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Der Orient · 1847-09-24 · Heft 39 (24.9.1847) · p. Seite 306

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 39 (24.9.1847)
Date
1847-09-24
Page
Seite 306 (sequence 3)
Language
German
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—306 scheint es das absichtliche Streben unseres Rabbiners zu sein, jene „Alten", bl< Stammgäste der Synagoge, durch zwecklose nichtssagende Abänderungen auö derselben zu vertreiben. Sie nahmen bereits mit Rest'gaatiouhin, daßdie Opftrgcbete.nicht mehr laut reeitirt werden, und begnügen sich mit dem ungeschmälerten ^L->-Gebet, in den: inkonseglu'iitcr Wcife die Stelle rnoyn nn dHl -jrro Tin1?. noch sigurnt; sie ließen sich ohne Bedenken vom Vorsänger im Musafgebet die- 6. Beirediktion tu eine neue Formet, in ein Emancipationsgebet «mändernhat - man doch auf der andern Seite eineil so schönen Eheralgesang eingeführtwo die Wiedererbauung. der Mauern Jerusalems erfkht wird! Mit allgemeinem Unwillen wurde hingegen die neue Anordnung ausgenommen, daß die Gemeinde das Mnsafgebet nicht wie bisher beten soll, sondem daß der Vorbeter laut bis an IXSün '»JDOl reeitirt, w» alsdann eine eingelMene Pause darallf hinweist, daß seder nunmehr leise beten könne. Man frug mit Recht, warum man nicht dir Gemeinde -wie.immer üblich daö Musaf-Gebet leise beten, und den Vorbeter jenes pcrhorresjircnd'e Gebet ohne Pause überspringen lasse? Und was bezweckte diese Neuerilug. anders als Unordnung rmd Störung; denn ein Theil verließ ganz und gar die Synagoge, ein anderer betete das Mnsafgebet,' während der Vorbeter die Keduscha und das Anhängsel recitirtc. nnd plauderte während der Pause, 'was natürlich aber dm Gottesdienst nicht verherrlicht. Ist es aber um Abkürzung des G.D. zu thuu, so wäre c§ wiederum zweckmäßiger, die ohnehin ganz überflüssige Repetition des Vorbeters, die aus einer nicht mehr geltenden Ursache eingesi'chrt wurde- oder die langweiligen Schtußgcbete des Rabbiners abzuschaffen, da hier ohnehm schon jeder, wie bei dem Finale einer langweiligen Oper an der Thüre steht und nur durch die freundlichen Worte des Syn. -Aufsehers zurückgehalten wird.—- Allein cs muß doch jedes Jahr die fortschreitende Entwickelung sich beurkunden und der Meister muß wie zu ciuer Kunstaussteltung ein neues Gemälde liefern, sollte es auch nur ein Viehstück sein! Der Vertrag, den der Rabbiner am Nenjahrstag hielt, hat uns vermöge seines anregenden nrid zmnWeit<r forschen anfmnnterndell Thema , sehr an gesprochen; er sprach nämlich über die specielle Vorsehung Gottes auf eine fürs Volk angemessene. Weise. Verinißten wir auch in diesern Vortrage die philosophische Unterlage und einen logischen Gedanken, dic allein bei solchen Un-tersuchungen -einen sichern Leitfaden geben können, so eignete sich doch seine poetisch gemüthliche Auffassung, künstlich geschmückt mit den goldfarbenen Blumengewinden biblischer Sprüche, /ganz besonders für das ungelehrige Volk. Befremdend war es uns aber, wie der Redner Zirkelschlüsse als Beweise für eine Vorsehung aufstelleu. unb sagen konnte: „Was soll uns das Beten, wenn eS keine Vorsehung gebe?" Ist denn das Beten per re je voit derVernnnst als instuirend auf die Wettordnung, geschweige auf das individuelle Geschick der Menschen anerkannt worden, wenn die Vorsehung Gottes picht u priori erwiesen ist? Roch sind die drei Gründe, welche schon MarimuS Turins gegen die Bittgebete aussteltte, nicht widerlegt; solche sind: 1) Gott bereut und verändert nicht. 2) Wer um etwas bittet, das er verdient, erhält eS ohne Bitte. 3) Gott sorgt entweder für das Ganze oder Einzelne; bittet inan nun im ersten Falte uni daS, was mit dem Wohle des Ganzen streitet, so wird man cs nicht erhalten, im zweiten Falle würde man einem Kranken gleichen, der seinen Arzt^ um Heitlnittet bittet, die er uu§ als Arzt schon von selbst gebet! wird. Schon Plato sagte daher (ro aszqiov), man könne den Göttern nichts durch Gebet und Opfer nützen, man drucke nur dadurch einen frommen tugendhaften Sinn aus und beweise ihnen dadurch unsere Verehrung. Gott nachzustreben und eine G o t t wohlgefällig eD en kun d Handlu ng sw eise an zunehmen , sei des Menschen Pflicht und fügen wir hinzu, das wirksamste Gebet, wozu man weder Synagoge noch Rabbiner bedarf. Wir müssen noch die Charakterfestigkeit unseres Vorbeters, Herrn Wolf S ch lesi ng e r, rühmend erwähnen, welcher dein Gcuteiudevorstand die Erklärung gab, daß er unmöglich einem Gottesdienste beiwohnen könne, bei dein man sich solche Abänderungen ertaube , die seinem Gewissen und seiner Gesinnung entgegen seien; selbst ans die Gefahr hin, seine Stelle zu verlieren, müsse er diese seiner Gesinnung opfern. Und der Gemeinde-Vorstand wußte diese Charakterstärke zu würdigen, entledigte ihn während der Festtage des Vorbetens, ließ ihm aber übrigens seine Stelle. M—a. Berlinim Aug. (Rcformgenossischcs Rundschreiben.) Die sichtliche innere Auflösung der RG., durch deren Symptome die.besoldeten und von dem Rcformsolde lebenden Letter aufgeschreckt wurden, hat eine neue Generalmrsaminlung für nächsten Octobec in Aussicht gerufen. Es gilt nicht mehr, eine neue Religion zu machen, eine neue Iudenthums-Verfolgung vorzunehmen, sondern den Riß so lange alsmöglich zu erhalten, um. seine Subsistenz nicht zu verlieren. Doch ich will eigentlich incht hier polemisiren, sondern einfacher dlos ein Aktenstück, nämlich das Cireularschreiben des Central-Komiu-'s für Reform, veröffentlichen, das in Ihrem Blatte nicht fehlen darf. Es lautet: Ew. Wo hl geboren erlauben wir uns Gegenwärtiges ergebenst anzuzeigen, daß wir zum Oktober d. I. eine V e r sa m m l u n g j ü d i sch e r R e f o r m f r e u n d e zur Berathung der gemeinsamen. Interessen zu 'veranstalten beschlossen haben. Indem wir Sie zur Theilnahme an dieser Versammlung auffoMrn, und die Hoffnung aussprechen, daß Sie nicht anstchen werden, dieser Aufforderung nachzukommen, legen wir

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