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Der Orient · 1847-10-01 · Heft 40 (1.10.1847) · p. Seite 314

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 40 (1.10.1847)
Date
1847-10-01
Page
Seite 314 (sequence 3)
Language
German
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— 314 — durch neue von ihr ausgehende Manipulationen gleichsam von ihr emanirt wird. Diese formt und bildet sie, schneidet ihr die Faoon zu nach Zeit und Umständen, ganz nach Gefallen und Belieben; und der Wetter- Hahn selbst ändert seine Stellung, je nachd e m der W in d b last! Man bemerkt hier aber keine Bereinigung zum Streite um Grundsätze und religiös Prinzipien, keine Verbindung zum Kampfe um das Wahre. Hörte aber diese auf zu sein , 'dann wäre cs auch um die Partei selbst geschehen. Ein Anderes ist es aber mit der konservativen Partei. Diese wird irrthümlich von T i k t \ n repräsentirt; in Wirklichkeit vertritt sie sich selber. Tiktin ist, außer seinen rabbinischen Funktionen, dieser Partei nur das, was jedes einzelne Mitglied derselben ihr ist. Sie wird von ihrem religiösen Bewußtsein ausschließlich getragen, das nie ermatten und erschlaffen wird, selbst wenn Tiktin sich zurück zöge, oder ihr Valet sagte; sie lebte dann dennoch fort und fort. . 2) Hiernach sinddie Kräfte beider Parteien abzn- ' messen. - Die Reformisten sind insofern als mächtig zu erachten, wenn man erwägt, was ihr Oberhaupt über sie bisher vermochte. Es hat ihnen ihre alten, ehrwürdigen Gebete, welche gerade sie, die sie meist Kinder der alten hebräischen Schnle sind, wie ein ererbtes Gut festhalten sollten, — vertauscht, ihnen ans dem Register der Feiertage Einiges gestrichen uud zum Ersatz den 9. ^tb zum halben Feiertag nrngewandelt n. dgl. m. Sie zeigen stets sich als , folgsame Kinder, trauen dem Lehrer aufs Wort, widersprechen nie, trotzdem sie mitunter anderer Ansicht und Meinung sind. Wir wollen diesem Oberhaupte gern Glück wnnschm zu seiner Herrschaft,' die er selbst über sonst sc l b st st ä n dige u n d t h a tkrästige Personen ausubt. — Die Konservativen aber, die wie bemerkt von Niemand repräsentirt werden, bilden allerdings nach Außen hin eine Partei, die vielleicht stets den Reformisten gegenüber sich widerstrebend und im Kampfe begriffen zeigen werden; hingegen mangelt es ihnen nach Innen an Einheit. Jeder Einzelne dieser Partei ist Von einem religiösen Bewußtsein beseelt ■, selbstständig in Meinung, die er auch gern zur That umwandeln und ihr Geltung verschaffen möchte. Daher die stete Anstrengung zu einem entschiedenen Schritt, daher dns ewige Zausen und Zandern, bevor der Hut angcfertigt wird, um die Meinungen und Ansichten Aller unter ihn zu bringen, daher kommt cs auch, daß sie sich nicht entschließen können, selbst erkämpfte Rechte, rein ans Meinungsverschiedenheit, zu behaupten. Auch trauen sie ihren eigenen Kräften gar zu wenig zu, sonst würden sie, wenn sie ihnen genau-bekannt wären, endlich einen Versuch angestellt haben, wie mnsarrgreich dieselben sind, und welche Kräfte noch ihren Gegnern übrig bleiben, aber auch hierzu bedarf es des Entschlusses! — Diesen Umstand scheinen die Reformisten bei den Konservativen wohl wahrgenommen zu haben und -davon Nutzen ziehend rücken sie selbst in der Jetztzeit der Entscheidung nur sehr spärlich mit C o w c es s io n e n h e r a u s. — 3. Dieser mir durch ernannte und Vom Gesetze anerkannte Vorsteher, sonst schwerlich zu beseitigende Umstand macht eine Vereinigung beider Parteien nothwendig, die unseres Dafürhaltens leicht zu bewerkstelligen sein dürfte, wenn die Parteien bei ihren Anforderungen nicht hartnäckig stehen blieben. Sowie die Konservativen nnlängbar einem mäßigen Fortschritt nicht abhold sind, wovon ihre seit längerer Zeit wohl mit Gedeihen bestehende Neligionsschule genug Zengniß giebt, — so wie sie gegen einen ästhetischen Gottesdienst, eine gute Predigt nicht eingenommen sind, und so wie sie endlich Tiktin-nicht für ihr Ideal halten, so müßten die Reformisten ebenfalls in Geiger nicht ihr Ideal erblickenwollcn, nnb iüct;t absolut verlangen, daß die Gesammtgerneinde ihn als ihren Rabbiner anerkenne. Mai, weise jedem dieser beiden Herren die für ihn sich eignende Funktion in der Gemeinde an, rmd ertheile ihnen sonach die gebührenden Titel. Tiktin, der keinen Anspruch ans ein hervorstechendes Rodnertalent inacht, möge den Titel ,,zweiter Ra b b in cr" beibehälten , da er meist über rituelle Fragen, die nur ans Talmud und Rabbiner zu beantworten sind, zu entscheiden hat. Geiger hingegen, für welchen weder Talmud noch Rabbinen maßgebend und bindend sind, gebe einen Titel auf, den er bisher geführt, ein Titel, der nur dem -ziemt und gebührt, an dem nur der mit Stolz hängen kann, der Tradition, Talmud und Rabbinen anerkennt, ihre Worte lehrt undnach ihren Vorschriften lebt, sonst muß der Titel ,,Rabbiner" für einen Mann von Charakter eine reine L ä ch er l i chke it, ein U n d i n g, ja eine Un eh re sein. — Man lege Geiger, falls eres nicht vorziehen sollte, sich CH ach am nennen zu lassen, den Titel ,,er st er Prediger" bei. Dieses Prädikat wäre, da man seiner Rednergabe alle Gerechtigkeit widerfahren lassen muß, das treffendste und genall bezeichnendste; und dürste ihm dasselbe um so eher genügen, da sein-Freund Dr. Hold heim nur aus Charakterfestigkeit den Titel Landesrabbiner aufgab und ihn mit dem eines Predigers freiwillig vertauschte, weit jener Titel, nachdem er sich von Talmud und Rabbinen losgcsagt, ihm eine drückende Last,-denselben ferner zu führen, war. Denn gesetzt auch, Geiger pochte nach wie vor auf Beibehaltung seines Titels, lind er führte endlich einen förmlichen.Bruch, die Konstitnirung zweier Gemeinden herbei,- so wird die Gemeinde, der er vorstechm wird, doch nur Refornlgemeinde genannt werden können, weit, wie veranszusehen, nur diejenigen sich ihr anschließen werden, die die mosaischen und rabbinischen Gebote nur nach ,,dem Geiste und der Wahrheit" (?) anfgefaßt'.wissen wollen, und das Oberhaupt

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