Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1847)
- Date
- 1847-09-24
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Achter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Geschichte und Literatur. Herausgegeben von I)r» Julius FuE. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen ' wöchentlich - das Literaturblatt mit- 'gerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M 39. Leipzig, den 24. September 184V. Inhalt. Deutschland. Frankfurt a. M. Die Cbarakterlosigkeit bn moderneu Reformen. Der Rabbiner. Predigt. Der Vorbeier Schlesinger. B erlin. Reformgenossischcs Rundschreiben. Sondershausen. Berichtigung. Hamburg. Die Schacher im Tempel. Königsberg. Erklärung von Dr. Saalschutz. B r e s l a u. Die Uebergriffe des Dr> Geiger bei den Berathungen zur Bildung einer Synagogengemeiiide. Von der Oder. Nekrolog auf die Verstorbenen. Plan zur'Einführung des ursprünglichen Gottesdienstes. Breslau. Verlegenheit der Reformsüchtigen. Politisches Verhalten des Dr. GeZger. Breslau. Oolonie Lgmeole. — Oesterreich, Anstalt für isr. Taubstumme in Nikolsburg. — Personalchronik und Miscellen. London. Königsberg. — LB. d. Or. Deutschland.. Frankfurt a. M., 14. Sptbr. Fortschritt, Aufklärung und geistige Entwickelung, jenes heilige Trio, womit man sonst die geistig Todten aus ihrem stupiden Schlummer aufzurütteln pflegte, um ihnen unter Abwertung der Schuppen und Schlacken den reinen Gottesglauben im Goldglanze der Vernunft, der Erkenntniß und Wissenschaft vorznführen, sind nunmehr .bei uns zur gedankenlosen Parole geworden, um — ein neues Gebetstnckchcn einzuführen, ein altes zu streichen und andere ähnliche Eskamoterien, so daß man ansängt in den alten Jndiffercntismus zu verfallen, aus dem uns die Kämpfe der jüngsten Zeit kaum gerettet haben. Und so wie eine kältere Temperatur 'der Mecreswogen auf eine zerschellende Klippe in der Tiefe Hinweisen, so läßt die eingetretene kältere Temperatur im Gebiete des religiösen Fortschritts eine Strömling befurchten, die das geistig Erworbene zu verschlingen droht. Die alten Nationalisten, an deren Spitze Maimuni stand, ließen den positiven Gehalt des Jndenthmus ungeschmälctt,' suchten aber theoretisch solchen so zu vergeistigen, daß sie daö Positive nur als den Träger des Idealismus darstellen dtoivVnrpcyw dm* tob m ■riijnriisö tob fO , nN'i^ tob pons), welches natürlich als minder werthvoller Niederschlag zurückbleibi, wenn das Geistige dnrchsittrirt und sich allgemeine Anerkennung erworben hat; der rationelle Rabbinismus ln unserer Zeit hat umgekehrt mit der reinen Idee gar nichts zu schaffen, meißelt und zimmert dagegen emsig an den Leichensteinm des Judenthums und glaubt Wunder für die fortschreitende Kultur der Menschheit gethan zu haben, wenn der Vorbeter irgend ein Gebetstück nicht mehr vorleiert. Erwarten Sie daher nicht Herr Red./ daß ich Ihnen die Specialitäten solcher Reformen, die alljährlich wie die Konstitutionen der ftanz. Republik wechseln, um wahrscheinlich-bald dem eisernen Willen der tyrannischen Nothwendigkeit einer gänzlichen Einstellung des Gottesdienstes erliegen zu müssen, mittheite. Ohne Einheit, ohne charakteristisches Festhalten an einer ausgesprochenen Idee, wird immerfort laborirt und erperimentirt, hier der Rokokostyl beibehalten, dort Philantropische Phrasen substituirt und so durchweg bald durch unzeitige Anwendung eines Mäßigkeitsprinzips^ bald durch einen unnothigen schmerzlichen Einschnitt der Gottesdienst der Menge immer fremder und ungenießbarer gemacht. Und in der That haben wir uns überzeugt, daß nur der kleinste Theil der Gemeinde/die sogcnannten gemüthlichen Alten, welche mit einer schinnnerliden Beitze fcic faulen Fasern ihrer Religiosität aufpntzeii, die Synagoge besuchen; die jüngere Generation hingegen verachten das rabbinische Gängelband, mit dem man sie durch eine' helldunkte Mittelstwße leiten will und lassen sich weder durch Hörnerschatl und Posaunenklang noch durch die'bis zum Uebermaaß vorgetragenen erbaulichen Betrachtungen in die Synagoge locken. Und dennoch; ' 39