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Der Orient · 1847-09-24 · Heft 39 (24.9.1847) · p. Seite 310

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 39 (24.9.1847)
Date
1847-09-24
Page
Seite 310 (sequence 11)
Language
German
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310 bcdürfnisse der eiuen oder der der andern Gemeinde, auch sind die Gemeinden dazu im höchsten Grade geneigt. Eine solche prevmzielle Vereinigullg wird sogar vom Staate gefordert werden, wenn der Fall eintretcn wird, die Kommission'der' Neumänner ins Leben zu rufen, wobei jede Provinz als ein Ganzes sich betheitigen müssen^ wird. Allein hierarchische Anmaßung und der Ansatz zu hegemonistischem Uebergewicht der Hauptstadt, wie sie in dieser Versammlung sich knndgab, dient nur dazu, die Gemeinden abzuschrccken, und sie für ihre Getrenntheit eingenommen zu machen. Hoffentlich wird die neue Wahl der Repräsentanten, unddes Vorstands, die auch in rlnsicr Gemeinde nur ans solchen Männern berufen sein werden, die nicht auf Parteiinteressen, sondern auf das Gesammtwohl der Gemeinde eifersüchtig sein werden, allen diesen Nebeln ein Ende machen, so daß unsere Gemeinde, die bisher durch ihre schiefe Haltung der Verachtung auch der kleinsten Gemeinde ausgesetzt war, .wieder die Reihe unter den edelsten, wohlthätigsten und religiösen Gemeinden cinnehmm wird. Nachträglich noch einen charakteristischen Zug von der Konsequenz und der Zuverlässigkeit unseres Rabbinatsassessors. Die Berliner Reformgenossenschaft schrieb an sämmtliche auswärtige Mitglieder, sich im September zu einer Gcneral-Verfammlullg in Berlin persönlich einzustellen. Diese Aufforderung gelangte auch, wie. natürlich, an die hiiesigeu reformgenossenschaftlichen Mitglieder. Der RabbmatSassessor, der die Bestrebungen dieser Genossenschaft z-enug verherrlicht hat, der im Begriffe war, ihr Prediger zu werden, der in ihrem Tempel gepredigt, der sich Mühe gegeben, hier eine Filial-Gemeinde ins Leben zu rufen, er findet es jetzt vor den Wahlen bedenklich, sich persönlich bei der Generalversammlung zu b-etheiligen l Wer 'kann das berechnen? Vielleicht wird ein minder nachsichtiger oder minder reformsnchtiger Vorstand gewählt, dann wird man gen'öthigt. sein, wieder an niO ny&yn in Strümpfen über die Straße 'zu gehen, wieder den über den Kopf zu ziehen, wie darf man sich jetzt durch warme Betheiligung' an der Refermgenosftnschaft kompremittiren? L. Von der Oder im Scpt. 1847. Das neue Jahr, unter dm herrlichsten Aspekten für die Inden des preuß. Staats begonnen, knüpft sich dennoch au.'höchst trailrige Erinnerungen für die zu früh Heimgegangenen im vorigen Jahre. Wir betrauern aufrichtig eine ^hoffnungsvolle. Tochter T. V., leider verschied sie, ehe sie lallen konnte, und mit ihr wurden alle Aussichten auf eine gemäßigte Reform zu Grabe getragen. Minder betrübend für uns war der Tod dcr unehelichen vierjährigen Tochter R. V., da wir schon bei deren Geburt, wo sich 'verschiedene' Mängel am Gehirn kund gaben, alle Hoffnungen zum Großwerdcn aufgaben. Es wurden keine Opfer gescheuet, dies so geistesschwache Kind zu erhalten, doch vergebens! es verschied im Juli d. I. zu Mannheim, und zu unserer Beruhigung ließ sich^ sogleich ans allen Gauen Israels die Stimme vernehmen: Tröstet, tröstet mein Volk! Die Aerzte, die das Kind behandelt, sind untröstlich, und haben in der Verzweiflung die Praxis aufgegebcn. Von den Hinterbliebenen existirt nur noch ein ungerathener Bruder R. V., der, jeder Religion entbehrend und auf seinen Reichthum trotzend, allen göttlichen Gesetzen Hohn spricht. Auch er fing an zu kränkeln, kein Arzt konnte helfen, alle waren zu allopathisch. Mau nahm , seine Zuflucht zum Leibarzt der verstorbenen Schwester; er wurde heraufbeschworen, wie ein Samuel von der Hexe zu Endor. Doch welcher Fehlgriff? Wißt Ihr 'denn nicht, daß der Be schwor ne den Eid leugnet? Er erschien cm3 dem Grabe, warf die ganze Allopathie bei Seite, und ordnete die Religion homöopathisch ein. Nur mein Gehalt, sprach er, soll allopathisch sein! damit ich bei einer in naher Aussicht stehenden Auflösung Eurer geistigen Kräfte physisch fortleben kann. Und so sehn wir denn den Verfall des letzten Stammes ans der Familie V. mit Riesenschritten herannnhen. Amen. Lassen Sie uns nun aber znm wahrhaft religiösen Gebiet übergehn. Das Judenthum, namentlich im preuß. Staate, tritt jetzt in ein neues Stadium. Der § öl des Gesetzes vom 23. Juli bestimmt,, daß jede Synagogeu-Gcmeinde ihre Cultuseinrichtuugeu feststelten soll. Welche Aussicht, welche Bürgschaft gewährt uns dieser §? So viel Synagogen-Gemeiuden, eben so vielerlei Cultnseinrichtungen werden wir antreffen, und es wird mit unserm Gottesdienst dahin feminen, wie weiland mit den Sprachen bei dem Thurmbau zu Babel. Das kann, das darf nichts sein I denn 'w ' nriN min. Wo aber Abhilfe finden? Vielleicht die Zusammenberufung einer Synode? Wozu würde sie führen? Die Orthodoxen wollen keinen Schritt weichen, die Neologen dagegen vieles negiren. Dem größten Theil ist der Gottesdienst zu langweilig, zu ermüdend; man will diePijjutiiu gestrichen wissen! die Alten wollen sich nicht davon trennen! Und die Synode würde unverrichteter Sache auseinander gehn. Aber wir brauchen weder Versammlung noch Synode. Laßt uns alte alte Vornrtheile beseitigen, und veraltete Mißbräuche aus unserer Mitte, verbannen. Laßt uns den Gottesdienst in der alten ursprünglichen Form, wie ihn die Männer der großen Synode (Ansche Keneset Ha-Gedola) eingesetzt, wieder annehmen, laßt uns unsere heilige Sprache in dcr alten Weise Herstellen. Hier würde jeder Parthei Genüge geschehn. Der Gottesdienst ist vereinfacht, erbauend und im höchsten Grade anziehend. Die Orthodoxie kann und wird nichts dagegen einwenden, denn er ist der älteste, zuerst im Jndcnthnm eingeführte und durch sein Alter geheiligt. Und wenn wirklich hie und, da ein orthodoxer Rabbiner mit patriarchalischer Miene mit den

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