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Der Orient · 1847-09-24 · Heft 39 (24.9.1847) · p. Seite 311

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 39 (24.9.1847)
Date
1847-09-24
Page
Seite 311 (sequence 13)
Language
German
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311 Worten, Nvn mm .1 iiäD uns die Zustimmung versagen wollte, so strafen wir ihn mit 'seinen. eigenen Worten: Wer hat unfern Vorfahren das Recht eingeräumt, den polnischen .imo emzu nehmen? Wir wollen ja nur uralte Gebräuche wieder Herstellen, und unsere Gebete in der wahrhaften Ursprache und in derselben Weise wie unsere Vorfahren zur Zeit des zweiten Tempels zu Gott emporsenden. Ein allgemein gefühltes Bedürfniß wird dadurch beseitigt; der Gottesdienst im hohen Gnl.de vereinfacht und gehoben, die alten ehrwürdigen Gebräuche, und ohne Zweifel mit ihnen auch der alte religiöse Geist.unserer Vorfahren wieder ins Leben gerufen, ohne daß irgend ein Gewissen dadurch beschwert würde. Möchten ui eine Worte überall ein williges Ohr finden, meine Idee verwirklicht werden, und das wahrhaft religiöse Element in unsere verwaiste Synagogen wieder eillA.iehn. L. . . . . BresLrnr,?. Sept. Glauben Sie mir, manchmal beschleicht mich doch ein Mitleiden gegen unsere modernerl Pfaffen, dessen ich mich gar nicht erwehren kann: die Nemesis hat sie doch zu grausam ereilt, sie hat ihnen ,, Ne a a ß g eg e n M a a ß " vergolten. Sie haben sich am Gesetze vergangen, daß sie Talmud, Sabbat, Messias, den: ganzen gesetzlichen Judenthum der: Vertilguugskneg erklärten, und mit dem Gesetze vom 25. Juli sind sie bestraft worden. Haben sie nicht zur Belohnung erwartet dafür, daß sie das Judenthum dem Staate deiumeirteu: der Messi'asgtaube vertrüge sich nicht mit treuer Vaterlandsliebe, die strenge Sabbatfeier Verträge sich nicht mit dem Staatsdienste, die Speisegesetze vertrügen sich nicht mit allgemeiner Bruderliebe, haben Sie nicht dafür mindestens erwartet, daß der Staat sie mit festem Gehalte satariren, daß er ihnen geistliche Gewalt einränmen, daß er für ihre Reformer Geusts armen zur Disposition stellen würde? Und siehe da, das neue Gesetz überläßt die Wahlder Kultusbeamten ganz dem Ermessen der Gemeinden, es räumt ihnen auch nicht ein Titelchen du, es benimmt ihnen durch die Einführung der Civilehe auch den letzten Rothanker! Sie, die Hierarchen, die das Volk von ihren Versammlungen ausgeschlossen, wenn es auch — oder weil es — ihnen an Intelligenz und Würdigkeit überlegen war, sind jetzt aufs Volk angewiesen, sie, die Judenfeinde, die knechtisch um einen Gnadenblick der Machthaber buhlten und dafür die Vergangenheit und Zukunft deS Judeuthums prostitnirten, sind jetzt von den Indem abhängig, sie, die Titelsüchtigen, die um einen Titel den Frieden und das Wohl der Gemeinden opferten, werden jetzt aller ihrer Titel beraubt, und müssen sich mit beut klanglosen Titel ,,Kultusbeamte" begnügen, den sie mit dem Kantor, Schochat Synagogendieuer und Tödtengräber fortan theilen werden. - Unfer Geiger hatte die Absicht, das neue Gesetz zu einer Reform auszubeuien, er wollte den hohem Gottesnamen des Judenthnms„Adouäi" bei Eidesleistungen verklingen lassen, aber das hiesige StadtgerichtPeschied, im Auftrag'des Ministeriums, daß es mit den'Formalitäten der Eidesleistungen beim Alten se i n B ew enden hat., weil dieses eben Kultnssache ist, worüber sich das neue Gesetz nicht erstreckt. Also abermals eine Täuschung! Diese Täuschungen scheinen ^Hrn. G. so verstimmt zu haben, daß er dies Jahr liturgische Reformen'für die herannahenden Feiertage ganz vergessen hat. Solist pflegte um diese Zeit jedes Jahr etn anderes Programm für auSzutaffende tnib ueuciugeftickte Gebete, für Kostüluinlug der Syuagogeubesucher, ob sie mit oder ohlie Kittel erscheinen dürfen, angesertigt zll werden. Dies Jahr verhielt sich der Patriarch ganz'still. Noch liegen ja in der Zukunft Schooße die schwarzen und die heitern Loose. Sollst pflegte er, wenn ihm zu Ohren gekorulnen, daß der oder jener es gewagt, an seiner Heiligkeit u. Unfehlbarkeit zn zweifeln, sofort den eintretenden Sabbat zu benutzen, um die Verhöhner des Heiligen, die Gottesvergeffenen abznkanzetn. Diesmal steckte der schwer Verletzte sogar Rügen von einigen VorstandSmitgliedern ein, die eö ihm offen vorwarfen, er habe durch fein Dareinmischen mn die Versammlung der schlesischen Gcmeiudedeplitirten den ganzen Plan verdorben, weil er Nebenzwecke im Auge gehabt unb das Wort keinem Andern überlassen mochte und nur drei Mitglieder haben nothgedrungen die Protokolle llnterschrieben, die klebrigen haben die Unterschrift verweigert. — Jetzt denken Sie sich, wie weit es mit unö gekommen, wenn beide Parteien ein Stichwort im Munde führen, „keinen Kultus in den Statuten Es ist nämlich " tvieder ein leeres Gerede von Frieden und Gemeinsamkeit, und der Friede soll ans der Basis errichtet werden, daß für Kultusbearnte kein Paragraph in den künftigen Gemeindestatuten ausgenommen werden soll, fonbcvn es soll jedem Gemeiudegliede oder jeder Synagoge überlassen bleiben, wie sie ihr Bedürflliß nach eitlem Rabbinen oder Geistlichen oder Prediger gellügen welle, wie ja faktisch jede Sondersyuagoge auf dieselbe Weise für ihre Kailtoreu und Syuagogendiener sorgt. Die Rabbinen, so spricht man voll beiden Seiten, haben die Eintracht, den Gemeinsinn, den Wohlthätigkeitssinn in der Gemeinde gemordet, wir wollen diese Sänleil ohlle Rabbinen wieder ausbaum, wir wollen sie so weit als möglich von dein Mittelpunkt der Gelueilldethätigkeit' feruhalteu und das Gesetz vom Juli giebt ulls den - begucmstcn Spielraurn dazll. Ob es ausführbar unb heilsam ist, beit Kulluopuukt in den Statutell ganz zll übergehen, dürste schwer zu beantworten sein, unb es konnte auch mir bei uno zur Sprache koulmen, wo Alles zll Unterst und Oberst gekehrt ist, wo Anarchie und Willkür an der Tagesordnung ftnb. Freilich aurb hierbei Alles auf die Wahlen ankonuuen, und ein einsichtsvoller Vorstand, aus, der Mitte des Volkes

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