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Der Orient · 1847-09-10 · Heft 37 (10.9.1847) · p. Seite 295

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 37 (10.9.1847)
Date
1847-09-10
Page
Seite 295 (sequence 13)
Language
German
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- 295 — überlassend,, ob sic zn den wichtigsten des Gesetzes gchörcn oder nicht. — Dm ersten Paragraph/ der dem Zanzen Gesetze als Einleitung dient, können wir nicht ulnhln, wörtlich nicderzu schreiben. Er lautet: „Unseren jüd. Unterthanen sollen, soweiLdL cfe s Gesetz n i ch t ein Anderes bestimmt, im ganzer! Umfange Unserer Monarchie bei gleichen Pflichten auch gleiche bürgerliche Rechte mit Unfern christl. Unterthanen zustehen." — Wie, mancher Jude, meinen Sie, hat mcht schon beinl Lesen dieses §. den (hier mit Fleiß breitgedruckten) Zwischensatz: ,, so weit dieses Gesetz nicht ein Anderes bestimmtst übersehen und nur die schönen Werte: „bei gleichen Pflichten auch gleiche bürgerliche Rechte" ins Auge fassend, vor Freude das Zcitungsblatt Men lassen und wonneberanscht ausgerusen: „Gott sei Dank! Wir sind emaneipirt."— Wir waren selbst Zeuge einer solchen Seene, und mir zu bald den Jrrthmn unseres Freundes merkend, begingen wir (Gott verzeih' uns unsre Sünde) die Grausamkeit, ihn, so zu sagen , mit der Nase auf den erwähnten Zwischensatz zu stoßen, und ihm zuzurufen: „Hier, diese Worte lerne auswendig — und dann lies weiter!" — Der Arme war wie aus den Wolken gefallen. Er schlug die Augen «auf, blickte um sich, und siehe! es war nicht mehr so hell um ihm, als er sich's einige Augenblicke lang eingebildet hatte. — Nicht lange darauf hörten wir ihn stöhnen, was war's? Er hatte vor dem zweiten §. die Uebcrschrift gelesen: „Bestimmungen für alle Landeöthcile mit Ausschluß des Großherzogthums Posen." Die Stelle: „ mit Ausschluß :e." konnte unser Freund ohne Seufzer nicht passiren. Wir— wahrhaftig! auch nicht. ■— Armes Großhcrzogthunl! Mußt Du noch immer gekränkten Herzens und neidischen Auges..-zu Deinen sieben begünstigtem Schwestern hinausblicken: Aber was kannst du denn dafür,. daß du eine geborne Polin? Und ist es denn wirklich eine so große Sünde, polnische Borfahren gehabt zu haben? — Und, gesetzt auch, es wäre dicß ein schwere Sünde, es wäre ein Verbrechen — ist dieses Verbrechen noch immer nicht abgcbnßt? Noch immer nicht abgebüßt, wenn seit -1815 schon über dreißig, seit 1795 schon über fünfzig und endlich seit 1772 schon mehr denn sicbenzig. Jahre dahingegangen? — Gehen wir nun zu dem für so wichtig gehaltenen §. 2 selbst über. Er ist betitelt: „Zulassung zu öffentlichen Aemtern", wahrend er in seinem ersten Theile eigentlich nur zeigt, zu welchen unmittelbaren, und mittelbaren Staatsmit» Kommunalärntenl " Juden md)t können zugetassen werden. Es sind dieß alle Aemter, mit welchen die „Ausübung einer richterlichen", oder einer ,/polizeilichen", oder endlich einer „exekutiven Gewalt verbünden ist." — Hier,sei uns nur eine ganz einfache Frage gestattet. Sie lautet: „ W a § b l e ib t übrig?^ — Jur andern Theil des §, lieber Leser, sichst Du einen Baum, einen tief-in dem Boden der Vorurtheile wurzelnden, aber ebenso ricsenmäßig hoch sich erhebenden und bis in die Wolken hineinragenden Baum. Der Baum hat viele Aeste, sehr viel Zweige und unendlich viele Blätter, aber um ganz oben auf dem höchsten Gipfel erblickt.Dein Auge, vorausgesetzt, daß es soweit sehen kann., eine Frucht, eine reizende Frucht, eine Frucht „lieblich zum Ansehen und gut zum Genießen" — sie heißt: „Ordentliche Professur au Universitäten," —Du freust Dich, erhebst sehnsüchtig Dein Auge und streckest lüstern die Hand ans, um nach.der schönen Frucht zu greifen; allein sie ist zu fern von Dir, . Du kannst sie nicht erreichen, und die Leiter ist Dir benommen; denn an einem Gymnasium darfst Du als Jude nicht angestellt werden, an einer 'Realschule darfst Du als Jude nicht augestellt werden, an einer hohem Bürgerschule darfst Du als Jude nicht angestellt werden, weil mau Dir die christliche Jllgend nicht auvertraum mag, fürchtend, Du könntest den „jüdischen Geist" in die jungen Gemüther verpflanzen — und Pr en ß en ist ein christlicher Staat.— Die Leiter ist Dir benommen. — Gesetzt aber auch, die Höhe des Baumes reizte Dich so, daß Du Dich zu derselben auch ohne Leiter hinaufzuschwüigen vermöchtest? — so bitten.wir, in der Hast nicht zu übersehen, was neben der „schönen Frucht" zu lesen. Wir meinen die Worte des Paragraphen: „so weit die Statuten n tch t e u tg eg e n st e h e n". — Preußen hat 6 Universitäten und Berlin soll die einzige sein, wo die Statuten eben „nicht cntgegenstehcn". — Der dritte § schließt die Juden von aller und jeder ständischen Gerechtsame aus. Sie siird weder wählbar noch wahlfähig, und selbst ihre Grundstücke werden der ihnen eigen gewesenen ständischen Rechte verlustig, sobald ein Jude ihr Herr wird. — §♦ 4 gestattet unbeschränkten „Gewerbebetrieb im Umherziehcn". Die Frage, ob das nicht eben das verpönte „schachernde Umherziehcn" befördern werde —- — wollen wir Andern überlassen. — 7 ist mit eine von den lichtesten Stellen an dem Horizont unseres politischen und bürgerlichen Lebens, — sie heißt: „Unbeschränkte Glaubwürdigkeit vor Gerichtsowohl in Civitals auch in Kriminalsachen." , Hier ist weiter Nichts zu bemerken. (Beschluß folgt.) O e st e r r e ich. Pesth, 22. Ang. Durch die Verfassung uirscrcZ Königreiches haben die Juden ein größeres Terrain für ihre Emancipativnsbcstrcbungcn und die süßen Hoffnungen locken wieder viele jüdische Familien nach dem Ungarlandc. Fragen Sic aber, wieviel unter der zechlrei- 3) Gedanke aus Göthe's „Wilhelm Meister" (Lchrj. B II. (§. 9).

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