Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1847)
- Date
- 1847-09-17
- Page
- Seite 301 (sequence 9)
- Language
- German
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301 den. In dieser Beziehung könnte das ,,Schnschan Edut" von dem Vetter unseres Landrabbiners die Stelle des Zeena u-Rcen a vertreten. — Hirsch hat ein Rundschreiben an alle Gemeinden ergehen lassen, das Sie bereits mitgctheilt haben. — In Proßnitz, wo man bereits die Frage aufgeworfen, ob man am 9. Ab, der am Sabbat fallt, rauchen dürfe, in der Voraussetzung, daß es an einem gewöhnlichen Sabbat erlaubt sei — ist man mit der Erlaubniß, Reis- und Hülsenfrüchte an Pesach zu genießen, noch immer nicht zufrieden! Karlsbad, Ende Aug. Unsere Badesaison bot auch einen kleinen Mittelpunkt für jüdische Interessen. Riesser, der Vorkämpfer für unsere bürgerliche Gleichstellung, wurde durch ein Festessen, begrüßt, au dem sich Repräsentanten verschiedener Länder beteiligten. Es wurden viele Reden gehalten, die besser gemeint als gesprochen warm. Doch war die Rede eines Hru. Kern cutS Pesth, als Vertreter der ungarischen Juden, der Beachtung. werth. — Dieser gefeierte Vorkämpfer der Emaneipatiou wurde auch durch Duller den Männern des deutschen Volkes angereiht. Dem Verdienst seine Kronen! Wien, 1. Sptbr. Unsere Kultusverhältnisse beschäftigen jetzt die Anftnerksamkeit der Juden, die sich für Jndcnthum interessiren. Der Vorstand soll nämlich damit umgehen, noch einen zweiten Prediger für unfern Tempel zu wählen. — L ö w soll seinen Prozeß gegen die Aufwiegler in Papa gewonnen habere. Der Preßburger Rabbiner hat ein neues Traüerlied verfaßt. Prag, 1. Septbr. Der Mangel einer einheitlichen organischen Einheit in unserer Gemeinde wird mir hoffentlich Entschuldigung verschaffen, wenn auch meine Mittheilungen, aller Einheit baar, blos einzelne der Mittheilung werthe Momente geben. Wie die alten Epiker will ich gleich in meckmm rem greifen. Der Correspondent aus Karlsbad hat in seiner Mittheilung über die Einweihungsfeier des dortigen Hospitals das Verdienst des Hrn. Landau mit Recht hervorgehobcn, aber sie mögen mir zu ergänzen erlauben, daß auch die Herren Jgn. Taussig und Er. Wehli sich ein großes Verdienst um dieses schone Institut der Barmherzigkeit erworben. Nachträglich möchte ich noch erwähnen, daß durch das Coneert eines jüdischen Virtuosen daselbst für das Institut eine schöne Einnahme erwachsen ist, bei welcher Gelegenheit unsere österreichschen Juden sich wieder in ihrer Freigebigkeit gezeigt. — Von der wehmüthigen Stimmung bei der endlichen Abreise Sr. k. k. Hoheit, des Prinzen Stephan, von dem allgemeinen Bedauern, das sich durch alle die verschiedenartigen Schichten der hiesigen Bevölkerung gezeigt, werden Ihre Leser gewiß schon aus den politischen Blättern erfahren haben; cs kam jedoch bei den Abschiedöfeierlichkeiten auch so Manches vor, das man gewiß nur erfreulich nennen kann und hier angemerkt zu werden verdient. Bei den Ehrenanfzngen der Zünfte haben auch die jüdischen Zünfte die Ehre genossen, mit ihren Fahnen zu erscheinen , was bei der weiten.. Klnfr zwischen Juden und Christen hier sehr hoch angeschlagen werden muß. —2ber. Umstand, daß Hr. Rabbiner R apap o r t nunmehr einen firirten Gehalt von 600 fl. bewilligt erhalten, hat den.zweiten antigonistischen Oberjuristen Samuel Freund veranlaßt, ebenfalls auf einen fixirten Gehalt Anspruch zu machen. Viele sind der Meinung, daß der Vorstand, in Betracht daß er ausdrücklich bei der Firirung ausgesprochen, daß der Gehalt nur persönlich und Zu keinem Falle ncrmgebend sein soll, daß die Verdienste Rapaports im Allgemeinen noch keineswegs seinen Kollegen zu einem Ansprüche berechtigen kann, daraus nicht eingehen solle. Hingegen meinen Andere, daß von Seiten der Billigkeit Hr. Freund ebenso gut ein Recht darauf habe, insofern jeder Beamte auf Firirung. seilles Gehaltes Anspruch machen kann, und wahrlich, eine Gemeinde wie Prag muß wohl im Stande sein, ihre Beamten zu besolden. Sonderbar muß mau es jedoch finden, wenn Hr. F. in seinem Gesuche voll dem günstigen Einflüsse seines Rabbinats auf das religiöse und moralische^Leben, Hebung der Gemeinde und dgl. spricht; ein solches Argmnent genau unterstützt Sonnte vielleicht je nach der Gruudansicht, von der mau auSgeht, gegen ihn sprechen und man sollte überhaupt Argumente vermeiden, die nach gewissen Allsichten fraglich werden könnten. Im Allgemeinen glaubt man, daß unser Vorstand aller^-Zumuthungen hätte entgehen können, wenn er Hrn. Rapapert, wie es billig ist, zum .Oberrabbiner ernennt hätte,' so daß der Gehalt nicht mehr ausnahmsweise, sondern gesetzlich richtig in der Ordnung wäre, und. keinen Mitbewerber gelockt. — Ueber H i rsch in Mähren circulirm hier die widersprechendsten Gerüchte, so daß man in der That über sein Wirken und über stillen Charakter noch im Zweifel ist. Bald heißt es, daß das Volk über den frommen Rabbiner, der nun seinen Bart wachsen läßt, die Mikwah in Schwung bringt und die Fasttage vermehrt, jubelt, bald aber auch daß die Talmudisten von Fach geringschätzig die Achseln zucken und die Lehrer, denen er einem Ordensgcnerat gleich mit Entsetzung gedroht, eine drohende Stellung angenommen haben. In Bezug auf die Lehrer hat er gewiß recht, die Schulen stehen noch so tief, die Lehrer leben noch so sehr außerhalb jeder Berührung mit der Zeitbildung, daß die Strenge gerade hier am Orte ist, wenn nur nicht aus einem Hochmuthe hervorgegangeir, dessen man ihn allgemein beschuldigt. In Bezug auf die Talmudisteri hat er aber jedenfalls unrecht. Denn wenn man gerade von ihm wünscht, daß er den Pilpul verbannen möge, so muß er doch gelegelitlich, um dieses mit Erfolg zu krönen, zeigen, das; er ihnen gewachsen ist. Leider soll er das Umgekehrte gezeigt haben, weder in bcc nD^n noch in der nun hat er feinem Publikum ein Ueberge-