neues Gesetz, welches die jüdischen mit den christlichen Preußen säst gleichstellt, und - wahrlich,; wir Biiiicti es der Wettnicht laut gemlgverkünden-,- wie stolz wir sind,--Preußen zu sein. Blicken wir-aber auf. die nächsten Nachbarstaaten und erfahren, . fciimv über ihre Grenze getreten, eine Beleidigung, - so muß uns dies um so mehr kränken,, jemehr wir in der Heimath die Anerkennung unseres Werthes erhalten haben. — Sachsen verdankt den: p r e u ßi s ch en Zollvereine die Größe seiner Industrie, seines Handels; aber wie danktes uns für diese Wohlthat? Was wäre Leipzig ohne die polnischen und preußischen Juden? Der Jude, der von den Grenzen Asiens , der tief cms den Steppen Rußlands das Pelzwerk nach Leipzig bringt; der Jude, der aus Nordamerika die Produkte Virgiuiens, aus dem Großherzogthume Posen die Felle, die Borsten zum Austausch herbeischäfft, der giebt eurem Kl ein-P aris den Werth einer Messe: nicht die Kommerzienräthe, die daheim vierhundert Weber für sich arbeiten lassen, damit man in der Messe im Hotel de Pologne Champagner trinken kann. Eure Herren aus Chemnitz werden die Leipziger Messe nicht halten, wenn sie zu Falle kommt; das Manufaktur-Geschäft spielt heute eine traurige Rolle, und wahrlich, noch trauriger stünde es damit, gäbe es keine Handelsjuden und Krämer, die eure überprodueirteMaaren wegen eines erbärmlichen Verdienstes nach den Jahrmärkten zum Verkauf brächten; gäbe sich nicht derJnde zum Colporteur eurer Kattmie und Tücher her. — Je mehr wir von unserer eigenen Regierung als Bürger anerkannt und mit den christlichen Bürgern gleichgestellt werden, um fo. mehr ist es unsere Aufgabe, auch uns die Rechte, die den Preußen' in ganz Deutschland zustehen, zuerkenucn zu lassen. Es ist an der Zeit, daß die jüdischen Preußen verlangen, daß jüdische Gesellen so gut -wie christliche in ganz Deutschland Arbeit und Ausbildung erlangen können; daß die jüdischen Kaufleute, Fabrikanten und Krämer in Sachsen und Altenbrn'g die Märkte beziehendürfen, denn durch jenes Verbot sind diepreußischen Fabrikate von den sächsischen Märkten, wenn auch indirekt ausgeschlossen, was völlig gegen die Grundsätze' des Zollvereins verstößt und einer Absperrung gleichkommt. — Wenn auf einer tausend M eitön entfernten Insel der Südsee ein engsischer Matrose beleidigt wird, so erhebt sich die gesammte englische Presse dagegen und seine Regierung verschafft ihm Germgthmmg. Wenn in-Deutschlanddie Interessen von tausend fleißigen und friedlichen' Bürgernfeit dreißig Jahren aufs Schmählichste verletzt werden, .-erhebt .sich - nicht c tue Stimme,' geduldig erträgt man die Schmach. Es wäre aber. erbärmlich, wenn wir Juden jetzt .nach. Erlaß des neuen. Gesetzes, nicht als Preußen .aMändeu. und uns-die Achtung - im Anstande, erzwingen -wollten, die uns in der Heimath freiwillig zuerkannt wurde und. aufdie wir als Preußen - .als Bürger eines großen Reichs, Anspruch/machen kennen. . : , David Vorn. Berlin, 21. Sptbr. In Folge des. neuen Jud en ge se tz es, .wie es ans den Verhandlungen des Vereinigten Landtags/amendirt hervorgegangen, hat.-der. Andrang junger jüdischer Gelehrtenzu den Universitätsdvccntenstellen namentlich bei der berliner Hochsthu.le ans eine überraschende Weise zugenonunen, und es liegen der . letztem jetzt verschiedene solcher Habilitätsgesuche vor, die auch wahrscheinlich die Genehmigung der Universität ititb der höher» Unterrichtsbehörde finden dürften. Nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes Haben die preußischen Universitäten, ,,so weit es ihre bestehenden Statuten zulassen", jüdische Doeentm innerhalb der dabei vorgezeichneten Grenzen zuzulassen. Es dürfte aber gerade, die berliner Universität unter den/preußischen die einzige sein, deren Statuten, nicht eine ausdrückliche-Verpflichtung auf das christliche Bekenntniß bedingen, und deshalb scheint jetzt auch die hiesige Universität vorzugsweise der Coneentrationspmlkt jüdischer Capaeitäten und ihrer. Bewerbungen werden zu wollen. Andere preußische Universitäten, namentlich die breslauer, haben jetzt..,gerade in dieser Beziehung auf ihre .Statuten mehre dringende und sonst wohlbegründete Habititationsgesuche jüdischer Gelehrten zurückweisen mi'lssen, und sollen mit dem Unterrichtsministerium tit Unterhandlung darüber getreten sein , ob ihnen nicht eine Veränderung ihrer Statuten in diesem Punkte nachgelassen werden dürfte. (D.A.Z.) Frerrrkfurt a. M. , 21. Sptbr. Es gereicht uns zum Vergnügen, in Beziehung auf den jüngsten hiesigen Korrespondenz-Artikel mittheiten zu können,..daß unser Rabbiner die in-diesem Artikel gerügten Reformen,, auf die Reklamationen vieler Gemeinde-Mitglieder, zur ü ck g e n o m m e n, und sich. damit begnügte, dem Umip'ne Chataenu-Gebet eine den Zeitbegrissen angemessene. Form zu gebenso daß der Gottesdienst am gestrigen Versöhnnngstag auf die herkömmliche Weise.feierlich und würdig zur Erbauung aller Anwesenden stattsand. Möge derselbe für seine geistige und geistliche.Regsamkeit nunmehr einen andern Boden zu . erwerben suchen, aus dem 7 für das Judenthnm und für die Wissenschaft gedeihlichere -Früchte zu erzielen sind; feine Geistesschwingm ruhten lange genug in der staubigen Atmosphäre der Synagoge, „und nur derjenige Boden ist sicher, auf welchem man weiter sch reitet, nicht der, auf dem man sich niederlaßt^. — Die drei Vorträge, die unser Rab-

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