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Der Orient · 1847-10-01 · Heft 40 (1.10.1847) · p. Seite 315

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 40 (1.10.1847)
Date
1847-10-01
Page
Seite 315 (sequence 5)
Language
German
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315 einer solchen Gemeinde wird sich doch etwa nicht Rabbiner schimpfen lassen! — Dieser Vorschlag müßte, wenn bei den Parteiencin ernstes Streben nach endlichem Frieden vorwaltet, angenommen werden, 'cranial, weil der Gemeinde ein zweiter Rabbiner ihrem Umfange nach unentbehrlich ist, und zweitens, weil Geiger als erster Prediger seinerseits mit der Zeit znm Guten unter denjenigen Gemeindemitgliedern wirken wird, die eine radikale Abschaffung alles Bestehenden im Judenthume herbeiwm,scheu. Sein kri- Lisirender Geist wird, wenn dessen Sonne sich neigen wird, endlich sich selbst Hand anlegeu und so sich znm Guter: und Bessern wandeln, dann wird er diejenigen, die er durch Wort und ThaL auf Abwege geleitet, wieder zurnckznfnhren wissen. Um jedoch allen ferner« Reibungen vorznbengen, dürste es unverzüglich nothig sein, einen der Breslauer Gemeinde würdigen und angemessenen Ober t abbine u zu instatliren, der ohne Zweifel, wenn er besonders noch der konservativen Richtung im Judenthume angehört, auch von sämmtlichen schlesischen Gemeinden als geistiges Oberhaupt anerkannt werden wird. Welche Funktionen, äußer den rabbinischen, demselben noch zu übertragen sein dürsten, mag hier unerörtert bleiben; hierüber werden die Repräsentanten und Verwaltnngsbeamtm der Breslauer Gemeinde, die (wenn diese beiden Kollegien nicht, wie es in der Regel bei einer ersten Wahl der F a l t z u se i n p fl e g t, ans Männern mit gefüllten Geldsäcken und Leeren Köpfen zusammengesetzt sind) — Männer, begabt mit Verstand, Charakter und . Biedersinn sein werden, besser zu entscheiden wissen. * Somit wäre jeder Stein des Anstoßes beseitigt und an seinen Platz gebracht, jeder Neid und Anlaß zur Zwietracht im Keime erstickt, und Friede und Eintracht einer Gemeinde endlich gegeben, die deren Wohtthaten allzulange schon gar sichtbar entbehrt hat. Berlin, 15. Ang. (Brest. Zeit.) Wenn wir die letzten siebzehn Jahre überschauen und die Siege ermessen, welche der Fortschritt in Deutschland errungen, ..so muß es uns wundern,-wenn einzelne Länder, besonders solche, die mit ihrem Liberalismus am meisten prahlen, sich stemmen, alte Vorurtheite niederzurcißen. Von allen deutschen Staaten hat keiner seit Begründung des Zollvereins so erstaunliche Vortheile davor: gehabt als Sachsen; besonders ist es die Stadt Leipzig, welche unermeßlich an Neichthnm gewonnen hat. Naumburg, Kassel und Frankfurt a. M. haben ihren Werth als Meßplatz verloren; Braunschweig und Frankfurt a. d. O. gehen von Jahr zu Jahr immer mehr ihrem Ruin entgegen, dagegen steigen die Miethen in Leipzig jede Messe. Während Preußen durch Gründung des Zollvereins in Betreff seiner Messen solch große Opfer gebracht, wovon Sachsen allein den Vortheil zieht, sind preußische Bürger den ärgsten Beschräukrlngen in Sachsen nnterworsen. In Leipzig dürfen keine Inden, sie mögen Handelsleute, Kaufteute oder Fabrikanten sein, während der Messe auf offener Straße oder in Buden rüder Stadt feilhalteu, sie dürfen nur in Gewölben oder im Innern der Häuser ihre Maaren ansstellen. Den jüdischen Detail-Händlern oder Krämern'ist es nur'gestattet, außer dem Thore während der Handelswoche feit zu haben und die -Verkaufszeit wird nur gegen jedeSmalige Genehmigung des hohen RathS auf einige Tage in der Zahlwoche verlängert, wenn während der Handelswoche jüdische Feiertage fallen. Inden sind von allen-Jahrmärkten im ganzen Königreich Sachsen und in Alteribnrg ausgeschlossen. Jüdische Handwerksgesellen dürfen dort nicht arbeiten, sie müsse»: sofort das Land verlassen. Die sächsischen Händler und Fabrikanten genießen in allen Zollvereins-Staaten ans Messen und Märkten gleiche Rechte wie die ^ulcin^er^ Wir sehen - die kleinen sächsischen Fabrikanten selbst bis in die schlesischen Fabrik-Distrikte mit ihren baumwollenen Waaren die Märkte beziehen; warum sollen die preußischen Fabrikanten und Handelsleute jüdischen Glaubens in Sachsen und Altenburg ausgeschlossen sein? Einen: sächsischen Gesellen steht der ganze preußische Staat von Königsberg bis Köln offen, der preußische Geselle muß deutsche Staaten meiden , weit er ein Jude' ist. Täglich ruft man dem Juden zu, ,,lasse deine Kinder Handwerker werden, entsage dem Kleinhandel, erziehe sie znm Gewerbe!" Gut, ich habe meinen Sohn ein Handwerk erlernen lassen, er zieht hinaus ins deutsche Vaterland, das doch jetzt auch sein Vaterland ist, er kommt über die preußische Grenze, - sein Reisegeld ist aufgezehrt, er will ui der nächsten Stadt arbeiten, ,,dn darfst nicht^, ruft die Polizei, ,,dn bist Jude"; er geht kummervoll weiter, tiefer hinein ins deutsche Vaterland, nach Altenburg, nach Hamburg, nach Lübeck, nach Bremen, in noch viele Länder und Städte des deutschen Vaterlandes, und überall heißt es, „geh weiter, hier kannst du dir kein Brot erarbeit e n, du bist Jude^Er muß sich bei seinen Glaubensbrüdern das Reisegeld erbetteln, bis er wieder an eine andere Grenze kommt, wo man es mit dem Glauben nicht so genau nimmt, oder bis er wieder, sein, in der Fremde ihm erst recht werth gewordenes Preußen erreicht. — Was das Ausschlüßen der jüdischen' Handelsleute von den sächsischen Märkten betrifft, so sollte mar: glauben, daß bei den Bestrebungen der heutigen Regierurrgen nach Einheit im Handelswesen es wahrlich an der Zeit wäre, alle diese mittelalterlichen Verordnungen,. -tie den Handel bedrücken, aufzuhcben. Es kam: jetzt nicht mehr die Rede davon 'sein, ob die jüdischen Handetslente den sächsischen ans den Jahrmärkten schaden können, denn der Handel ist ein Gemeingut; er mag wohl noch iu Sachsen und Hannover zünftig sein, dagegen sind die Märkte frei und selbst den Franzosen, Engländern, Russen, kurz allen 40 *

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