Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1847)
- Date
- 1847-09-24
- Page
- Seite 308 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360512--6085-3533516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
308 bedürfte, durch das. die volle Gewissensfreiheit des,Einzelnen gefährdet werden könnte. -. Und so fordern wir denn zur Lheilnahme an dieser Versammlung nicht nur alle Genossenschaften auf, die sich unseren Bestrebungen bereits angeschlossen, sondern auch alle diejenigen, die'sich unabhängig von der Genossenschaft für ähnliche Zwecke vereinigt haben, sowie überhaupt alle Freunde der Reform im Iadenthum, die sich zunächst als Einzelne dem gemeinsamen Wirken, für dieselben anschließen wollen, um sie sodann in ihrem Kreise durch.Bildung neuer Vereinigungen zu fördern» Ueber die Stimmberechtigung der Lheilnehmenden, je nachdem, sie nur als Einzelne oder als Vertreter kleinerer oder größerer. Gesammtheiten in der Versammlung erscheinen, wird diese selbst bei ihrem Ausammentreten die angemessenen Bestimmungen zu treffen haben, wie dieselbe auch wohl Gelegenheit nehmen wird, über Ort und Zeit künftiger "Versammlungen der Art Beschlüsse zu fassen. Berlin, den 30. Juli 1847. Das provisorische Central-Komite der Genossenschaft im Judenthum. Sorrdershllusen, 10. Sptbr. Zu den Berichten von hier in diesem Blatte ist Einiges zu berichtigen. Herr G o ld schmidt ist nicht Lehrer an der jüdischen Realschule gewesen, sondern Vorsänger und Religionslehrer der jüd. Gemeinde, was er noch ist. Auch exi.'lirt keine besondere jüdische Realschule, sondern sie ist öffentlich und allgemein; sie zählt unter 220 Schülern gegen 25 jüdische. Das Schicksal der Petition ist noch nicht bekannt, das Resultat soll hier veröffentlicht werden. ' Herml>urg, 29. Aug. Sott der Tempel orthodoxer werden oder sott er eine reformatorifche Tendenz verfolgen? Das ist bei den Tempelplatz-Inhabern die große Frage, deren Beantwortung tut Tempel selbst — beim Verkauf der Plätze — einen Tumult Hervorruf, wie man ihn höchstens bei besondern Gelegenheiten auf der Straße, aber nicht in einem Gotteshause findet. Gewiß ist, d ie Tumultuanten waren die Orthodoxen! Indessen ist vorläufig die Sache beigelegt, und weiter kein Nachtheil daraus entstanden, als daß die Plätze des Tempels billiger verkauft sind als. sonst! Der Grund der Sache ist aber folgender. Die Kultus-Kommission— ein Konnte gelehrter (?) Mitglieder des Tempels, die alle vierzehn Tage znsammenkommen, um zu berathen, was zu thun sei, was verbessert und neu geschaffen werden kann, d a m i t d i e Leute fleißiger in den Tempel kommen — diese Kultus-Kommission hatte die Absicht, das Vorlesen aus der Tora zu reformirm, d. h. verschiedene Stetten wegzulassen. Gm Mitglied der Kommission, dem solche. Änderungen nicht einleuchten wollten, trat deshalb zurück, und erzählte diesen seinen Zurücktritt — weil seine Pflicht es ihm gebot — allen Tempelmitgliedern seiner Bekanntschaft. Nun kam in folgender Woche der Tempetplatz-Verkauf. Da traten die Orthodoxie beliebenden ans und schrien: wir kaufen nichts j wenn man reformnen will, der verkaufende Direktor schrie > die Masse schrie und es ward ein — bedauernswerthes Schauspiel anfgeführt, ehe zur Ordnung geschritten werden konnte. Also der Tempel ist orthodox, muß orthodox bleiben, wenn er seine Plätze verkaufen will, und von den Plätzen allein existirt er leider. — Eine traurige Existenz für den Tempel! — r. Königsberg, 3.^ Sptbr. Als Kommentar zu meinem jüngsten Berichte über die hiesige SonntagZfeier erlaube ich mir folgende Erklärung des Hm. Dr. Saalschütz hier mitzutheilen. Man ersiehl daraus, daß jetzt vorläufig weder' der Prediger noch die Gemeinde an eine Verlegung des Sabbats auf den Sonntag denkt, aber wir haben freilich gar keine Sicherheit, daß nicht der Sabbat milder Zeit verdrängt werten wird. Hier die Erklärung. (Die Königsb erger Synagoge feiert unverändert ihren Sabbat!) lieber die in der hiesigen Synagoge an den Sonntagen eingerichteten An-' dachtsstunden werden in auswärtigen Blättern manche irrige Nachrichten mitgetheilt, namentlich die, daß man den Sonnabend auf den Sonntag verlegt habe. Es hat dies nie auch nur im Mindesten in der Absicht des hiesigen Vorstandes gelegen, und ist vielmehr von vorn herein auf das Entschiedenste festgestellt worden, daß der S a b b a t s g o t t e ö d i e n st nt i t al len fein c n b i sh er i g e n In st it u ti o n e n tut ü c x Eit rzt und in seiner natürlich einzigen Berechtigung f o r t d a u e r n soll e. Nur für Diejenigen, welche durch unumgängliche Geschäfte oder Studien am Sonnabende zu erscheinen häufig oder immer verhindert sind, wurde noch eine Predigt an einem andern, geschäftsfreien Tage für nöthig gehalten.^ Die einfache, im Ganzen nur eine Stunde dauernde Andacht beginnt und schließt mit Absingung eines kurzen Gebetes, welches einer kleinen Sammlung entnommen wird, die ich treu aus deut H ebräi sch eu G e b et buch e (dein Siddnr) übersetzt habe. Diejenigen, welche ans früheren Schriften meine unerfchüLterlich gebliebenen Grundsätze kennen, werden mich nicht für fähig gehalten haben, mich bei dein Umstürze heiliger Institutionen zu betheitigen, wovon meine Gemeinde gleichfalls weit entfernt ist. Aber sich dessen, was die Zeit einmal fordert (und was das Gesetz nicht verbietet), .eben im vernünftig konservativer! Sinne zu bemächtigen, um ihm eine heilsame Richtung zu geben, ist auch auf dem religiösen Gebiete dieAufgabc eines ,Jeden, der es treu mit feinem Berufe meint. Vielleicht darf ich auch die verehrlichen Redaktionen auswärtiger Blätter, im Interesse der Wahrheit, um gütige Aufnahme dieser Erklärung bitten. Königsberg, am 1. September 1847. 'Dr. Saal schütz, Prediger an der Israel. Gemeinde.-